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Was macht der (Bio-)Tannenbaum im Sommer?

12.09.2025
Familie Schulte-Göbel
Betrieb mit Familientradition: Konrad, Gerhard und Jonas Schulte-Göbel bauen im Felbecker Land bei Schmallenberg Biotannenbäume an. 

 

„Für Euch geht jetzt die Arbeit los!“ So lautet die landläufige Meinung zur Hochsaison auf einem Weihnachtsbaumbetrieb. Die ist aber so nicht korrekt. Die Ernte startet, für alle Welt offensichtlich, im November. Arbeit jedoch gibt es das ganz Jahr über. Was sich tatsächlich hinter dem Kreislauf von Pflanzen, Pflegen, Schneiden und Verkaufen eines Baumes verbirgt und vor allem: was das Besondere an der Kultivierung von Bio-Weihnachtsbäumen ist, das zeigt Familie Schulte-Göbel Besucherinnen und Besuchern im Rahmen der BioWochen NRW auf ihrem Betrieb. 

Biotannen Schulte-Göbel
Insgesamt 20 ha Kulturfläche liegen zum Teil fußläufig in Hofnähe. 

Der Weihnachtsbaumhof Schulte-Göbel liegt nahe Schmallenberg im Hochsauerlandkreis. Man könnte meinen, dass der Betrieb im Felbecker Land wegen seiner Lage nicht unbedingt prädestiniert ist als Veranstaltungsort. Und doch bietet Familie Schulte-Göbel schon seit Jahren regelmäßig Führungen und Feste im Rahmen der BioWochen NRW an. Mit „Die Biotanne im Sommer“, „Wanderung zu den Biotannen und Schafen“ oder „Einladung zum Hoffest“ bitten Konrad, Jonas und Gerhard Schulte-Göbel und damit gleich drei Generationen des Familienbetriebs Interessenten zu einem Besuch auf ihre Flächen. Und die Besucherinnen und Besucher kommen gerne!

Dabei beweisen die drei Weihnachtsbaum-Profis den Gästen nicht nur, dass es das ganze Jahr über sehr wohl sehr viel zu tun gibt in dem gut 20 ha umfassenden und damit für einen Bio-Weihnachtsbaumerzeuger eher größeren Betrieb. Vor allem machen sie deutlich, welche Unterschiede es zwischen konventionellen und ökologischen Weihnachtsbaumkulturen gibt. Seit 1997 ist der Weihnachtsbaumhof „Bio“, Großvater Gerhard hat ihn ehedem nach heftigen allergischen Reaktionen auf gespritzte konventionelle Weihnachtsbaumkulturen ganz konsequent umgestellt. „Wir spritzen gar keine Pflanzenschutzmittel“, nennt der heutige Betriebsleiter Konrad Schulte-Göbel einen elementaren Unterschied zum konventionellen Anbau. Das erfordere aber eine von Anfang an sehr umsichtige Kulturführung, die er den Besuchern auf der rund zweistündigen Führung vorstellt. 

Pflanzen, die funktionieren

Kleine Biotanne
Vierjährig kommen die Setzlinge in den Boden. Da müssen sie erst einmal der Konkurrenz entwachsen.

Los geht es mit dem Pflanzen. Wenn Konrad Schulte-Göbel die Setzlinge der Nobilis- und Nordmanntannen aus der Baumschule holt, sind sie vier Jahre alt und noch sehr klein. „Wir kaufen die Setzlinge in einer nahegelegenen Baumschule, in der wir die Flächen selbstständig umstellen und entsprechend den Biorichtlinien bewirtschaften dürfen. Außerdem liegen zwischen dem Ausmachen in der Baumschule und dem Einpflanzen auf unseren Flächen nur wenige Stunden, sodass die Bäumchen frisch bleiben“, erläutert er weiter. „Wir brauchen Pflanzen, die funktionieren!" 

Denn erst nach zwei Jahren im Bestand haben die Setzlinge eine Größe erreicht, mit der sie sich gegen Unkraut und Farn behaupten können. „Die Voraussetzung ist aber auch hier, den Jungpflanzen einen guten Start zu ermöglichen!“, betont der Betriebsleiter. Das heißt: Den Boden mechanisch freizuhalten, also mit Freischneidern, Mulchmähern und Spezialraupe mit Mulcher unkrautfrei zu bekommen. „Unterstützt werden wir dabei von unseren Shropshire-Schafen.“ Diese Rasse eigne sich besonders gut für den Einsatz zwischen den Tannenreihen, da die Tiere das Unkraut, nicht aber die jungen Bäume abknabbern. 

Ebenso wenig wie Herbizide, setzt Familie Schulte-Göbel Fungizide oder Insektizide ein. „Auch keine Bio-Insektizide!“, betont der Weihnachtsbaumerzeuger.  So würde er zum Beispiel bei Befall mit der Tannentrieblaus und damit dem häufigsten Schädling im Bioweihnachtsbaumanbau oftmals ganze Bäume herausschneiden. Die Trieblängenregulierung, die im konventionellen Anbau ebenfalls mit chemischer Unterstützung erfolge, funktioniere bei Biobäumen ebenfalls von Hand, hier finde die „Stop-Stop-Zange“ ihren Einsatz. „Und zur vorbeugenden Pflanzenstärkung nehmen wir Sprühmolke, das funktioniert super!“, weiß Konrad Schulte-Göbel aus Erfahrung.

Junge Biotannen Schulte-Göbel
Biosiegel für Biotannen
Junge Biotannen Schulte-Göbel
Biosiegel für Biotannen

Biobäume brauchen länger

Biotannen Schulte-Göbel
Schon im Bestand sehen die Bäume beinahe wie geschmückt aus.

Die umsichtige Kulturführung im weiteren Verlauf erfordere ständig wiederkehrende Handarbeit. So würden zur Vorbeugung gegen Vermoosung und Veralgung eines Baumes die unteren, bodennahen Äste abgeschnitten, die Tanne werde dadurch besser belüftet. „Außerdem erzeugen wir Bäume mit normaler Stammdicke. Auch das ist häufig ein Unterscheidungsmerkmal zu konventionell gezogenen Bäumen, die mithilfe hoher Stickstoffgaben sehr dicke Stämme haben. Das macht den Baum insgesamt sehr schwer.“ Stickstoff, Phosphor und Kalium – NPK – stammten im Bio-Anbau aus dem Pflanzenmaterial, das nach dem Mulchen der Untersaaten aus Gräsern und Klee im Bestand liegenbleibt. „Und natürlich geben auch die Schafe ihren Dünger dazu, was in Kombination mit weiteren organischen Düngemitteln die Bäume gut ernährt.“  

Alles in allem wachse eine Biotanne acht bis zehn Jahre auf den Flächen des Biohofes und werde somit insgesamt rund zwölf bis 14 Jahre alt, bis sie erntereif ist. „Das ist im Schnitt oftmals zwei Jahre länger als ein konventioneller Baum“, weiß Schulte-Göbel.

Betriebe, die Wert darauf legen

Shropshire-Schafe
Eine kleine Herde Shropshire-Schafe frisst Gras und Unkraut rund um die Tannen weg, lässt die jungen Bäumchen – ja, auch die sind auf dem Bild zu sehen – unangebissen stehen. 

Einen ganz speziellen Hinweis für seine Bioweihnachtsbaum-Betriebsbesucher hat Konrad Schulte-Göbel gegen Ende der Führung parat: „Wir planen die Ernte der Bäume nach den Mondphasen: Die Tannenbäume halten bei zunehmendem Mond besser und mehr Pflanzensaft, dadurch bleiben sie deutlich länger frisch!“ Geschnitten wird in der Regel ab Anfang November, dann ist tatsächlich Hochsaison und alle packen mit an. An den beiden Adventswochenenden vor Heiligabend finde der Weihnachtsbaumverkauf ab Hof statt. „Das Gros unserer Tannen vermarkten wir aber an Wiederverkäufer, die Wert auf hohe Qualität und/oder ökologische Bäume legen.“ So würden die Stammkunden, zumeist andere Biobetriebe, aber auch Kindergärten oder Privatkunden, jedes Jahr ihre Bäume vorbestellen. „Wir vermarkten unsere Bäume im Sauerland ebenso wie im Ruhrgebiet, die Ballungszentren sind ja nicht sehr weit entfernt“, grenzt Schulte-Göbel die Verkaufsregion ein. Auch die Gäste auf dem Ferienbauernhof seines Bruders seien von der Qualität der Bio-Nobilis- und Bio-Nordmanntannen überzeugt und echte „Wiederholungstäter“. 

„Ernten, Mulchen, Fräsen. Ein Jahr bleiben die Flächen nach der Ernte liegen. In dem Jahr können die Nährstoffe aus der Gründüngung in den Boden wandern und sich der Boden erholen. Und im Frühjahr wird neu gepflanzt. So schließt sich der Kreis der Biotannenerzeugung und -ernte“ - und Konrad Schulte-Göbel seine Führung über den Hof, zu den Bäumen und den Shropshire-Schafen. Diese sind Besucher gewöhnt: Familie Göbel macht für Neukunden fachliche Führungen durch den Betrieb und freut sich auch außerhalb der zwei BioWochen NRW über Wiederverkäufer, die sich für Biotannen aus dem Felbecker Land interessieren. Der Kontakt ist auf der Webseite unter www.weihnachtsbaumhof.de zu finden.


Meike Siebel, Landwirtschaftskammer NRW