Aus dem Testbetriebsnetz in NRW liegen erste vorläufige Ergebnisse identischer buchführender Haupt- und Nebenerwerbsbetriebe vor. Im Gesamtergebnis wurde ein moderater Einkommenszuwachs verzeichnet.
Der Zuwachs war nur möglich, weil es im Futterbau besser als im Vorjahr lief. Das durchschnittliche Unternehmensergebnis (Gewinn) von 96 540 € aller identischen Haupterwerbsbetriebe stieg um fast 7 %. Die Tierproduktion war mit einem Gewinneinfluss von plus 36 % und die Pflanzenproduktion von minus 13 % richtungsentscheidend für die Einkommensentwicklung. Die konventionell bewirtschafteten Haupterwerbsbetriebe verfügten über 81 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche (LF) und 1,3 nicht entlohnten Arbeitskräften, die im Schnitt ein Ergebnis von 74 450 € je Arbeitskraft erreichten.
Die wichtigsten Fakten
Für zahlreiche Betriebsmittel musste mehr als im Vorjahr bezahlt werden. In der Ernte 2024 sowie im weiteren Verlauf des Wirtschaftsjahres (WJ) 2024/25 drückten schwache Qualitäten bei Getreide sowie ein gutes Angebot aus anderen Exportregionen insbesondere die Getreidepreise. Sinkende Erträge und Preisnotierungen führten zu deutlich geringeren Einnahmen aus der Pflanzenproduktion. Die wirtschaftlichen Ergebnisse der Ackerbaubetriebe brachen regelrecht ein.
Weniger Kühe und die Auswirkungen der Blauzungenkrankheit führten zu einem knapperen Milchangebot – gleichzeitig stieg die Nachfrage. Das sorgte für positive Impulse: Die Milchpreise kletterten auf ein Niveau, das deutlich über den Produktionskosten lag. Auch die Rindviehpreise entwickelten sich erfreulich. Ein wirtschaftlich starkes Jahr, das nur vom Rekordjahr 2022/23 übertroffen wurde.
Die Veredlung, geprägt von schweinehaltenden Betrieben, kämpfte mit Herausforderungen. Die Ausbrüche der Afrikanischen Schweinepest führten zu strengen Transport- und Handelsbeschränkungen, die Vermarkter und Verbraucher verunsicherten. Zusätzlich belastete ein zum Jahreswechsel saisonal bedingt schwacher Fleischabsatz den Markt: Die Preise für Ferkel und Mastschweine brachen zum Jahreswechsel deutlich ein. Im Frühjahr setzte eine spürbare Erholung ein. Nach dem außergewöhnlich starken Vorjahr mussten die Betriebe jedoch erheblich rückläufige Einkommen hinnehmen.
Gemischtbetriebe mit weniger Einkommen konnten von den gestiegenen Erlösen aus Milch- und Rindviehverkäufen profitieren. Doch diese positiven Impulse wurden durch rückläufige Umsätze aus Schweinen und der Pflanzenproduktion deutlich abgeschwächt. Das Ergebnis sank im Vergleich zum Vorjahr um fast ein Drittel.
Tabelle 1: Gewinneinflüsse 2024/25 im Durchschnitt der Betriebe in NRW
Jeder Achte schreibt rote Zahlen
Die wirtschaftliche Spannbreite unter den Haupterwerbsbetrieben ist groß: Während die Gruppe der erfolgreichen Betriebe mit durchschnittlich 93 ha eine beeindruckende Nettorentabilität von 250 % erzielte, betrug ihr vorläufiger Gewinn im Schnitt sogar 226 620 € – ein Plus von 49 % gegenüber dem Vorjahr. Ganz anders sieht es bei den weniger erfolgreichen Betrieben aus: Mit durchschnittlich 68 ha Fläche erwirtschafteten sie einen Verlust von 9 540 € je Betrieb – eine dramatische Verschlechterung um 124 % im Vergleich zum Vorjahr.
Tabelle 2: Veränderungen 2024/25 in NRW gegenüber dem Vorjahr
Ein Blick auf die Verteilung der Gewinne zeigt, dass 28 % der Betriebe 30 000 € oder weniger Gewinn erzielten, 15 % lagen zwischen 30 000 und 60 000 €, 57 % erwirtschafteten mehr als 60 000 € – ein nur halbwegs auskömmliches Einkommen. Etwa 12 % der Haupterwerbsbetriebe lagen in der Verlustzone, besonders stark betroffen war die Betriebsform Ackerbau mit einem Anteil von 22 %.
Ackerbau mit unzureichenden Ergebnissen
Die rund 88 ha großen Ackerbaubetriebe erzielten ein Unternehmensergebnis von nur 48 760 €, was einem Rückgang von 45 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Ihr Getreideertrag ohne Körnermais lag im Erntejahr 2024 mit 73,4 dt/ha um 13,8 % unter dem Vorjahr. Bei Winterraps verringerte sich der Hektarertrag um rund 7 % auf 34,4 dt. Kartoffeln brachten mit 455,6 dt/ha, das sind minus 15,8 %, erheblich weniger Menge. Auch die Zuckerrüben unterboten das Vorjahr, erreichten aber dennoch stattliche 882,6 dt/ha, ein Minus von 5,9 %. Sie konnten zu 3,60 €/dt vermarktet werden, was spürbar unter dem Vorjahr lag. Die Kartoffelpreise gaben um 6,3 % nach und notierten mit 22,51 €/dt. Die Kartoffelnotierung ist als Mischpreis für Speise- und Industrieware zu verstehen. Der Getreidepreis stieg etwas um 2,1 % auf 20,40 €/dt. Auch die Rapsnotierung zog um 3,4 % auf 50,21 €/dt an. Aus dem Feldgemüseanbau ergaben sich je ha LF 6,3 % weniger Umsatz.
Die ausgewerteten 29 identischen Getreidebetriebe verzeichneten eine Gewinnabnahme um 46 % auf unzureichende 19 200 €. Getreide ohne Körnermais nahm 57 % und Raps 13 % ihrer Ackerfläche ein. Kartoffeln, Rüben und Feldgemüse spielten in diesen Betrieben eine untergeordnete Rolle.
In den 16 identischen Hackfruchtbetrieben halbierte sich der Vorjahresgewinn auf 51 500 €. Die Schwerpunkte bildeten auf diesen Höfen das Getreide mit 47 % der Ackerfläche sowie Kartoffeln mit 18 % und Rüben mit 17 %. Es dominierten die Erlösabnahmen bei Kartoffeln und Rüben.
Die 20 Ackerbaugemischtbetriebe erzielten in der Sparte Ackerbau mit Abstand das höchste Unternehmensergebnis von 89 430 €. Der Ackerflächenanteil des Getreides betrug in diesen identischen Betrieben etwa 32 %. Der um rund 10 % geringere Hektarerlös beim Feldgemüse trug maßgeblich zum Einkommensabfall in dieser Betriebsgruppe bei.
Mehr Freude beim Futterbau
Im WJ 2024/25 konnten die 236 Futterbaubetriebe deutlich zulegen: Das durchschnittliche Unternehmensergebnis stieg um fast 70 % auf 137 850 €. Treiber dieser Entwicklung war vor allem der gestiegene Milchpreis, der in den identischen Betrieben um 9,67 Cent auf 52,96 Cent/kg, netto inklusive Zuschläge, anzog. Zusammen mit einer leicht verbesserten Milchleistung von 9 778 kg/Kuh ergab sich ein Mehrerlös von rund 1 000 €/Kuh. Das durchschnittliche Milchgeld je Betrieb stieg um 74 100 € auf etwa 403 000 €. Unklar ist, in wieweit die Blauzungenkrankheit einen negativen Einfluss auf die biologischen Leistungen nahm.
Auch erfreulichere Rindfleischpreise trugen zum positiven Ergebnis bei: Je männlichem Rind wurden 376 € mehr erlöst als im Vorjahr. Besonders deutlich erhöhte sich das Einkommen spezialisierter Milcherzeuger.
Größere Kuhbestände mit mehr Gewinn
Im Vergleich zum Vorjahr stiegen die Gewinne je nach Größenklasse zwischen 61 % bis 39 Kühe und 98 % für 100 bis 139 Kühe. Trotz nahezu identischer Milchpreise in den Größenklassen – zwischen 52,17 und 53,85 Cent/kg – war die Rentabilität ab einer Bestandsgröße von 40 Kühen und mehr durchweg über 100 %. Selbst die kleinsten Betriebe konnten immerhin 85 % ihrer kalkulatorischen Kosten decken.
Besonders auffällig: Betriebe mit den größten Kuhbeständen erzielten rund das Fünffache an Gewinn im Vergleich zu den kleineren Betrieben mit bis zu 39 Kühen.
Tabelle 3: Gewinnentwicklung der Betriebe 2024/25 mit Milchviehhaltung in NRW
Sonstiger Futterbau mit kleinem Plus
Das Unternehmensergebnis der 72 Sonstigen Futterbaubetriebe nahm um lediglich 3,8 % auf 66 610 € zu, obwohl angesichts der deutlich gestiegenen Rindfleischpreise ein größeres Plus zu erwarten war. Diese durchschnittlich etwa 72 ha LF großen Betriebe verkauften im Schnitt 171 männliche Rinder. Dabei handelt es sich vornehmlich um Rindermäster, kleinere Milchviehherden und Mutterkuhhalter. In diesen Betrieben belasteten insbesondere erhebliche Mehrausgaben für den Tierzukauf. Sieht man sich die Zahlen von 53 identischen, spezialisierten Bullenmästern an, lag dort ein moderat höherer Gewinnzuwachs auf 72 700 € mit plus 13 % vor. Sie verkauften im Schnitt 216 männliche Rinder.
Verschlechterung für schweinehaltende Betriebe
Die wirtschaftliche Lage der ausgewerteten schweinehaltenden Betriebe hat sich im WJ 2024/25 spürbar verschlechtert. Von den 82 ausgewerteten Veredlungsbetrieben entfielen über die Hälfte auf Mastbetriebe, rund ein Viertel arbeiteten in (teil-)geschlossenen Systemen – beide Gruppen prägten das Gesamtergebnis maßgeblich.
In Durchschnitt aller ausgewerteten identischen Veredlungsbetriebe wurde ein Unternehmensergebnis von 52 370 € errechnet. Im Schnitt bewirtschafteten die Veredlungsbetriebe etwa 65 ha. Die Höfe versorgten rund 82 Zuchtsauen, mit einer Aufzuchtleistung von fast 29 Ferkeln/Sau und vermarkteten 1 819 Mastschweine. Der erzielte Ferkelpreis sank von 77 auf 66 € – netto, inklusive aller Zuschläge. Je Mastschwein erlösten sie im Schnitt 189 € netto und somit 28 € weniger als im Vorjahr.
Tabelle 4: Gewinnentwicklung der Betriebe 2024/25 mit Schweinehaltung in NRW
Die spezialisierten Ferkelerzeuger waren mit nur noch 13 Betrieben in der Gruppe der Veredler vertreten, somit ist bei der Ergebnisinterpretation Vorsicht geboten. Sie erwirtschafteten einen Gewinn von 125 510 €. Die etwa 46 ha großen Zuchtbetriebe hielten 240 Zuchtsauen.
Die Gruppe der 21 Schweinehaltungen mit (teil)geschlossenem System verbuchte im Vergleich zum Vorjahr ein nahezu halbiertes Ergebnis. Ihr Gewinn lag mit 68 740 € über dem Gewinnniveau aller Schweinebetriebe. Die Höfe verfügten im Schnitt über 172 Sauen und verkauften 917 Mastschweine.
Der von 45 Mastschweinehaltern erzielte Gewinn von 22 870 € beinhaltet auch Ergebnisse von auslaufenden Betrieben. Etwa die Hälfte der für das Testbetriebsnetz bereitgestellten Schweinemäster verkaufte weniger als 3 000 Schweine. Die stark unterdurchschnittlichen Einkommen kleinerer Mäster zogen das Durchschnittsergebnis nach unten. Ergänzend kam hinzu, dass einige Mäster zum 1. Januar 2025 zur Option wechseln mussten, da sie die Grenze zur Pauschalierung überschritten. Für sie brach im zweiten Halbjahr des WJ 2024/25 die Umsatzsteuer bei den betrieblichen Erträgen weg.
Gemischtbetriebe mit weniger Einkommen
Insgesamt errechnete sich für alle 84 Verbund- oder Gemischtbetriebe ein vorläufiges Gewinnminus von 32 %. Ihr Umsatzplus aus Rindviehverkäufen und mehr Milchgeld reichten nicht aus, um das Minus aus dem Geschäft mit Schweinen und Ferkeln auszugleichen. Gemischtbetriebe beinhalten Höfe mit dem Schwerpunkt Vieh sowie mit einer Kombination aus Pflanzenbau und Viehhaltung.
Wie schnitten die Landesteile ab?
Aus dem Rheinland gab es 108, aus Westfalen-Lippe 359 identische Haupterwerbsbetriebe als Grundlage für die Auswertung. Das Ergebnis und die Veränderungsraten zwischen den Regionen wichen aufgrund der strukturellen Unterschiede voneinander ab. Im Rheinland waren vorwiegend der Ackerbau als auch die Milchviehhaltung vertreten. Dagegen dominierten in Westfalen-Lippe die Schweine- und Milchviehhaltung sowie die Bullenmast.
Mit fast 130 000 € erreichten rheinische Betriebe einen Gewinn, der mit einer Nettorentabilität von 147 % eine volle Entlohnung der eingesetzten Produktionsfaktoren ermöglichte. Das westfälisch-lippische Unternehmensergebnis reichte mit 86 500 € und einer Nettorentabilität von 90 % nicht zur vollumfänglichen Entlohnung aller eingesetzten Faktoren aus.
Die Kosten nahmen zu
Der Betriebsaufwand stieg um rund 11 250 € je Betrieb. Bedingt durch höhere Ausgaben für Düngemittel sowie für Saat- und Pflanzgut wurde für den Spezialaufwand Bodenproduktion 4,4 % mehr Geld verausgabt. Weitere Teuerungen lagen für folgenden Positionen vor: Betriebsversicherungen, Tierarzt, Zinsen, Unterhaltung von Gebäuden und Maschinen, Personal, Energie, Abschreibungen, Lohnarbeit und Maschinenmiete, Pachtaufwendungen je ha Pachtfläche und Tierzukäufe. Einsparungen waren bei den Ausgaben für Pflanzenschutz, Futtermittel, Diesel und dem sonstigen Betriebsaufwand möglich.
Im Schnitt aller identischen Betriebe konnte zwar 17 150 € Eigenkapital gebildet werden. Doch mit Ausnahme der Gruppe Futterbau wurde bei allen Betriebsformen der ersten Auswertungsebene die Zielschwelle von 10 000 € bereinigter Eigenkapitalbildung unterschritten. Der Kapitaldienst nahm einzelbetrieblich, vorwiegend durch mehr Tilgungsleistungen, um rund 6 % auf 42 210 € zu. Die langfristige Kapitaldienstgrenze stieg im Vergleich zum Vorjahr moderat an und betrug 23 610 € je Betrieb. Mit den bestehenden Zahlungsverpflichtungen wurde die Kapitaldienstfähigkeit erheblich um 18 600 € je Betrieb überschritten. Somit bestanden keine Reserven für weiteres Fremdkapital.
Nebenerwerb und Ökobetriebe
Das Unternehmensergebnis der 122 Nebenerwerbsbetriebe sank um 26 % auf 15 550 €. Damit wurden die eingesetzten Faktoren lediglich zu einem Viertel entlohnt. Im Durchschnitt waren die Nebenerwerbs- und Kleinbetriebe 39 ha groß. Der Gewinn betrug je nicht entlohnter Familienarbeitskraft 20 270 €, der im Haupterwerb mit 74 450 € das 3,7-fache Einkommensniveau erreichte.
Von 24 identischen, ökologisch wirtschaftenden Betrieben ist nur eine Trendmeldung zur Einkommensentwicklung möglich. Die im Durchschnitt 82 ha großen Biobetriebe verzeichneten ein Unternehmensergebnis von 74 680 € und damit ein Plus von 24 %. Im Schnitt verfügten sie über 34 Kühe/Betrieb. Die Milchleistung/Kuh ging, entgegen dem Trend in konventionell wirtschaftenden Betrieben, um 270 kg auf 7 124 kg zurück. Mit fast 60 ct und somit 9,77 ct mehr für 1 kg Milch erlösten sie im Schnitt 23 000 € je Betrieb mehr Milchgeld. Der Abstand beim Milchpreis zu konventionell wirtschaftenden Betrieben betrug nur etwa 7 Cent.