Tiefenlockern ist ein intensiver Eingriff in den Boden, der viel Diesel benötigt und die vorhandene Bodenstruktur stört. Dieser Eingriff sollte also gut abgewogen werden. Tiefenlockern kann derzeit gute Effekte auf schadverdichteten Flächen bringen, wenn damit die Aussaat einer Zwischenfrucht kombiniert wird, die hier die Lebendverbauung unterstützen soll.
Bei der momentanen Trockenheit macht es ohne nennenswerten Niederschlag wenig Sinn, bereits die Zwischenfrucht zu säen. An den meisten Standorten NRWs sind der Ober- und der Unterboden gut abgetrocknet und das aktuelle Zeitfenster kann nicht nur für die Unkrautregulation, sondern auch zum Tiefenlockern genutzt werden.
Potenzielle Schadverdichtungen kann man im Pflanzenbestand mithilfe der Spatenprobe finden. Dabei wird festgestellt, ob die Wurzeln in der Lage sind, den ganzen Horizont zu durchwurzeln oder bei einer bestimmten Tiefe nicht weiterkommen oder sogar abknicken und entlang der Verdichtung horizontal weiterwachsen. So lässt sich auch die notwendige Arbeitstiefe von rund 5 cm unter der Schadverdichtung festlegen.
Das Tiefenlockern löst Schadverdichtungen auf einer Tiefe bis maximal 60 cm und verbessert somit unter anderem den Wasser- und Gasaustausch des Bodens. Das kann Staunässe reduzieren und erleichtert es den Pflanzenwurzeln, auch den Unterboden zu erschließen. Bei drainierten Flächen unbedingt vorher kontrollieren, wie tief und wo die Drainage verläuft.
Korrekte Schareinstellung
Die Maßnahme ist aufgrund des hohen Dieselverbrauchs und Verschleißes relativ teuer. Daher sollte vorab geprüft werden, ob dieser Aufwand angebracht ist, also der Boden das nicht auch selber schafft. Sollten zum Beispiel unter suboptimalen Bedingungen Verdichtungen in die Fläche gefahren worden sein, sich eine massive Pflugsohle gebildet haben oder sandige Böden sich dicht gelagert haben - bis hin zum Ortsstein -, so wäre jetzt ein geeigneter Zeitpunkt für die Tiefenlockerung. Einerseits besteht die Möglichkeit, nur die Fahrspuren, insbesondere vom Drescher, und das Vorgewende zu lockern und so bereits die schlimmsten Verdichtungen aufzubrechen. Danach kann meist ganz normal die Bodenbearbeitung erfolgen.
Soll andererseits auf einzelnen Problemflächen der Boden auf der ganzen Fläche tief gelockert werden, ist ein etwas anderes Vorgehen gefragt. In dem Fall sollte die Grundbodenbearbeitung bereits abgeschlossen sein, bevor es an den Verdichtungshorizont geht. Wichtig ist, dass das Schar den Boden nur durch Anheben und Absenken lockert und nicht wendend oder gar mischend arbeitet. Dafür bieten sich die gängigen Scharformen, wie ein Parabelschar, der führenden Hersteller an. Der Strichabstand sollte nicht zu eng gewählt werden, um die Bodenstruktur nach Möglichkeit zu erhalten: Optimal sind mindestens 50 cm, besser 60 bis 75 cm Abstand.
Direkte Zwischenfruchteinsaat
Im Anschluss darf die entstandene lose Struktur nicht wieder mechanisch rückverfestigt werden, sondern im besten Falle wird diese biologisch durch Wurzeln stabilisiert. Konkret heißt das, dass mit einer Kombination aus Lockerungszinken mit Kreiselegge und aufgesattelter Drillmaschine direkt die Zwischenfrucht ausgebracht wird.
Sophie Knobelsdorf und Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW