Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Umstellen auf Ökolandbau?

03.03.2026

Nach sechs Jahren Pause fand am 25. Februar endlich noch einmal ein Umstellertag auf Haus Düsse statt. Zu der unter neuem Namen als „Infotag Ökolandbau“ angekündigten Veranstaltung kamen 42 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um ganz praxisnah zu erörtern, wie Bio funktioniert, welche Möglichkeiten eine Umstellung bietet und wo Unterstützung und Beratung zu erhalten sind. 

Umstellertag Markt der Möglichkeiten
Auf dem Markt der Möglichkeiten waren neben einigen Vermarktern auch die Öko-Modellregionen NRW vertreten. Hier informiert sich Landwirt Carsten Kracht bei Florian Rohlfing über die Aktivitäten im Kreis Minden-Lübbecke.

Den Infotag hatte das Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW gemeinsam mit der Landesvereinigung Ökologscher Landbau, LVÖ, und dem Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband, WLV, organisiert. 

Starke Konkurrenz zu dieser Veranstaltung, die zuletzt 2020, vor der Corona-Pandemie, auf Haus Düsse stattgefunden hat, boten die zeitgleich und ebenfalls nach längerer Pause wieder auf Haus Düsse beheimateten Milchviehtage. Dennoch lauschten die Landwirtinnen und Landwirte von zwölf konventionell wirtschaftenden Höfen aller Betriebszweige, vornehmlich aus der Region rund um das landwirtschaftliche Bildungszentrum, den Ausführungen der Referentinnen und Referenten und diskutierten angeregt und wissbegierig mit den ökologischen Berufskollegen sowie den anwesenden Marktpartnern. 

Hilfreicher Austausch

Einen intensiven Austausch untereinander wünschte den Anwesenden auch Dr. Arne Dahlhoff in seiner Begrüßung. „Für diese sehr individuell zu treffende Entscheidung, ob man seinen Betrieb umstellen kann und möchte, sollte man sich mit allen möglichen Perspektiven beschäftigen. Der Zeitpunkt, sich mit dem Umstellungsgedanken zu befassen, ist jedenfalls gut, der Handel muss auf die wachsende Nachfrage nach Biolebensmitteln reagieren. Insofern sind neue Marktpotenziale vorhanden“, machte der Direktor der Landwirtschaftskammer NRW Mut und sprach dabei die Knappheit heimischer Rohstoffe an, die vor allem die tierischen Produkte Milch, Fleisch und Eier betreffe. Ein Pluspunkt für Betriebe in NRW sei die im Biobereich sehr gut ausgebaute Verarbeitungsbranche. „NRW hat nach Bayern die meisten biozertifizierten Verarbeitungsunternehmen“, so Dr. Dahlhoff. 

Annette Alpers, die die Teilnehmer im Namen der LVÖ begrüßte, unterstrich die Aufforderung ihres Vorredners, alle Perspektiven auf ihre realistische Umsetzbarkeit zu prüfen. „Gehen Sie zu den Marktpartnern und fragen Sie ab, was gebraucht und gesucht wird. Dann gibt es mehr realistische Chancen als Risiken für den ökologischen Landbau.“ 

Mehr Motivation im Betriebsalltag

Um dazu Stimmen aus der Praxis zu hören, kamen drei Biolandwirte zu Wort, die über ihre Erfahrungen mit der Umstellung und mit der ökologischen Wirtschaftsweise berichteten. Unisono rieten sie den konventionellen Berufskolleginnen und -kollegen: „Niemand sollte seinen Betrieb umstellen, ohne einen langfristigen Vermarktungsvertrag zu haben. Das gilt umso mehr als Schweine- oder Rinderhalter. Wenn man aber sauber plant, gelingt die Umstellung. Fest steht: Gute konventionelle Betriebe werden auch gute Ökobetriebe!“ 

Umstellertag Biolandwirte
v.l.n.r.: Stefan Potthoff, Biomilchviehhalter in Velen, Jan Raude, Biosauenhalter in Hoetmar, und Christoph Bochröder, Bio-Ackerbauer in Düren, stellten in einer Podiumsdiskussion ihre Betriebskonzepte vor. Die Berufskolleginnen und -kollegen hörten gespannt zu, welche Gedanken sich die drei vor und während der Umstellung gemacht haben und welches Fazit sie heute, nach einer erfolgreichen Umstellung auf Ökolandbau, ziehen.

Christoph Bochröder, Düren

Den Biohof Bochröder gibt es seit 1967, Christoph Bochröder führt den Betrieb gemeinsam mit seiner Familie und seinen Brüdern in der dritten Generation. Zusätzlich zur Demeter-Mitgliedschaft ist der Betrieb nun auch bei Naturland zertifiziert. „Wir bauen die Kulturen an, nach denen die Nachfrage steigt. Daher haben wir uns vom Ackerbau mehr zum Feldgemüsebau hin entwickelt. Dazu kommen 5 000 Legehennen in Hühnermobilen, die wir aufgrund der Anforderungen unseres Vermarktungspartner angeschafft haben.  Das zeigt, dass man als Biolandwirt recht flexibel auf den Markt reagieren muss.“ Bochröders können auf sehr gute, zuverlässige Marktpartnerschaften blicken, die teilweise seit den 1980er-Jahren bestehen. „Diese festen Partnerschaften mit Vermarktern, mit denen man auf Augenhöhe spricht, sowie der große Zuspruch aus der Gesellschaft zu unserer Bewirtschaftungsart spornen uns an, mit Bio weiterzumachen und jegliche Vorurteile zu entkräften. Bio funktioniert dann gut, wenn man Vielfalt hat!“, meint der Biolandwirt.

Jan Raude, Hoetmar, Kreis Warendorf

Jan Raude bewirtschaftet einen Gemischtbetrieb mit 75 ha Ackerbau und 60 Sauen im geschlossenen System. 2021 hat er mit den Überlegungen zur Umstellung begonnen, 2022 den Kontrollvertrag unterschrieben, seit 2023 ist der Betrieb Bioland-Mitglied. „2021, kurz nach der Corona-Pandemie, waren die Schweinepreise im Keller. Für unsere 1 700 Mastplätze gab es einen großen Investitionsbedarf - der war aber bei 1,12 €/kg nicht realistisch zu erfüllen und es hat mir einfach keinen Spaß mehr gemacht. Ich wollte sicher sein, dass ich in zukunftsfähige Konzepte investiere. Der Kontakt zu anderen Biobetrieben und zu Bioland bestand schon und ich habe mich viel umgesehen. Außerdem wurde und wird Bioschweinefleisch gesucht und die langfristigen Verträge erlauben mir eine ganz andere, viel zuverlässigere Planbarkeit. Seit der Umstellung macht mir die Landwirtschaft wieder richtig Spaß. Ich denke wieder viel mehr über das, was ich tue, nach und arbeite nicht nur routiniert und gedankenlos vor mich hin. Zwar ist die Biosauenhaltung sehr arbeitsintensiv, aber wenn ich die Ausläufe und Ställe frisch mit Stroh einstreue und sehe, wie sehr sich die Tiere darüber freuen und wie sie darin herumwühlen, macht mich das einfach sehr zufrieden und glücklich. Dieses Glücksgefühl kannte ich früher nicht. Und last but not least: Auch auf schweren Tonböden, wie wir sie im Kreis Warendorf haben, ist ökologischer Ackerbau möglich. Die Biodiversität auf den Flächen ist sichtbar mehr geworden - auch das stimmt mich positiv und zufrieden.“ 

Stefan Potthoff, Velen/Kreis Borken

Stefan Potthoff hat seinen Milchviehbetrieb samt Ackerbau 2016 umgestellt, 2018 hat er die erste Biomilch geliefert. „Schon 2013, nach meinem Abschluss an der Fachschule, habe ich überlegt, dass ich etwas Neues ausprobieren und nicht stehenbleiben möchte. Die konventionellen Milchpreise waren damals ziemlich im Keller, die Preise für Biomilch deutlich stabiler. Außerdem war mir bewusst, dass eine saisonale Abkalbung, wie wir sie auf unserem Hof praktizieren, für die Biomolkereien vorteilhaft und interessant ist, da die im Winter mehr Milch benötigen als im Sommer. Nach mehreren Exkursionen auf Biobetriebe und vielen guten, ehrlichen Fachgesprächen mit den Biomilchviehberatern der Landwirtschaftskammer und von Bioland fühlte ich mich sicher genug, die Umstellung auf Biomilchviehhaltung zu wagen. Ich war ja nicht alleingelassen mit dieser Entscheidung, sondern gut beraten. Außerdem hat mich der ökologische Ackerbau sehr gereizt: Ich wollte den Skeptikern zeigen, dass das auch ohne chemischen Pflanzenschutz und mineralischen Dünger funktioniert. Die strengsten Kontrolleure sind schließlich immer die Nachbarn! Also habe ich mich in die mechanische Unkrautregulierung ebenso reingekniet wie das Nährstoffmanagement, wobei wir wegen der Wirtschaftsdünger und weiten Fruchtfolgen mit Leguminosenanbau mit Nährstoffen topp versorgt sind. Daher haben wir heute, verglichen mit dem konventionellen Ackerbau früher, kaum Ertragseinbußen. Und auch der Verpächter der Flächen ist begeistert davon, keinen Pflanzenschutz mehr vor der Haustüre zu haben. Jeder kann sich überzeugen: Die Bio-Ackerbohnen und der Biomais stehen piccobello da! Mein Ansporn ist es noch heute, anders als alle anderen zu sein“, erklärt Stefan Potthoff seine Motivation. 


 

Umstellertag Tom-Patrick und Christine Kummann

Tom-Patrick und Christine Kummann haben einen Ackerbau- und Schweinemastbetrieb in Nottuln und liebäugeln mit der Bioschweinehaltung. „Wir finden es spannend, zu sehen, dass schon jemand erfolgreich von Mastschweinen auf Biosauenhaltung umgestellt hat. Das ist oder wäre für uns ein großer Schritt - auch, weil wir nicht wissen, ob unser 13-jähriger Sohn überhaupt Landwirt werden möchte. Die meisten Impulse haben wir zum Umbau der Ställe mitgenommen. Die Tierhaltung umzustellen, finde ich persönlich gedanklich einfacher, das ist aber natürlich teurer und komplizierter umzusetzen. Praktisch wäre die Umstellung des Ackerbaus einfacher für mich, weil ich mich damit schon beschäftigt habe und natürlich die ganzen Umbauten wegfielen“, meinte Tom-Patrick Kummann mach der Podiumsdiskussion der drei Biolandwirte. 

Umstellertag Christian Halsband und Cindy Vollmer-Halsband

Christian Halsband und Cindy Vollmer-Halsband betreiben in Paderborn einen konventionellen Gemischtbetrieb mit Ackerbau und Schweinen. Die Landwirtin möchte zusätzlich einen neuen Stall für 200 Sauen bauen - biozertifiziert. „Wenn ich schon etwas Neues starte, dann direkt mit ökologischer Haltung“, meint Cindy Vollmer-Halsband, die Erfahrungen mit dem Aktivstallkonzept in der Schweinehaltung und einen gut besuchten Instagram-Kanal hat. Das Paar hat sich schon beim Ökoteam der Landwirtschaftskammer beraten lassen, hat zahlreiche Bioschweinehaltungen in Bayern angesehen und große Hilfsbereitschaft unter den ökologisch wirtschaftenden Berufskollegen erfahren. Die Ausführungen von Jan Raude über die Umstellung und die 170 Biosauen haben sie zusätzlich überzeugt. „Unser Konzept steht quasi schon, demnächst gehen wir in die Umsetzung“, freuen sich die beiden.

Dichtes Gedränge auf dem Bio-Markt der Möglichkeiten

Umstellertag Markt der Möglichkeiten

Damit der Infotag den Umstellungsinteressierten nicht nur einen klaren Blick in die Praxis bot, sondern auch auf den Markt, waren den ganzen Tag über Vertreterinnen und Vertreter einiger Marktpartner anwesend und stellten auf dem Markt der Möglichkeiten ihre Unternehmen vor. 

Sebastian Engemann war für den gleichnamigen Fachhandel Engemann in Willebadessen/Kreis Höxter gekommen, Christoph Dahlmann stellte als Geschäftsführer das Unternehmen Biofleisch NRW vor, den Bio-Eierbündel- und -vermarktungsbetrieb Biogut Rosenthal vertrat Aliena Gauer, Hannes Olberding war für den Biogeflügelverarbeiter Biofino als Gesprächspartner anwesend, Matthias Flothmann war für die Molkerei Söbbeke nach Düsse gekommen, Katharina Thiele für die Upländer Bauernmolkerei und Peter Angenendt zeigte die Münsterländer Saatgut. Von der der Gesellschaft für Ressourcenschutz mbH (GfRS) war Franziska Günther beim Infotag vertreten.


Meike Siebel, Landwirtschaftskammer NRW