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Zwei gangbare Wege wirtschaftlicher Milcherzeugung

15.10.2026

Im Rahmen des Deutschen Grünlandtages in Riswick fand eine Exkursion auf zwei Milchviehbetriebe statt, die unterschiedlicher kaum sein können: Auf dem ökologischen Vollweidebetrieb der Familie Keupers im niederländischen Megchelen stehen 80 Milchkühe, die von 54 ha Weide satt werden. In Kleve wirtschaftet Familie Siebers mit 800 melkenden Kühen. 350 ha Futterfläche, davon 120 ha Dauergrünland, stehen hier zur Verfügung. Beide Betriebe sind mit ihrem Konzept erfolgreich.  

Bioboerderij Keuper, Megchelen

Tom Keuper
Tom Keuper ist seit 2018 Biomilchviehhalter und wirtschaftet kostenreduziert mit Vollweide.

„Die Weide ist kein Parkplatz für Kühe!“ Das trifft umso mehr zu, wenn 54 ha Grünland als Vollweide bewirtschaftet und nahezu 100 % der Milchleistung aus dem Grundfutter ermolken werden. So halten es Tom und Gerdien Keuper auf ihrem Milchviehbetrieb in Megchelen in der niederländischen Provinz Gelderland, den sie in der fünften Generation und seit sieben Jahren ökologisch führen. Seit 2007 basiert die Milcherzeugung auf Vollweide. Auf das System hatte Toms Vater aus Gründen der Arbeitswirtschaftlichkeit und vor allem zur Kostenreduktion umgestellt. Neben der Vollweide wurde die Blockabkalbung als ein weiterer Schritt zur Arbeitserleichterung eingeführt: 90 % der Kälber werden im Februar/März geboren, 10 % im September/Oktober, wobei für diesen Zeitraum Black Angus eingekreuzt wird, damit sich die Kälber besser vermarkten lassen. Darüber hinaus ist eine längere Zeit ohne Kälber im Stall gut für die Stallhygiene - die geringe Sterblichkeit bestätige das. Der wichtigste Grund für die Blockabkalbung ist jedoch die optimale Abstimmung der Hauptlaktationsphase mit dem höchsten Energiebedarf der Herde auf den nährstoffreichen Grasaufwuchs im Frühjahr. 

Portionsweide
Beim Portionsweidesystem wird den Kühen alle zwölf Stunden eine neue Fläche zugeteilt.

Das System der Portionsweide wiederum hat Tom Keuper auf dem Grünlandbetrieb installiert. Was im Norden der Niederlande in den Milchviehregionen Friesland und Groningen wegen der großzügigen Grünlandflächenausstattung normal ist, ist in den südlichen Landesteilen weniger populär - und dennoch hat Keuper die Portionsweide als Bewirtschaftungsform fürs Grünland gewählt. Das bedeutet, dass den Tieren alle zwölf Stunden, jeweils nach dem Melken, eine neue Fläche zugeteilt wird. Die stallnahen Flächen werden als Nachtweide genutzt. 

Die Zäune lassen sich schnell und einfach umstecken. „Auf diese Weise kontrolliere ich automatisch zweimal täglich die Weiden“, nennt Keuper einen weiteren Vorteil. Gestartet wird im Mai mit 25 Tagen Beweidung, die Beweidungsdauer nimmt im Laufe des Sommers bis zum Herbst/Winter zu. Die Kühe waren im Jahr 2025 insgesamt 270 Tage oder 4 717 Stunden auf der Weide.

Verstellbarer Weidezaun
Das Versetzen der Zäune ist dabei relativ einfach und schnell gemacht. 

„In dem System Vollweide mit Portionsweide braucht man Gras“, betont Keuper. Und das gebe es in Sommern wie dem vergangenen mit ausbleibenden Regenfällen nur mit Beregnung in ausreichender und qualitativ hochwertiger Menge. „Wir haben zwar relativ hoch anstehendes Grundwasser. Und dennoch zeigten nur die Weiden, die beregnet worden sind, gute Bestände.“ Zusätzlich haben Tom und Gerdien Keuper in den letzten drei Jahren mehr als 3 km Futterhecken gepflanzt. Das wird staatlich gefördert, da die Hecken dort als anerkannte Maßnahme der Agroforstwirtschaft sowie als wertvolle Landschaftselemente eingestuft werden. „Besonders den Weißdorn lieben die Kühe und Rinder, sie fressen die Blätter gerne ab“, so der Biobauer. 

Wanderwege Hof Keuper
„Essbare Wanderwege“. Mit Erklärtafeln empfängt Familie Keuper Wanderer und andere Besucher auf ihrem Biobetrieb. Sie zeigen, dass Keupers Wert auf gesunden Boden und gesunde Tiere legen und dabei noch leckere Milchprodukte erzeugt werden.

80 Friesisch-Holländische Kühe plus 15 Rinder, 15 Kälber und zwei Zuchtbullen werden auf diese Art gehalten. Im Sommer, während der Vegetationszeit, stehen die Kühe ganztägig auf der Weide. Eine Winterfutterration für eine Milchkuh besteht zu 49 % aus Gras, 40 % aus Grassilage und 11 % Konzentratfutter, 800 kg KF sind das pro Kuh (inklusive Jungvieh) und Jahr. Die Milch wird in einem 16-er Swingover-Melkstand gemolken, die Milchleistung liegt bei 6 452 kg mit 4,66 % Fett und 3,69 % Eiweiß. Geliefert wird an Eko Holland, ein Teil wird als Vorzugsmilch und selbst hergestelltes Eis über eine kleine Direktvermarktung verkauft. 

Wenig Technik, ältere Maschinen, Blockabkalbung, Vollweide - wegen der geringen Kosten funktioniert der Biobetrieb Keuper und Tom und Gerdien erwirtschaften ein gutes Einkommen für sich und ihre drei Kinder. Die Voraussetzung dafür ist und bleibt jedoch ein optimales Weidemanagement. 

Siebers Landwirtschaft: 8 Mio. l Milch aus dem Oyvernest

Judith Siebers
Judith Siebers leitet den Milchviehbetrieb, den sie von ihren Eltern übernommen und an mehreren Standorten ausgebaut hat.

Familie Siebers hat einen der größten landwirtschaftlichen Betriebe am Niederrhein, verteilt über zwei Standorte:Auf Gut Endhuisen, dem Ursprungsbetrieb Siebers in Kleve-Rindern, stehen das Jungvieh und 50 000 Mastputen. Im 2009 fertiggestellten Oyvernest in Kleve-Griethausen ist ein Großteil der 800 Tiere starken Milchviehherde in Offenställen untergebracht. An einer dritten, dazugepachteten Hofstelle sind die Trockensteher und tragenden Rinder untergebracht - summa summarum sind das rund 1 400 Kühe, Rinder und Kälber. 

Von 350 ha Futterfläche werden vor allem Silomais, Ackergras und Getreide erzeugt, sie bilden die Hauptfutterkomponente. 120 ha davon sind Dauergrünland und liegen teilweise im Vertragsnaturschutz. „Wir haben zu wenig Grünland und Weide für so viele Kühe!“, meint Betriebsleiterin Judith Siebers. 

Melkkarussel Hof Siebers
Im Melkkarussel können dreimal am Tag 50 Kühe gleichzeitig gemolken werden. Dabei ist Judith Siebers auf zuverlässige Mitarbeiter angewiesen.

Daher bestehen 85 % der Grobfutterration aus Mais; zuletzt sei der Futterbau aber ausgedehnt worden. „Je größer der Betrieb, desto höher ist der Maisanteil in der Ration“, spricht Siebers aus ihrer Fütterungserfahrung. Konzentratfutter, wie Rapsschrot, Maismehl und Pressschnitzel werden zugekauft - im Gegensatz zum organischen Dünger: Trotz zweier Biogasanlagen, in denen die Gülle der Tiere gemeinsam mit nachwachsenden Rohstoffen von den eigenen Flächen vergoren wird, müssen Siebers viel Gülle und Gärreste abgeben. 

Gemolken wird in einem Melkkarussel mit Außenmelker, dreimal täglich. Die Milchleistung liegt bei durchschnittlich rund 12 000 kg Milch pro Kuh und Jahr, 8 Mio. l Milch gehen pro Jahr an die Arla-Molkerei. 

Der Betrieb von Judith Siebers ist selbst für niederrheinische Verhältnisse überdurchschnittlich groß. Er verdeutlicht beispielhaft, dass eine hohe Milchleistung in solchen Großbetrieben meist auf einer energiereichen Futterration aus Mais und Kraftfutter basiert, während der Grünlandanteil vor allem zur Absicherung der Rohfaser- und Grundfutterversorgung dient. „Künftig möchte ich mich noch mehr darauf konzentrieren, die Tiere bestmöglich zu versorgen und Arbeitsprozesse intern zu optimieren“, plant Judith Siebers für die nahe Zukunft. 


Meike Siebel,
Landwirtschaftskammer NRW