Die Zunahme des Schweinebestandes in konventionellen Mastbetrieben seit Mai 2025 ist keineswegs in erster Linie auf Kapazitätsausweitungen zurückzuführen. Vielmehr reagieren die Betriebe flexibel auf Marktentwicklungen.
So lassen konventionelle Mäster Ställe ganz oder teilweise leer stehen, wenn Ferkel im Verhältnis zu den erzielbaren Erlösen zu teuer sind oder die wirtschaftliche Perspektive unsicher ist. Schweinemäster verfügen hier bei relativ kurzen Produktionszyklen über mehr Handlungsspielraum als Ferkelerzeuger. Schwankende Viehzahlen führen in der Statistik oftmals zu schwer nachvollziehbaren Bestandsentwicklungen.
Zwischen Ende März und Mitte September 2025 könnten steigende Ferkelpreise dazu beigetragen haben, vorhandene Stallkapazitäten wieder stärker auszulasten. In der Folge wurden mehr Jungsauen zugekauft und belegt, die zusammen mit den bereits produktiven Zuchttieren den Gesamtbestand an Sauen abbilden. Im letzten Halbjahr hat sich der Sauenbestand weitgehend stabilisiert.
Weniger Schlachttage und Personalmangel in den Schlachtbetrieben führten zum Jahreswechsel 2024/25 zu Verzögerungen in der Schweinevermarktung. Übergewichte bei Mastschweinen, steigende Futterkosten sowie unzureichende Erzeugerpreise bereiteten vielen Schweinemästern zusätzliche finanzielle Belastungen. Daher wurden Stallplätze im Frühjahr 2025 zunächst gar nicht oder nur zögerlich belegt. Die Zahl der Mastschweine schwerer als 50 kg sank und Betriebe stiegen aus, was sich bis zum November 2025 fortsetzte und zu Leerständen führte. Im Frühjahr 2026 zog die Zahl der Mastschweine über 50 kg wieder um 4,2 % an.
Auch statistische Hürden sind vorprogrammiert. So umfasst die Kategorie „Jungschweine unter 50 kg“ sowohl schwerere Ferkel von 20 bis 30 kg als auch leichtere Mastschweine von 30 bis 50 kg. Darüber hinaus führen die stichprobenartige Erhebung sowie die Stichtagsbetrachtung zu gewissen Unschärfen.
Übersicht "Entwicklung der Schweinehaltung in NRW seit Mai 2021"
Jürgen Boerman und Ulrike Lemke, Landwirtschaftskammer NRW