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Trockenheit: Was tun im Grünland?

31.07.2026
Vertrocknetes Grünland
Auf vielen Weiden gibt es kein derzeit Wachstum mehr, sodass das Weidevieh überwiegend im Stall zugefüttert werden muss.

Bis auf wenige Regionen herrscht in Deutschland eine mehr oder weniger ausgeprägte Trockenheit. In NRW ist die westliche Landeshälfte – insbesondere das Niederrheinische Tiefland, die Niederrheinische Bucht und die Eifel – am stärksten von der Trockenheit betroffen. Das Sauer- und Siegerland sowie das Weserbergland in Ostwestfalen sind dagegen weniger stark und weniger lang von der Trockenheit betroffen.

Die extreme Hitze vom 18. bis 28. Juni mit über 40 °C hat die Bodentrockenheit maßgeblich befördert. Seitdem sind die Temperaturen wieder gemäßigt, aktuell eher kühl. Am 14. Juli brachten heftige Gewitter vor allem in Ostwestfalen bis zu 60 mm Niederschlag je m². Die derzeitige Trockenphase erreicht jedoch nicht das Ausmaß von 2018; der Juli könnte regional aber ähnlich trocken ausfallen.

Was macht das Grünland?

Seit Anfang Juli zeigt sich in weiten Teilen des Landes im Grünland eine deutliche Wachstumsdepression. Vor allem Regionen mit wenig Niederschlag in den letzten Wochen sowie leichte Böden weisen gegen Null gehende Wachstumsraten oder sogar Substanzverluste auf. Dank relativ hoher Niederschläge von Anfang Mai bis Mitte Juni konnten landesweit dennoch überwiegend gute Ernte realisiert werden. Je nach Region und Nutzungsbeginn wurden zwei bis vier Schnitte realisiert und damit 60 bis 70 % der Jahreserträge eingefahren. 

Rotklee in trockenem Grünland
Der Rotklee hat eine tiefreichende Wurzel und kann so Trockenphasen besser überstehen als Weißklee.

Trotz aktueller Trockenheit droht daher kein akuter Futtermangel. Allerdings bleibt die Maisentwicklung und -ernte abzuwarten. In einigen Regionen hat der Mais stark unter der anhaltenden Trockenheit gelitten. In Futterbaubetrieben mit hohem Weideanteil können Weideaufwüchse allerdings knapper werden; die täglichen Weidezeiten beim Milchvieh sind daher vielerorts reduziert.

DWD-Bodenfeuchte-Karten zeigen landesweit derzeit überwiegend leichten bis mittleren Trockenstress bei Grünland. Dies ist der Fall, wenn die nutzbare Feldkapazität (nFK), also die Wassermenge im Boden, die von Pflanzenwurzeln aufgenommen und genutzt werden kann, unter 40 % liegt. Vor allem in den westlichen Landesteilen fällt dadurch mindestens ein Grünlandschnitt aus.

Wie reagiert Grünland?

Deutsches Weidelgras Wurzeln
Insbesondere das Deutsche Weidelgras zeigt auch nach längeren Trockenphasen ein großes und relativ schnelles Regenerationsvermögen. Bei ausgeprägtem Wassermangel gehen die Gräser in eine Vegetationsruhe (Dormanz) über.

Bei ausgeprägter Trockenheit reagieren Gräser mit Vegetationsruhe und Verdunstungsschutz (Blätter rollen), insbesondere bei über 28 °C. Häufig kommt es zu vermehrter generativer Entwicklung (Blütenstandsbildung) bei Weidelgräsern. Knaulgras und Rohrschwingel zeigen noch kein deutliches Welkeverhalten, aber auch kein Wachstum. Während Weißklee am Niederrhein bereits frühzeitig Symptome von Trockenstress zeigt, erweist sich der Rotklee aktuell noch als weitgehend vital. Profiteure der Trockenheit sind tiefwurzelnde Unkräuter, wie Ampfer, Distelarten, Löwenzahn, Hirtentäschel. Auch die Gemeine Quecke toleriert Trockenheit gut. Die flachwurzelnde Gemeine Rispe leidet dagegen stark und zeigt früh Substanzverlust. Vielerorts präsentiert sie sich vertrocknet und ist gelb-braun verfärbt.

Maßnahmen bei Trockenheit

Extreme Trockenheit bedeutet insgesamt Stress für das Grünland. Die Kulturgräser, allen voran das Deutsche Weidelgras, regenerieren aber nach ausreichender Bodenfeuchte in 5 bis 10 cm meist innerhalb einer Woche sehr gut. Trotz des Wissens um die gute Regenerationsfähigkeit gilt es, während und nach intensiven Trockenphasen im Grünland die richtigen Entscheidungen und Maßnahmen zu treffen, damit die Grasnarbe ohne nachhaltige Schäden oder unerwünschte botanische Entwicklungen gut regeneriert. Im Folgenden werden anhand typischer trockenheitsbedingter Situationen entsprechende Empfehlungen abgeleitet.

Wann ernten?

Weist das Grünland einen Ertrag von etwa 12 bis 15 dt TM/ha – das sind rund vier bis sechs Rundballen/ha - auf und ist der Pflanzenbestand insgesamt noch vital, lohnt die Ernte anstatt ein weiteres Warten. Nach der Ernte steigen zwar die Verdunstungsverluste, doch Vorrang hat die Futtergewinnung. Die Aufwüchse eignen sind zumindest noch für die Fütterung von Trockenstehern und Jungrindern. Der Schnitt sollte tendenziell höher als üblich bei mindestens 8 cm, um die Regenerationsfähigkeit der Gräser durch die Stoppel und gegebenenfalls fotosynthetisch aktiver Restblattmasse zu verbessern.

Liegt der Ertrag bei unter 10 dt TM/ha, zeigen die Gräser einen hohen Blattverlust;und hat das Deutsche Weidelgras bereits stark Blütenstände geschoben, sollten mit einem Schröpfschnitt gewartet werden. Der Schnitt sollte erst durchgeführt werden, wenn sich das Wetter ändert und wieder nennenswerter Regen zu erwarten ist. Der Schröpf-/Mulchschnitt ist grundsätzlich sinnvoll, um den vegetativen Wiederaustrieb zu fördern. Bei längerer Trockenheit kann Weidelgras samenreif werden, sodass auf natürliche Weise eine Nachsaat erfolgt.

Gemeine Rispe bekämpfen?

Gemeine Rispe striegeln
Unter den vorherrschend trockenen Bedingungen kann die Gemeine Rispe sehr effektiv mit dem Grünlandstriegel bekämpft werden. Die Nachsaat ist unter anhaltend trockenen Bedingungen aber nicht zu empfehlen, da diese nicht keimt und keinen guten Bodenkontakt ha. Selbst wenn der Grassamen keimt, besteht das Risiko des Vertrocknens.

Vielerorts ist es bei der sehr flachwurzelnden Gemeinen Rispe meist zu deutlichen Welkeerscheinungen gekommen. Dies ist ein günstiger Zeitpunkt, dieses unproduktive Gras sehr effektiv mit dem Grünlandstriegel mechanisch zu bekämpfen. Der Striegel sollte für diese Maßnahme scharf eingestellt sein. Ist der Boden oberflächlich allerdings extrem hart und verkrustet, sodass die Zinken des Grünlandstriegels nicht mehr oberflächlich in den Boden eindringen können, sollte noch mit dem Striegeln gewartet werden, bis etwas Regen gefallen ist. Große Mengen herausgestriegelter Pflanzenmasse sind zu schwaden und abzufahren. Lücken sind mit Nachsaatmischungen, wie der QSM GV, zu schließen. Die eigentliche Nachsaat sollte möglichst erst erfolgen, wenn es wieder erste Niederschläge gegeben hat. Dann ist der Boden wieder etwas plastisch und das Grassaatgut bekommt nach dem Aufrauen mit dem Striegel oder mit der Durchsaat mit einer Direktsämaschine besseren Bodenschluss. 

Stumpfblättriger Ampfer
Der Stumpfblättrige Ampfer ist ein Problemunkraut im Grünland, der eine kräftige, tiefreichender Pfahlwurzel bildet. Daher kann diese Art auch bei anhaltender Trockenheit nahezu konkurrenzlos weiterwachsen. Wichtig ist, dass der Ampfer nicht zur Aussamung kommt.

Das Anwalzen (Prismenwalze) erhöht den Feldaufgang. Die Nachsaat in staubtrockene und oberflächlich verhärtete Böden ist hinsichtlich des Feldaufgangs der ausgebrachten Grassamen weniger effizient und zielführend. Der günstigste Zeitraum für Nachsaaten liegt zwischen Mitte August und Mitte September. In Mittelgebirgslagen sind Nachsaaten aber noch bis Anfang Oktober zu vertreten.

Stumpfblättriger Ampfer

Der Stumpfblättrige Ampfer ist eines der problematischsten Unkräuter im Grünland. Er ist unter Trockenheit konkurrenzstark, die Samen bleiben jahrzehntelang keimfähig. Das Aussamen sollte unbedingt verhindert werden. Daher ist der Ampfer zu Beginn der Blüte zu mähen. Eine chemische Ampferbekämpfung ist idealerweise im Herbst durchzuführen.

Nachhaltige Düngung nach Trockenheit

Nach längeren Trockenphasen kommt es bei Wiederbefeuchtung zu hohen N-Mineralisierungsschüben. Die freigesetzten Stickstoffmengen können höher sein als verfügbare N-Mengen durch Düngung. Daher empfiehlt sich keine oder nur moderate zusätzliche N-Düngung nach Trockenphasen. Im Spätsommer ist das vegetative Wachstum ohnehin reduziert, der N-Bedarf entsprechend gering und wird meist aus der bodenbürtigen Mineralisation gedeckt.


Hubert Kivelitz, Landwirtschaftskammer NRW