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Umfrageergebnisse zum BTV-3-Geschehen

28.01.2026

Leider ist das Thema Blauzunge noch nicht vom Tisch, viele Betriebe hat es im Jahr 2024 stark getroffen. Nachdem tiefgreifende Einschnitte im Betrieb einigermaßen verarbeitet sind, droht zurzeit die Einschleppung des Blauzungenvirus vom TYP-8 aus Südwesten. Was sollen Betriebe nun unternehmen?  

Beim Ausbruch mit BTV-3 2023 bis 2024 hat die Beratung für ökologische Milchviehhalter der Landwirtschaftskammer NRW im Januar 2025 eine Umfrage durchgeführt. Insgesamt 162 Betriebe haben daran teilgenommen und ihre Betroffenheit bei der Blauzungenerkrankung BTV-3 angegeben. Darunter waren 148 Milchviehbetriebe und 14 Mutterkuh-, Mutterschaf- oder Yak-Betriebe. Der überwiegende Teil der befragten Betriebe ist aus Nordwestdeutschland. Die Mehrheit der Betriebe wirtschaftet ökologisch (77 %), während 23 % konventionell arbeiten. Die durchschnittliche Herdengröße der teilnehmenden Betriebe liegt bei 90 Kühen mit einem mittleren Leistungsniveau von 7 379 l Milch pro Kuh und Jahr.

Jerseykühe auf der Weide
Jerseykühe sind anfälliger für das Virus als andere rassen. 

Durch das Voranschreiten des Infektionsgeschehens ist, je nach Ausbreitungsgeschwindigkeit und Lage des Betriebes, eine Betroffenheit zu verschiedenen Jahreszeiten eingetreten. Betriebe besonders nah am Ausbruchsherd waren teilweise schon 2023 betroffen, 2024 traf es allerdings die meisten Betriebe in NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, der Schweiz, Belgien, Luxemburg und im südlichen Niedersachsen. Während die Lage eines Betriebes nicht verändert werden kann, folgt daraus Frage, was ein Betrieb noch tun kann, um besser auf ein solches Krankheitsgeschehen vorbereitet zu sein.

Stressfaktoren als Einflussgröße

35 % der befragten Betriebe (56 von 162) gaben an, Stressfaktoren in ihrem Betrieb zu kennen, die möglicherweise die Krankheitsanfälligkeit erhöhen. Die genannten Stressfaktoren sind in der Grafik 1 dargestellt. Bei der Untersuchung wurde in Kategorien abgefragt, wie viele Tiere in der Herde Betroffenheit bei einzelnen Symptomen zeigten. Die Kategorien wurden in einen Index übertragen: Kategorie 0 bis keine Betroffenheit, bis Kategorie 5 bis 100% der Tiere sind betroffen. Diese Kategorien wurden je nach Tiergruppe bei rund 13 Symptomen abgefragt und führen zu einem Index, der, je höher er ausfällt, eine stärkere Betroffenheit bedeutet. Pro Tiergruppe ist aus der Grafik 2 ersichtlich, dass im Mittel die Tiere mit vorhandenen Stressfaktoren in jeder Tiergruppe eine höhere Betroffenheit mit typischen Blauzungen-Symptomen zeigten.

Leistungsrückgang und mögliche Ursachen

Im Zeitraum von Juli 2023 bis Januar 2025 wurde ein durchschnittlicher Leistungsrückgang bei Betrieben mit Stressfaktoren von 5 bis 10% beobachtet, ohne Stressfaktoren bis 5 %. Einzelne Ausreißer in der Studie zeigen aber auch, dass einzelbetriebliche Faktoren zu erhöhter Betroffenheit führen können, obwohl zunächst kein zusätzlicher Stressfaktor bekannt ist. 

Dünnhäutige Rassen, wie Jersey, scheinen mit höherer Virusfracht konfrontiert zu sein. Bei Leistungseinbußen hat es Betriebe oft besonders stark getroffen, die zwei Ausbruchsfenster auf ihrem Betrieb hatten. Oft haben Impfungen in schon stark erkrankte Bestände zu hoher Betroffenheit geführt. Betriebe, deren Abkalbungen in den Zeitraum der Infektion mit BTV-3 fielen, zeigten oftmals sehr starke Betroffenheit.

Fazit aus der Studie

Stressfaktoren können einen erheblichen Unterschied ausmachen, ob eine Herde stark betroffen ist oder nicht. Viele Stressfaktoren lassen sich nur bedingt ändern. Bei dem aktuellen Geschehen wird es sich jedoch lohnen, Schwachpunkte, wie Nährstoffmangel, Klauenprobleme, Fütterung oder auch weitere Erkrankungen zu analysieren und erste Schritte einzuleiten, an diesen Punkten zu arbeiten. Dann kann auf eine mögliche Infektion mit Ruhe und Bedacht, gutem Management und gutem Impfstatus begegnet werden. 


Sarah Hoffmanns, Landwirtschaftskammer NRW