In Zusammenarbeit mit Demeter hat die Landwirtschaftskammer NRW einen Feldtag zum Thema Unterflurbewässerung auf dem ökologisch bewirtschafteten Schanzenhof in Alpen am Niederrhein durchgeführt.
Der Schanzenhof ist einer von über 30 Modelbetrieben in NRW, die neue Wege ausprobieren, um Landwirtschaft und Wasserschutz zu vereinen. Lea Garmer, Landwirtschaftskammer NRW, begleitet ein Teil der Betriebe über die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und wertet unterschiedliche Messungen aus. Ebenfalls vor Ort war Jörg Gütschow, der sich auf das Verlegen von Unterflurbewässerungen spezialisiert hat. Er bringt die praktischen Erfahrungen in der Anlage solcher Bewässerungssysteme mit.
Wasserversorgung in trockenen Jahren
Der Schanzenhof hat sich Ende 2020 dazu entschieden, 2 ha Ackerland mit einer Unterflurbewässerung auszustatten. Betriebsleiterin Ruth Laakmann berichtete, dass der Hof nach den drei trockenen Jahren 2018, 2019 und 2020 vor der Frage stand, wie die Versorgung der Rinder sowie der Anbau von Feldgemüse und Ackerbaukulturen auf 155 ha in regenarmen Jahren sichergestellt werden kann. „Zur betriebsüblichen Beregnung stehen drei Regentrommeln zur Verfügung. „Das Aufbauen, Umsetzen und Anschließen ist jedoch sehr zeitaufwändig“, so Laakmann.
So haben sich die Betriebsinhaber Ruth Laakmann und Ludger Schreiber mit der finanziellen Seite ihrer Idee auseinandergesetzt. Die Investitionskosten einer solchen Anlage sind zunächst ziemlich hoch. Jörg Gütschow von der Firma „Gütschow Bewässerungstechnik“ gab als Größenordnung für eine Unterflurbewässerung rund 10 000 €/ ha an. „Das Teure an einer neuen Anlage ist nicht die Verlegung der Tropfschläuche auf der Fläche in einem Startgraben, in dem die Kopfleitung liegt. Kostenintensiv ist vor allem die Steuerung, die oberirdisch angebracht wird“, erläuterte der Fachmann. Allerdings stünden der Anlage geringere variable Kosten gegenüber, es entstehen kaum Arbeitskosten, weil die Steuerung automatisch erfolgt, und auch die Reparaturkosten seien überschaubar.
„Eine weitere Frage bei den hohen Anschaffungskosten ist natürlich, wie lange so eine Anlage hält. Bisher gibt es dazu noch keine genauen Angaben, weil es die Art von Bewässerung noch nicht lange gibt“, so Gütschow. Seiner Einschätzung nach sollte eine Anlage 15 bis 20 Jahre schaffen. Die Rohre sind keiner direkten Sonnenstrahlung ausgesetzt, sie liegen kühl und im besten Fall werden sie bei der Bearbeitung der Fläche nicht beschädigt. „Sollte ein Schlauch, aus welchen Gründen auch immer, kaputtgehen, bildet sich, je nach Bodenbeschaffenheit, an der Stelle sehr schnell eine Pfütze oder ein kleineres Loch im Acker. Da Hilft dann nur eins: Den Spaten rausholen, sich vorsichtig bis zum Schlauch runter graben und die Stelle flicken!“
Was ist zu beachten?
Beim Anlegen einer Unterflurbewässerung muss einiges bedacht werden. Der Durchmesser der Kopfleitung, die im Startgraben liegt, muss an die Wassermenge angepasst werden, die später durch die Tropfschläuche fließt. Laut Gütschow sollten die Tropfschläuche nicht über eine Länge von 400 m verlegt werden, um einen stabilen Druck von etwa 1,5 bar auch am Ende des Tropfers noch gewährleisten zu können. Am Ende der Fläche sollte eine Spülleitung angelegt werden. So können die Schläuche im Frühjahr, vor der ersten Inbetriebnahme, einmal durchgespült werden. „Abhängig von der Zusammensetzung des Beregnungswassers - ob es zum Beispiel kalk- oder eisenhaltig ist - muss auf jeden Fall ein Filter eingebaut werden, bevor das Wasser in die Zuleitung gelangt. Ansonsten verstopfen die Tropfer relativ schnell und die ganze Anlage würde ihren Zweck nicht mehr erfüllen können“, riet Gütschow zu diesem Schritt. Ebenfalls wichtig zu bedenken sei, wie der Unterboden der Fläche aussieht. Auf zu sandigem oder in kieshaltigem Untergrund sind die Kapillarkräfte, durch die das Wasser nach oben gelangt, nicht mehr ausreichend vorhanden. Das Porenvolumen der tieferen Bodenschicht muss also einen kapillaren Aufstieg des Wassers ermöglichen. „In der Regel wird eine Unterflurbewässerung auf mindestens 35 cm Tiefe verlegt. So kann die Bodenbearbeitung - außer eine Tiefenlockerung! - weiterhin betriebsüblich durchgeführt werden.“
Jörg Gütschow hat zur Verlegung der Schläuche eine gut durchdachte Maschine konstruiert. Zuerst wird der Boden mit den blauen Scheiben angeschnitten. Anschließend kommt der Tiefenzinken, der bis auf die gewünschte Tiefe eine Furche zieht. Hinter dem Zinken ist ein Leerrohr befestigt, durch das der Tropfschlauch nach unten geführt wird. Durch den Durchmesser des Lehrrohrs entsteht im Boden ein kleiner Hohlgang. Nachdem eine Anlage angeschlossen wurde und das erste Mal Wasser auf die Leitungen kommt, kann der Tropfschlauch sich in dem Hohlraum gut ausbreiten und bleibt somit formstabil.
Sensorisch ferngesteuert
Auf dem Schanzenhof wird die Anlage durch einen Bodensensor gesteuert. Fällt der Feuchtigkeitsgehalt unter ein bestimmtes Niveau, springt die Bewässerung automatisch an. Alternativ dazu kann das An- und Ausschalten auch über eine Zeitschaltuhr geregelt werden. Diese Variante ist weniger störanfällig und kostengünstiger. Aber auch hier wird an Lösungen gearbeitet und die Technik verbessert.
Grüner und schmackhafter Aufwuchs
Lea Garmer stellte drei weitere WRRL-Modelbetriebe in NRW vor, bei denen eine Unterflurbewässerung installiert wurde. Im Frühjahr 2023 wurden vier verschiedene Varianten verlegt, um herausfinden zu können, wie sich die unterschiedlichen Abstände und Tiefen auf die Bodenfeuchtigkeit auswirken:
- 35 cm tief, 0,75 m Anstand
- 35 cm tief, 1,50 m Anstand
- 45 cm tief, 0,75 m Abstand
- 45 cm tief, 1,50 m Abstand
„Da es in den letzten Jahren in der Regel ausreichend geregnet hat, sind die Auswertungen bisher noch nicht so aussagekräftig. Allerdings konnten auf dem Schanzenhof optisch schon deutliche Unterschiede während der trockenen Perioden festgestellt werden“, meinte die Beraterin. Ruth Laakmann bestätigte dies und berichtete nicht nur von einer grüneren Weide für die Tiere, sondern auch von einer besseren Qualität des Aufwuchses.
Aber auf den Modelbetrieben soll nicht nur Wasserverteilung im Boden bei den unterschiedlichen Varianten bewertet werden. „Dadurch, dass die Pflanzen von oben nicht nass werden, haben es pilzliche Erreger deutlich schwerer, Fuß zu fassen. Das wiederum wirkt sich positiv auf die Pflanzengesundheit aus, was vor allem im Gemüse eine wichtige Rolle spielt. Außerdem bleiben die ersten 2 bis 3 cm des Oberbodens trocken, so dass Samenunkräuter nicht keimen. Das reduziert den Arbeitsaufwand zur Unkrautregulierung“, erläuterte Lea Garmer. Bei Wind sei keine Abdrift zu befürchten, die zu einer unregelmäßigen Wasserverteilung führt. „Eventuell erleichtert dies einem Betrieb, eine Genehmigung zur Wasserentnahme zu erhalten.“
Fazit aus der Veranstaltung
Die Unterflurbewässerung ist ein spannendes System der Bewässerung. Es bietet viele Vorteile, aber es gibt auch noch eine Menge offener Fragen, die hoffentlich im Laufe der Zeit mit Hilfe der Modelbetriebe in NRW, aber auch auf anderen Betrieben in weiteren Bundesländern beantwortet werden können.
Karin Hagenguth, Landwirtschaftskammer NRW