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Wie geht es 2026 am Milchmarkt weiter?

14.01.2026

Das Jahr 2025 startete für die Milcherzeuger in Nordrhein-Westfalen mit vergleichsweise hohen Auszahlungspreisen für konventionelle Milch von durchschnittlich etwa 52,5 Cent/kg Milch, die sich bis in den August hinein stabil halten konnten. Zwar wurden die Rekordpreise aus 2023 nicht erreicht, aber die Kosten der Milcherzeugung waren im Vergleich zu diesem Zeitpunkt auch niedriger. 

Milchtank

Die Milchanlieferung bewegte sich trotz der vergleichsweise guten Auszahlungspreise im ersten Halbjahr insgesamt unterhalb der beiden letzten Vorjahre. Zum Herbst reduzierte sich die Milchmenge allerdings nicht wie sonst üblich, sondern stabilisierte sich auf einem deutlich erhöhten Niveau und übertraf das Vorjahresniveau wochenlang deutlich um 6 bis 7 %. Einen solch unübliche saisonalen Verlauf der Milchanlieferung gab es in den bisherigen Aufzeichnungen noch nicht. Grund dafür sind vor allem die verspäteten Abkalbungen aufgrund des Blauzungengeschehens im Vorjahr. Aber auch die gute Versorgung mit Grundfutter, verbesserte Witterungsbedingungen mit weniger Hitzestress und das günstige Zukauffutter bei einem hohen Erzeugerpreis sind weitere Gründe für das Mehraufkommen.

Mehr Milch in der EU

Für den Milchmarkt problematisch ist, dass diese Entwicklung der Milchanlieferung auch europaweit zu beobachten ist. Im August lag die Milchmenge in der EU im Schnitt 3,3 % oberhalb des Vorjahresmonats. Vor allem in den Niederlanden und Polen sind deutliche Zuwächse bei der Milchanlieferung zu verzeichnen. Ebenso ist in Ländern, die von der Blauzunge besonders betroffen waren, eine deutlich erhöhte Anlieferungsmenge verzeichnet worden, wie beispielsweise in Österreich. Aber nicht nur die Menge hat sich europaweit erhöht, auch die Inhaltsstoffe lagen im gesamten Jahresverlauf oberhalb des Vorjahres, was für zusätzlichen Druck am Rohstoffmarkt sorgte. Gleichzeitig schwächelte der Export aufgrund des starken Euros und es herrschte eine gewisse Unsicherheit bezüglich der Zölle und Restriktionen.

Anhaltend steigende Mengen

Auch in weiteren Exportländern sind zudem deutliche Steigerungen der Milchmenge zu beobachten. Die Food and Agriculture Organization (FAO) rechnet in ihrer jüngsten Prognose aus November 2025 mit einem Anstieg der globalen Produktion im Jahr 2025 von knapp 1,4 %. Im Vorjahr 2024 kam es bereits zu einem Anstieg von 1,1 %, der damit weiter bestärkt wird. Das global deutlich erhöhte Angebot hatte zum Jahresende für einen spürbaren Angebotsdruck am Milchmarkt gesorgt. In der Folge fielen die Preise an den Produktmärkten und dem Spotmilchmarkt. Die ersten Rücknahmen der Milchauszahlungspreise erfolgten im September. 

Da sich die Entwicklungen an den Rohstoffmärkten aber zeitverzögert auf die Erzeugerpreise auswirken, ist auch in den letzten Monaten des Jahres 2025 sowie in den ersten Monaten 2026 mit weiteren Preisrücknahmen am Milchmarkt zu rechnen. Wie hoch diese ausfallen und wie lange sie anhalten werden, hängt vor allem von der Milchanlieferungsmenge der kommenden Wochen ab. Denn die Nachfrage nach Milchprodukten ist unverändert gut. Vor allem Käse und Butter werden vom Verbraucher sehr gut nachgefragt. Die jüngsten Preisreduktionen im Lebensmitteleinzelhandel haben zudem für Nachfrageimpulse gesorgt. Insgesamt stehen Milchprodukte weiter in der Gunst der Verbraucher. 

Saisonhoch flacht ab

In Deutschland ist damit zu rechnen, dass sich die saisonale Milchanlieferungskurve auch in 2026 verschieben wird. Das Saisonhoch der Milchanlieferung könnte flacher ausfallen und dafür im Herbst wieder mehr Milch zur Verfügung stehen. Der Strukturwandel wird sich bei einem sinkenden Preisniveau wieder verstärken, sodass der aktuell vorherrschende Angebotsdruck eher ein kurzzeitig auftretender Effekt aufgrund der verschobenen saisonalen Anlieferungskurve ist. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen sind allerdings noch Strafzölle Chinas auf EU-Milchprodukte in Kraft getreten, die den europäischen Milchmarkt zusätzlich schwächen. 

Angebotsdruck soll nachlassen

Insgesamt ist also damit zu rechnen, dass die Milcherzeugerpreise in den ersten Monaten des neuen Jahres weiter nachgeben werden. Der weitere Verlauf ist dann maßgeblich von der Anlieferungsmenge abhängig. Die zuletzt erhobenen Strafzölle sorgen allerdings für einen erschwerten Export. Mittelfristig ist allerdings zu erwarten, dass sich das Rohstoffangebot wieder auf einem reduzierten Niveau einpendelt und der Angebotsdruck deutlich nachlässt. 


Carina Lutz, Landwirtschaftskammer NRW