Das Wetter kann auch im November durchaus noch Striegelzeitfenster zulassen. Was ist beim Einsatz von mechanischen Verfahren im Wintergetreide im Herbst zu beachten? Welche ackerbaulichen Maßnahmen sind möglich?
Vorbeugende, ackerbauliche Maßnahmen sind im Ökolandbau für eine wirksame Beikrautregulierung von zentraler Bedeutung. Sie können mit konsequenterer Einbindung im konventionellen Ackerbau insbesondere die Gräserproblematik lindern. Im Zentrum der Maßnahmen steht eine standortangepasste, vielfältige Fruchtfolge mit einem Wechsel von Sommerungen und Winterungen, sowie von Blatt- und Halmfrüchten. Die Integration von Zwischenfrüchten und Untersaaten, sowie der Anbau von Gemenge oder Kleegras ergänzen die Fruchtfolge. Je abwechslungsreicher die Fruchtfolge ist, umso deutlicher wird sich die Beikrautproblematik entspannen.
Sofern es der Standort und die Witterung zulassen, sind spätere Aussaattermine von Wintergetreide ab etwa Ende Oktober mit einem verringerten Beikrautauflauf und -wachstum verbunden.
Dichtere Getreidebestände durch höhere Aussaatstärken von 10 bis 15 % unterstützen bereits früh nach dem Auflaufen die Beikrautunterdrückung.
Eine standortangepasste Bodenbearbeitung mit einem durchdachten Management bei der Stoppelbearbeitung und die Einbindung des Pfluges zur Grundbodenbearbeitung können den Krautdruck wirkungsvoll reduzieren.
Auch die Sortenwahl kann die Beikrautunterdrückung wirksam unterstützen. Eine hohe Massebildung und Frohwüchsigkeit in der Jugendentwicklung, eine ausgeprägte Pflanzenlänge, sowie eine planophile Blattstellung mit breiten, herabhängenden Blättern sind wirksame Eigenschaften für das Überwachsen und Beschatten von Beikräutern. In den Öko-Landessortenversuchen werden diese Parameter standardmäßig erfasst.
Mechanische Verfahren im Getreide
Im Getreideanbau können verschiedene mechanische Verfahren zur Beikrautregulierung eingesetzt werden. Der Zinkenstriegel ist dafür ein universelles und bevorzugtes Gerät. Daneben kommt die Scharhacke in Verbindung mit automatischer Steuerung zunehmend im Getreide zum Einsatz. Unter besonderen Bedingungen sind Sternrollhacke, Rollstriegel und die Ackerwalze weitere ergänzende und wirksame Geräte zur mechanischen Beikrautregulierung im Getreide. Gerade die Kombination oder die Abfolge verschiedener Geräte ist oft wesentlich wirksamer als der alleinige Einsatz.
Auf die richtige Striegeltechnik setzen
Bei der Striegeltechnik hat sich die indirekte Federung der Zinken bewährt und derweil auch durchgesetzt. Das Grundprinzip besteht darin, dass die Zinken nicht über eine Federwindung verfügen, sondern jeder Zinken mit einer Zug- oder Druckfeder verbunden ist. Für die Einstellung der Striegelintensität lässt sich die Federvorspannung stufenlos vom Schlepper aus variieren. Die Hersteller haben dazu verschiedene technische Umsetzungen entwickelt. Das Prinzip der indirekten Zinkenfederung passt sich wesentlich besser der Bodenoberfläche an und arbeitet so präziser und kulturschonender als Striegeltechnik, wo die Zinken direkt über Federwindungen am Rahmen montiert sind. Das Angebot indirekt gefederter Striegeltechnik ist mittlerweile groß.
Wirkungsweise des Zinkenstriegels
Die Zinken des Striegels müssen flach auf 1 bis 3 cm und ganzflächig den Boden bearbeiten. Die Hauptwirkung ist das Entwurzeln, Verschütten, oder Freilegen der kleinen Beikräuter. Die höchsten Wirkungsgrade erreicht der Striegel in den frühen, empfindlichen Fädchen- bis Keimblattstadium der monokotylen und dikotylen Beikräuter. Mit fortschreitender Blattentwicklung und Wurzelausbildung nimmt die Wirkung bei den meisten Beikräutern deutlich ab. Regelmäßige Schlag- und Wetterbeobachtungen sind wichtig, um die Striegelmaßnahmen rechtzeitig und zielgerichtet durchzuführen. Die Bodenoberfläche sollte zum Zeitpunkt des Striegelns abgetrocknet und schüttfähig sein.
Die Striegeleinstellung und -intensität erfolgt in Abhängigkeit der Striegeltechnik, im Wesentlichen über die Anpassung des Zinkendrucks, oder des Anstellwinkels der Zinken. Ein weiterer Faktor für die Striegelintensität ist die Arbeitsgeschwindigkeit. Es gibt keine starren Vorgaben für die Einstellung. Vielmehr müssen sie in Bezug auf Regulierungserfolg und Kulturpflanzenverluste variabel angepasst werden. Die Bodenart, der Bodenzustand, das Kulturstadium, Beikrautarten und Beikrautentwicklung sind die wesentlichen Einflussfaktoren auf die Einstellung. Zudem gilt es zu berücksichtigen, dass sich die Bedingungen von Schlag zu Schlag ändern können und stets einer Anpassung bedürfen.
Aussaatstärke anpassen
Beim Einsatz des Striegels sind Kulturpflanzenverluste nicht auszuschließen. Leichte Striegelverluste von etwa 1 bis 3 % je Überfahrt sind in Bezug auf eine wirksame Unkrautregulierung häufig unvermeidlich. Entsprechend ist zum Ausgleich eine Erhöhung der Aussaatstärke um etwa 5 bis 10 % einzukalkulieren.
Es ist auf eine sorgfältige Grundbodenbearbeitung, Saatbettbereitung und Aussaat wertzulegen. Ein ebenes, gut rückverfestigtes Saatbett ohne tiefe Schlepperspuren und eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatguts sind für den präzisen Einsatz mechanischer Beikrautregulierungsverfahren enorm wichtig! Tiefe und festgefahrene Fahrspuren durch Saatbettbereitung und Aussaat lassen später kaum noch eine ausreichende Lockerung durch Striegelzinken oder Hackschare zu, wodurch der Beikrautbesatz in diesen Bereichen deutlich höher sein kann.
Ackerwalze unterstützt mechanische Verfahren
Vorrangig auf lehmigeren und tonigeren Standorten kann im Vor- und auch im Nachauflauf des Getreides die Ackerwalze die Wirkung von Striegel oder Scharhacke unterstützen. Das Walzen beispielsweise mit einer Cambridge- oder Prismenwalze bewirkt das Einebnen der Ackeroberfläche, das Zerdrücken von Erdkluten und die Schaffung einer schüttfähigen Oberfläche. Dadurch kann die Wirkung und die Kulturschonung von Striegel und Scharhacke wesentlich verbessert werden. Auf erosionsgefährdeten und zur Verschlämmung neigenden Standorten ist ein Walzen abzuwägen. Als Nebenwirkung der Ackerwalze können auflaufende Unkrautkeimlinge von den Walzenringen freigelegt werden, wodurch sie schnell vertrocknen. Allerdings können durch das Zerdrücken der Kluten und durch die Erdbewegung der Walzenringe erneut weitere Unkrautsamen zum Keimen stimuliert werden. so dass ein nachfolgendes Striegeln fest eingeplant werden muss.
Strategien zur frühen Regulierung im Herbst
Besonders Ackerfuchsschwanz, Weidelgras, Windhalm, Kamille und Klettenlabkraut sind konkurrenzstarke Arten. Sie lassen sich mit dem Striegel am wirkungsvollsten nur im frühen Fädchen- und Keimblattstadium regulieren. Wird das Striegeln zu lange hinausgezögert, gehen hohe Regulierungserfolge verloren. Bei frühen Aussaaten des Wintergetreides von September bis etwa Mitte Oktober kann der Beikrautauflauf aufgrund der Tageslängen und der milden Bodentemperaturen sehr hoch sein. Striegelmaßnahmen im Herbst sind deshalb häufig noch erforderlich und sinnvoll. Erfolgen Striegeleinsätze bei frühen Herbstaussaaten erst im Frühjahr, erreichen sie meistens nur eine suboptimale Wirkung, da die Beikräuter bereits zu weit entwickelt und fest verwurzelt sind.
Scheinsaatbett anlegen
Bei zu erwartendem hohen Beikrautdruck, vor allem mit Ackerfuchsschwanz oder Weidelgras, kann ein Scheinsaatbett im Herbst wirksam sein. Dazu wird etwa zwei bis vier Wochen vor der geplanten Getreideaussaat die Grundbodenbearbeitung und auch die Saatbettbereitung durchgeführt. Durch die Bereitung eines Scheinsaatbetts werden Beikrautsamen stimuliert und frühzeitig zum Keimen angeregt. Die auflaufenden Beikrautwellen können dann bis zur eigentlichen Aussaat mit einem Striegel oder anderen flach arbeitenden Bodenbearbeitungsgeräten wiederholt reguliert werden. Einzelbetrieblich ist abzuwägen, ob dieses Verfahren arbeitswirtschaftlich und in Abwägung des Risikos von Erosion oder Austrocknung umsetzbar ist. Damit für das Scheinsaatbett ausreichend Zeit zur Verfügung steht, müssen gegebenenfalls Kompromisse beim Aussaatzeitpunkt oder spätere Aussaaten einkalkuliert werden.
Blindstriegeln kann sehr wirksam sein
Wenige Tage nach der Getreideaussaat kann ein Blindstriegeln im Vorauflauf sehr wirksam die empfindlichen, kleine Beikrautkeimlinge regulieren. Das bedarf eine regelmäßige Flächenkontrolle. Die Tiefeneinstellung der Striegelzinken muss flach auf etwa 1 bis 2 cm erfolgen. Um Verluste gering zu halten, sollte das Getreide etwas tiefer auf rund 4 cm gesät werden. Für eine exakte und kulturschonende Arbeitsweise des Striegels ist zudem ein ebener, gut rückverfestigter Acker und eine gleichmäßige Tiefenablage des Saatgutes unbedingt erforderlich. Sofern der Bodenzustand es erfordert ist ein Walzen nach der Saat vorzunehmen. Wird im Vorauflauf des Getreides gestriegelt, muss damit gerechnet werden, dass durch die flache Bodenbearbeitung der Beikrautdruck durch die Stimulierung der Unkrautsamen sogar verstärkt werden kann und weitere Striegeleinsätze in der Regel erforderlich sind.
Striegeln im frühen Nachauflauf
Grundsätzlich sind die Striegeleinsätze stets an den keimenden und auflaufenden Beikräutern auszurichten. Bei hohen Krautdruck kann auch schon im frühen Nachauflauf des Getreides im 1- bis 2-Blattstadium ein Striegeleinsatz erforderlich und sehr wirksam sein. Die Striegelempfindlichkeit der Getreidepflanze ist aber in diesen frühen Entwicklungsstadien zu beachten und erfordert einen behutsamen Striegeleinsatz. Moderne Striegeltechnik mit indirekter Federung der Zinken und Stützrädern zur präzisen Tiefenführung ist zu bevorzugen, da sie in diesen frühen Entwicklungsstadien wesentlich kulturverträglicher arbeitet.
Während des Auflaufens (EC 9 bis EC 10) ist das Getreide wegen der noch schwachen Wurzelausbildung empfindlich und sollte möglichst nicht, oder nur bei sehr hohen Unkrautdruck vorsichtig gestriegelt werden. Ab dem 1- bis 2-Blattstadium (EC 11 bis EC 12) ist ein flaches Striegeln mit geringer Geschwindigkeit von rund 2 bis 4 km/h und reduziertem Druck an den Zinken und/oder ein flacherer Anstellwinkel der Zinken möglich. Ab dem Dreiblatt-Stadium (EC 13) verbessert sich die Verträglichkeit des Getreides.
Grenzen und Risiken des Striegeleinsatzes im Herbst
Die Striegelzeiträume können im Herbst witterungsbedingt sehr begrenzt sein oder auch gar nicht bestehen. Nur bei gegebener Befahrbarkeit, schüttfähigen Boden und frostfreier, trockener und möglichst sonniger Witterung kann ein Herbststriegeln noch sehr wirkungsvoll sein. Regelmäßige Flächenkontrollen und Wetterprognosen sind elementar. Besonders bei späteren Aussaaten etwa ab der letzten Oktoberdekade können die möglichen Striegelzeitfenster immer kleiner werden. Dann ist abzuwägen, ob ein Striegeln noch zielführend ist. Durch die Bodenbearbeitung des Striegels werden Beikräuter reguliert, aber auch weitere Beikrautsamen zum Keimen stimuliert. Sind aber witterungsbedingt weitere Striegeldurchgänge nicht mehr möglich, kann sich bis zum kommenden Frühjahr ein konkurrenzstarker und nur noch eingeschränkt regulierbarer Beikrautbesatz entwickeln. Es ist aber auch nicht auszuschließen, dass günstige Striegelzeitfenster auch noch im November bestehen können. Zu beachten ist, dass sich das Getreide bis zum Vegetationsende wieder ausreichend durch die Verschüttungswirkung des Striegels aufrichten kann. Die Regeneration des Getreides ist besonders vom Witterungsverlauf, den Tageslängen und auch von der Frohwüchsigkeit der Sorten abhängig. Das Striegeln im Spätherbst sollte deshalb nicht mit zu hohen Verschüttungsintensitäten erfolgen.
Markus Mücke,
Landwirtschaftskammer Niedersachsen