Logo der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Was macht der Biomilchpreis in naher Zukunft?

11.12.2025

Das Wichtigste zuerst: Der Blick auf die Nachfrage nach Biomilch. Laut AMI-Marktbeobachtung bleibt diese weiterhin hoch. Alle Biomilchprodukte werden, gemessen an den Einkaufsmengen, aktuell stärker nachgefragt als im vergangenen Jahr. Die erhöhte Nachfrage trifft zusammen mit Bio-Erzeugerpreisen, die Ende letzten Jahres von den Marktbeobachtern so nicht vorhergesagt wurden. 

Molkerei
Aus einzelnen Bundesländern hört man von einem Plus von 7 bis 10 % bei der Biomilchanlieferung an die Molkereien.

Die Preisentwicklung ist umso bemerkenswerter, weil nach überstandenem Produktionsloch infolge des Blauzungengeschehens im letztjährigen Herbst und Winter jetzt die Erzeugungsmengen deutlich ansteigen. Aus einzelnen Bundesländern hört man von einem Plus von 7 bis 10 % bei der Biomilchanlieferung, was aber vor allem auf das sich „normalisierende“ Abkalbeverhalten auf den Betrieben zurückzuführen ist. 

Dennoch warnt keiner vor einer Biomilchschwemme. Die positive Erzeuger-Preisentwicklung ist auch in NRW zu beobachten. Der monatliche Milchpreisvergleich von Landwirtschaftskammer NRW und dem WLV weist seit September 2025 bei allen fünf erfassten Biomolkereien einen Vergleichspreis bei 4,2 % Fett und 3,4 % Eiweiß inklusive Qualitätszuschlag von netto über 60 Cent/kg aus. Die Preise scheinen weiter zu steigen, wenngleich die AMI aktuell einen „verlangsamten Anstieg“ beobachtet. 

Konventioneller Milchmarkt läuft

Es wäre vermessen, den Aufschwung beim Biomilchpreis nicht auch zu einem guten Stück dem Aufschwung des konventionellen Milchpreises zuschreiben. Die Anzahl Rückumsteller und die fehlende Nachfrage durch umstellungsinteressierte Betriebe sind Anzeichen dafür, dass die konventionelle Milcherzeugung aktuell zufriedenstellend läuft. Im Gegensatz zum binnenmarktorientierten Biomarkt mit (erwartet) weiter leicht steigenden Erzeugerpreisen werden für den konventionellen Milchabsatz bei Weltmarktorientierung deutlich rückläufige Erzeugerpreise vorhergesagt oder aktuell auch schon beobachtet. 

Angesichts dieser Aussichten ist eine gewisse Anspannung spürbar. In der Grafik sind die Vergleichspreise laut veröffentlichtem Milchpreisvergleich von der Biomolkerei Söbbeke und drei konventionellen Molkereien über einen Zeitraum von Ende 2005 bis heute dargestellt. Nur von der Biomolkerei Söbbeke liegen über diesen Zeitraum Molkereiabrechnungen vor. 

Zugunsten der Biomilch lässt sich festhalten: 

  • Im langjährigen Trend steigt der Milchpreis.
  • Der Biomilchpreis lag praktisch immer über dem konventionellen Auszahlungspreis.
  • Die Schwankungen beim Biomilchpreis fielen deutlich geringer aus als in der konventionellen Milcherzeugung, was die Planungs- und Liquiditätssicherheit erhöhte.
  • In Zeiten hoher konventioneller Milchpreise zog auch der Biomilchpreis mit.

Herausforderungen angehen

Für die Zukunft sind auf Seiten der Milcherzeuger vor allem zwei Zielgruppen in den Fokus zu nehmen: Zunächst sind da die bestehenden Biomilcherzeuger. Unabhängig vom Abstand zum konventionellen Milchpreis muss der Bio-Erzeugerpreis ein Niveau erreichen und halten, das eine vollkostendeckende Milcherzeugung ermöglicht. Wird dieses Niveau nicht erreicht, ist mit dem Ausscheiden einzelner Milcherzeuger zu rechnen. Bei der Ermittlung des kostendeckenden Milchpreises müssen die künftig erwarteten, zusätzlichen Kosten berücksichtigt werden, die nach Stand der Technik eine familienfreundliche Biomilcherzeugung ermöglichen. Automatisierung, Digitalisierung, Teamarbeit und Arbeitsentlastung sind zukünftige Herausforderungen, die kein „nice to have“, sondern ein „must have“ sind. Dies verursacht zusätzliche Kosten. Obendrein kann kein Milcherzeuger ausschließen, nicht doch noch einmal in eine Bestandsaufstockung zu investieren, wie es jede Generation zuvor getan hat. 

Und dann sind da die potenziellen Umsteller: Die Zeiten, in denen umstellungsinteressierte Betriebe mit etwas Mut und geringem Risiko in die Umstellung gehen konnten, sind in NRW vorbei. Konventionelle Betriebe können heute Milchleistungen je Kuh im fünfstelligen Bereich melken, kooperieren bei knapper Flächenausstattung mit konventionellen Nachbarbetrieben, meiden zusätzliche oder vermeidbare Betriebskontrollen und benötigen bei guten konventionellen Milchpreisen einen erkennbaren Milchaufpreis, um sich für die Umstellung zu entscheiden. Auswertungen des Milchpreisunterschieds zwischen Söbbeke und den drei oben berücksichtigten, konventionellen Molkereien zeigen über 20 Jahre eine Differenz von rund 11 Cent/kg Milch. 

Bleibt die Frage, ob dieser Milchpreisunterschied ausreicht oder ob die heutigen, differenzierteren Produktionsweisen ein Mehr verlangen, damit die Erzeugung von Biomilch in der erforderlichen Weise weiter steigt.


Christoph Drerup, 
Landwirtschaftskammer NRW