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Vorweide: Zeitiger Weidestart mit großer Wirkung

05.03.2026

Ein guter Weidestart im zeitigen Frühjahr gelingt mit einer effizienten Vorweide des Grünlandes. Es profitieren sowohl Pflanzenbestände und Weidenarben, als auch eventuelle Frühjahrsnachsaaten - und natürlich die Weidetiere. 

Frühe Weide

Wenn im Frühjahr die Temperatursumme von 200 °C erreicht ist, die den Wachstumsbeginn des Grünlands einläutet, rückt die stundenweise Vorweide in den Fokus. Sie ist die einfachste und effektivste Form der Weidepflege im Frühjahr und beginnt mit dem Ergrünen der Weideflächen, sobald diese tragfähig sind. 

Frühe Vorweide gut für alle

Unabhängig vom Weidesystem kommt dem zeitigen Weidestart eine zentrale Bedeutung zu. Sobald die Weidenarbe tragfähig und trittfest ist, sollte sie bestoßen werden, auch dann schon, wenn noch kaum Futteraufwuchs erkennbar ist und den Weidetieren im Stall die Winterfutterration angeboten wird. Zunächst sollten alle Weideflächen großflächig und nur stundenweise überweidet werden. Am besten werden für die Vorweide alle hofnahen Flächen, auch diejenigen, die zur Silierung bestimmt sind, in die Vorweide einbezogen. Dadurch werden frühschossende Obergräser, wie der Wiesenfuchsschwanz, zurückgedrängt; gleichzeitig fördert die Vorweide die Bestockung wertvoller Futtergräser, meistens der Weidelgräser. Die stabile Narbendichte führt zu einer verbesserten Trittfestigkeit während der anstehenden Weideperiode.

Ebenso profitieren auch Mähweiden von der frühen Vorweide. Der optimale Schnittzeitpunkt verlagert sich dann etwas nach hinten. Unerwünschte Kräuter, zum Beispiel Ampfer, und minderwertige Gräser, wie die Gemeine Rispe, werden im frühen Entwicklungsstadium gerne gefressen und auf diese Weise im Wuchs und in der Ausbreitung gehemmt. Die zeitige Vorweide verbessert somit die botanische Zusammensetzung des Pflanzenbestands und stabilisiert eine qualitativ hochwertige Artengemeinschaft der Weidenarbe nachhaltig. 

Günstige Entwicklungen

  • Gleitende Fütterungsumstellung: Durch die Vorweide wird die Fütterung der Tiere sukzessive von der Winter- auf die Weidefütterung umgestellt. Der Gras-Klee-Anteil steigert sich langsam mit zunehmendem Wachstum. Die Anpassung des Pansenmilieus dauert bis zu mehreren Wochen und kann so schonend für die Wiederkäuer erfolgen.
  • Nebenwirkung Bestandsregulierung: Die Rosettenblättchen des Ampfers zeigen sich schon ganz früh nach Vegetationsbeginn und werden dann bereits im Rahmen der Vorweide verbissen, was die Ampferpflanzen erheblich schwächt. In diesem sehr jungen Stadium fressen die Kühe den Ampfer gerne; im fortgeschrittenen Entwicklungsstadium enthält er unter anderem viel Oxalsäure und wird deshalb von den Tieren verschmäht und gemieden. Zudem bremst der Verbiss Gräser, wie den Wiesenfuchsschwanz, und Kräuter so zum Beispiel Löwenzahn, die sich sehr früh entwickeln, im Wuchs.
  • Leichtfüßige Rinder: Erfahrungsgemäß richten die Kühe auf noch winterfeuchten Weideflächen weniger Schaden an als die Pflegetechnik. Die maschinelle Frühjahrsweidepflege mit Schleppen, Striegeln und Walzen kann nach der Vorweide folgen. Dabei verteilt man die Kotfladen zeitnah auf den geplanten Schnittflächen wieder.
  • Vorweide zur Nachsaat nutzen: Auf Flächen mit Mäuseschäden, Maulwurfshügeln und lückigen Narben passt eine gezielte Nach- oder Übersaat perfekt zur Vorweide. Die Kühe halten den bestehenden konkurrierenden Aufwuchs kurz. Der Tritt stellt den Bodenschluss von Saatgut und Boden sicher. Die Nachsaat, idealerweise eine empfohlene Qualitäts-Standard-Mischung kann dann zügig keimen und sich etablieren. Lückige Bestände wandeln sich erstaunlich schnell in dichte und ertragreiche Vegetationsnarben.

Hohe Flächenleistung mit Kurzrasenweide

Ein angepasstes Weidemanagement ist Grundlage für langfristige leistungsfähige ökologische Weidesysteme. Gut gemanagte Weidesysteme und -strategien, wie Kurzrasen-, Portions- und Umtriebs-Weiden, hier zum Beispiel Mob Grazing inklusive Ruhezeiten und Weidereste, sowie deren gezielte Kombination sind in der Lage, Aufwuchs und Weideaufnahme zu steuern. Auf diese Weise lassen sich Flächenleistung mit homogener Futterqualität maximieren und die botanische Zusammensetzung nachhaltig stabilisieren. 

Die Kurzrasenweise gelingt vor allem an Standorten mit guten Zuwächsen und ausreichender Wasserversorgung. Je Flächeneinheit erzielt sie die höchsten tierischen Leistungen. Das System basiert auf kontinuierlicher Beweidung bei dauerhaft begrenzter komprimierter Wuchshöhe zwischen 4 und 7 cm. Ziel ist es, den Pflanzenbestand in einem vegetativen, leistungsfähigen Bestand zu halten. Die Kurzrasenweide fördert dichte, trittfeste Grasnarben mit hohem Anteil konkurrenzstarker Gräser und proteinreichem nutzungselastischem Weißklee. Der permanente gleichmäßige Verbiss regt die Bildung von Seitentrieben an und verhindert überständigen Aufwuchs und Weidereste. Ernährungs- und fütterungsphysiologisch zeichnet sich der Kurzrasen-Aufwuchs durch eine konstant gute Futterqualität aus, die die Pansen-Fermentation stabilisiert. Für eine erfolgreiche Umsetzung der Kurzrasenweide sind eine weitgehend arrondierte, der Tierzahl angepasste Weidefläche sowie die laufende Anpassung der Besatzdichte an Witterung und Zuwachsvermögen gute Voraussetzungen.

Klauenpflege bleibt fundamental 

Wenn Kühe Weidegang genießen, dann ist dieser mit gesunden Klauen besonders effektiv. Dabei muss die Klauenpflege rechtzeitig vor den veränderten Belastungen erfolgen, damit sich die Kuh an die „neuen Schuhe“ gewöhnen kann. Einige Wochen Gewöhnung zwischen Klauenpflege und Weideaustrieb werden empfohlen. Je nach Bodenbeschaffenheit sollte das Sohlenhorn dabei etwas dicker als üblich, mindestens aber bei 5 mm, belassen werden, um Verletzungen der Lederhaut durch Steinchen oder Ähnliches zu vermeiden. Da die Vorweide nur stundenweise erfolgen sollte, ist diese Phase ein guter Zeitpunkt, um kurz zuvor die Klauenpflege durchzuführen.


Anne Verhoeven, Ökobetrieb Haus Riswick