Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Virtuelle Zaunsysteme: Zwischen Innovation und Gesetzeslage

22.05.2026
Virtueller Zaun Kühe mit Halsband
Tiere mit den Halsbändern auf der Weide. 

Virtuelle Zäune bieten interessante Perspektiven für die Weidehaltung, die Nutzung ist jedoch in Deutschland aktuell noch nicht zugelassen. Nachhaltige Weidesysteme, die eine Portionierung von großen Flächen erfordern, wären damit einfacher und dynamischer umzusetzen. 

In Deutschland, Österreich, der Schweiz und Finnland sind virtuelle Zäune derzeit nicht zugelassen. In Ländern wie Schweden und Dänemark sind sie hingegen seit Kurzem explizit erlaubt und in vielen EU-Ländern sogar teilweise gefördert. Die meisten EU-Länder schränken die Nutzung nicht ein, sodass eine Nutzung in der EU legal ist, ausgenommen sind die vier oben genannten Länder. Ein Einsatz in Deutschland ist aktuell nur zu Versuchszwecken und nach behördlicher Genehmigung möglich.

Da deutliche Unterschiede bei den Virtuellen Zaunsystemen vorhanden sind, ist ein Vergleich der Anbieter sinnvoll. Drei verschiedene Anbieter sind aktuell in Versuchen in Deutschland vorzufinden.

Funktionsweise virtueller Zäune 

Virtueller Zaun Tabelle

Virtuelle Zaunsysteme arbeiten mit GPS-gesteuerten Halsbändern, die beim Annähern an die vorgegebene, virtuelle Grenze zunächst ein akustisches Signal und anschließend – falls nötig – einen Stromimpuls auslösen. Überschreitet ein Tier die Grenze dennoch, folgen nach maximal drei Signal-Kombinationen keine weiteren Impulse, sondern eine Alarmmeldung wird an das Endgerät gesendet. 

Technische Umsetzung

Die Zaunlinie – eine virtuelle Grenze - wird per App zum Beispiel auf dem Handy in eine Karte eingezeichnet. Die Übertragung der Daten erfolgt über Mobilfunk; zusätzlich werden Systeme zur schnelleren Registrierung von Veränderungen eingesetzt, wie:

  • Bluetooth zur Kommunikation der einzelnen Halsbänder miteinander
  • Hotspot-Funktionen, bei denen Halsbänder mit Mobilfunkempfang andere ohne Empfang mitversorgen

Die Halsbänder arbeiten über GPS, daher ist keine dauerhafte Mobilfunkabdeckung nötig.

Training der Tiere 

Damit die Tiere das System verstehen, ist eine mehrtägige Trainingsphase notwendig. Diese erfolgt üblicherweise in Kombination mit einem sichtbaren mobilen Zaun, der schrittweise vom virtuellen Zaun getrennt wird.

Gesamtkoppel - Fester Außenzaun - Virtueller Zaun

Erfahrungen aus Studien in Deutschland

GreenGrass Projekt (Versuch auf dem Gut Darß)

Systeme: Monil (Webseite Monil) und Nofence (Webseite No Fence)

Ziel: Schutz von Wiesenbrütern durch kleinräumige Auszäunung

  • zwei Systeme über zwei Jahre getestet
  • zwei Tage Halsbandgewöhnung plus acht Tage Zaun-Training
  • individuelle Unterschiede im Lernverhalten
  • Hauptversuch: 19 ha mit verschiedenen Vegetationstypen
  • Virtuelle Auszäunung reduzierte Nestzertritte um mehr als 75 %
  • auch sehr kleine Flächen (10×10 m) erfolgreich in der Auszäunung umsetzbar

Erfahrungen:

  • Hohe Hütesicherheit
  • Große individuelle Unterschiede in der Interaktionsfrequenz mit akustischen und elektrischen Impulsen
  • Alle Tiere benötigen funktionierende Halsbänder
  • Regelmäßige Kontrolle des Halsbandsitzes nötig (wachsende Tiere, Scheuerstellen, Verlust)
  • Tägliche Datenkontrolle sinnvoll

DaVaSus-Projekt auf dem Betrieb Gut&Bösel

Test des Gallagher-Systems (Umtriebs- und Portionsweide) (Webseite Gallagher)

Herde: 230 Mutterkühe mit Kälbern, weite Ackerflächen, kein Stall

Erfahrungen:

  • Kälber ohne Halsband laufen aus Zaunbereich heraus, Mutterkühe folgen Kälbern, die Zaunwirkung ist aufgehoben
  • Mehrere Umtriebe pro Tag nicht möglich wegen langer Aktivierungszeit eines neuen Zauns bei großer Herde
  • Tiere entdecken selbstständig neue Parzelle, brauchten dafür 25 Minuten bis fünf Stunden
  • Solarleistung unzureichend im Winter
  • Halsbandverluste ohne automatische Meldung
  • Wirtschaftlichkeit unklar
  • Parzellenerweiterung möglich, Parzellenwechsel schwierig (nur eine aktive Parzelle möglich)

Kosten: Anschaffung pro Halsband: 320 bis 500 €; ab dem zweiten Nutzungsjahr: 3,50 bis 5 € pro Monat/Halsband bei Gallagher und Nofence. Technische Weiterentwicklungen sind zu erwarten.


Sarah Hoffmanns, Landwirtschaftskammer NRW