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Zwischenfruchtaussaat: Worauf es dabei ankommt

17.07.2026

Je früher die Zwischenfrüchte etabliert sind, desto mehr können sie die Nährstoffe in den Böden aufnehmen. Nennenswerte Entzüge von mehr als 100 kg N sind je nach Region mit Aussaaten bis September noch möglich. Ab Mitte Oktober ist der Verzicht auf Bodenbearbeitung und zum Beispiel das oberflächige Aufstreuen von 150 kg Grünroggen/ha die beste Variante, da der aus der Bodenbearbeitung mineralisierte N höher ausfallen würde als das, was eine so spät etablierte Zwischenfrucht noch binden könnte.

Sollte es zu trocken werden, so kann unter Umständen die Zeit bis zur Zwischenfruchtaussaat ab Ende Juli für die Bodenbearbeitung genutzt werden. Jetzt können Wurzelunkräuter, wie Quecken und Disteln, gut durch flächig schneidende Bodenbearbeitung und das Vertrocknen an der Oberfläche bekämpft werden. Handelt es sich um Ackerfuchsschwanz-Flächen, wäre jetzt der richtige Zeitpunkt, den Boden sechs bis acht Wochen ohne Bodenbearbeitung ruhen zu lassen um dann ab August mit flacher Bodenbearbeitung zu bekämpfen. Im Kartoffel- und Gemüseanbau ist im Juni und Juli die Hauptvermehrungszeit von Nematoden, dort kann Bodenbearbeitung und Aushungern helfen. Wichtig bei allem ist es dann aber, den richtigen Zeitpunkt mit Blick auf die Wetterprognose zur Aussaat zu finden, um die durch Bodenbearbeitung erhöhten Stickstoffmengen über gute Zwischenfruchtbestände zu binden.

Tiefenlockerung sollte weitestgehend an den Stellen der Fruchtfolge erfolgen, wo nicht die höchsten Stickstoffmengen zu erwarten sind und somit über die dann folgende Zwischenfrucht gebunden werden können.

Zwischenfrüchte direkt säen?

Direktsaaten von Zwischenfrüchten per Drohne oder Sämaschine sind nur auf Flächen zu empfehlen, die super sauber sind - und besonders bei dann langanhaltender Trockenheit von Vorteil. Es wird auf Feinsämereien gesetzt, die auch mit weniger Keimwasser zurechtkommen und keine Dunkelkeimer sind, wiezum Beispiel Buchweizen, Sandhafer, Phacelia. Der Getreidedrusch sollte im Hochschnitt erfolgen, es wird nach der Aussaat der Zwischenfrucht gemulcht, so bietet das Mulchstroh eine vor Verdunstung schützende Schicht. Die sonst einsetzende N-Immobilisierung durch das Stroh (N-Sperre) wird verhindert, der verfügbare Stichstoff kann der Zwischenfrucht somit zu Gute kommen. 

Soll die Aussaat mit üblicher Saattechnik unmittelbar nach der Ernte stattfinden, so ist ein flacher Grubberstrich notwendig, um die Kapillarität zu brechen und den Boden vor dem Austrocknen zu bewahren. Möglichst flach zu arbeiten hat den Vorteil, dass das Saatgut der Zwischenfrucht noch in die möglichst wasserführende Schicht abgelegt werden kann. 

Effekte der Zwischenfruchtaussaat

Von den Zwischenfrüchten erhofft man sich einige pflanzenbauliche und umweltrelevante Vorteile, wie N-Konservierung vor Winter, Durchwurzelung und Schaffung von Poren, aber auch die Förderung der Pflanzengesundheit in der Fruchtfolge oder zusätzliches Grundfutter. Worauf kommt es an, um diese vielfältigen Ziele auch zu erreichen?

Zwischenfrüchte Aussaattermine

Demoanlage in Niederkrüchten im  Herbst 2025, Aussaat am 5. August 2025


Für die N- Aufnahme der Pflanzen sowie den C-Eintrag im Boden geht es maßgeblich darum, wie groß Wurzelleistung- und Wurzeltiefgang für den Austausch mit dem Bodenmikrobiom sind. Hier sind Mischungen aus Kulturen, die tiefer in den Boden eindringen, so zum Beispiel Lupine, Ölrettich, Rübse, Phacelia, und Arten, die nicht so tief wurzeln, aber dennoch hohe Wurzeldichten aufweisen, wie Grünroggen und Gräser, wichtig. Die höchsten Sprosserträge erzielen die Sommerarten, die aber spätestens nach dem Abfrieren hohe Stickstoffverluste aufweisen können und deswegen Nährstoffe nicht zuverlässig ins nächste Jahr retten. 

Grundsätzlich sollten die Mischung und ihr Aussaattermin so gewählt werden, dass kein Aussamen vor Winter droht und somit auf jede Bearbeitung vor Winter verzichtet werden kann, wenn eine Sommerung folgen soll. Da zurzeit keine nennenswerten Wassermengen in Aussicht stehen, kann die Zeit für die Bodenbearbeitung genutzt werden. Gerade Arten, die schnell zur Blüte neigen, können bei späterer Saat, wenn die Tage wieder kürzer werden, nicht ganz so schnell in die generative Phase gehen und so bei guten Bedingungen mehr Stickstoff vor Winter aufnehmen. Die Blühneigung der Sorten, wie bei Ölrettich, spielt dabei eine entscheidende Rolle. Muss dennoch eingegriffen werden, dann maximal mit der Walze, eine Bodenbearbeitung sollte bis zum Winter vermieden werden. 

Mischungen zur Schnittnutzung

Bei Zwischenfruchtmischungen, die im Spätsommer oder Herbst eine Schnittnutzung erlauben, also Gräser, Sandhafer, Grünroggen und Kleearten, kann dieses Problem durch den Schnitt elegant gelöst werden. Sandhafer bringt gegenüber dem Druschhafer den Vorteil einer höheren Trockenheitsresistenz, ist nicht anfällig für Rost, unterbricht somit die Übertragung und kann wandernde Wurzelnematoden effektiv bekämpfen.

Durch klimatische Veränderungen werden die Winter milder und die Mineralisierung stockt in vielen Regionen teilweise nur kurz. Deshalb ist es umso wichtiger, bei nachfolgender Sommerung winterharte Arten mit einzumischen, die bis ins Frühjahr hinein freiwerdende N-Verbindungen aufnehmen. Hohe Anteile an abfrierenden Leguminosen sollten nur bei leeren Böden im Herbst angebaut oder mit einer winterharten Nichtleguminose, wie Grünroggen, kombiniert werden. Bei spät folgenden Sommerungen ab Mai ist zu empfehlen, auf winterharte Leguminosen, wie Inkarnatklee, zu setzen.

Vorsicht: Sclerotinia, Nematoden und Kohlhernie

In Gemüsebaufruchtfolgen und beim Anbau von Raps, Kartoffeln, Soja- und Buschbohnen sollte in Bezug auf Sclerotinia auf den großflächigen Anbau von Sonnenblumen, Sommerklee- und Wickenarten sowie Ramtillkraut verzichtet werden. In Kohl- und Rapsfruchtfolgen muss mit den Kruziferen, wie Senf, Ölrettich, Raps und Rübsen, aufgepasst werden, um der Kohlhernie vorzubeugen. 

Sollte in Gemüse-, Kartoffel- oder Zuckerrübenfruchtfolgen Platz für Kruziferen sein, so sollte man immer multiresistente Arten einsetzten, um effektiv die Nematoden zu bekämpfen. Um im Kartoffelanbau der Eisenfleckigkeit vorzubeugen, sollte mit Abstand davor auf den Anbau von Phacelia, Senf, Klee und Weidelgräsern verzichtet werden. Förderlich als Zwischenfrucht zur Kartoffel gelten hingegen Sandhafer, Sommerwicke, TRV-resistenter Ölrettich und Bitterlupine. Als recht fruchtfolgeneutral im Hackfruchtbau gelten Grünroggen, Sandhafer, Lein und Chia.


Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW