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Zwischenfrüchte für den Acker- und Gemüsebau

13.11.2025
Vor- und Nachteile der verschiedenen Komponenten
Bei der Feldbegehung wurden die Vor- und Nachteile der verschiedenen Komponenten herausgestellt.

An zwei Standorten präsentierten in diesem Herbst die Modellbetriebe der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) eine umfangreiche Zwischenfruchtdemonstration. Das Hauptaugenmerk lag dabei auf dem Hackfruchtanbau und der Sortenwahl bezüglich der Nematodenbekämpfung sowie der Unterbrechung von Wirtspflanzenkreisen. 

Bei der ersten Feldbegehung am 16. Oktober trafen sich rund 40 Interessierte, um sich die Varianten anzuschauen. Im Vorfeld der Begehung stand die fachliche Einordnung und Johannes Finke stellte seinen Betrieb sowie die Demoflächen vor. Seit über zehn Jahren werden auf dem Betrieb Finkes Hof in Borken Demoanlagen mit Zwischenfrüchten angelegt. Die Motivation für den Anbau: Verluste über Winter zu reduzieren und möglichst viel Stickstoff vor der Auswaschung mit Begrünungen im Herbst zu retten. „Gerade im ökologischen Landbau, wo Stickstoff mindestens 3 €/kg N kostet, darf die Zwischenfruchtaussaat auch bis zu 300 € pro Hektar kosten, wenn sie denn der Nachfrucht 100 kg N zur Verfügung stellt“, meinte Pascal Gerbaulet, WRRL- Berater für Biobetriebe bei der Landwirtschaftskammer NRW, der die Veranstaltung moderierte. 

Im Betrieb Finke wurde festgestellt, dass zwar die Lupine bis zu 150 kg N an Aufwuchsleistung bringen kann, dann aber nur ein Bruchteil bei der Nachfrucht ankommt. Neben der Nmin-Restaufnahme im Herbst - die Lupine nutzte den überschüssigen Stickstoff nicht - konnte durch Beimischung von Grünroggen auch freiwerdender Stickstoff im Frühjahr aufgenommen und der Nachfrucht zur Verfügung gestellt werden. Diese Prämisse, nämlich den abfrierenden Arten einen winterharten Partner zur Seite zu stellen und gerade den nicht winterharten Leguminosen eine winterharte Nicht-Leguminose beizumischen, stand über der gesamten Feldbegehung. 

Klee nach Kohl

Neben den einzelnen Arten wurde auch die Streifensaat im Bio-Strip-Verfahren vorgestellt, die im Betrieb von Familie Finke umgesetzt wird, um Lupine oder Ackerbohne neben Grünroggen oder Sandhafer zu etablieren. Als winterharte Leguminose wird im Betrieb an abtragender Stelle nach Getreide ohne Strohabfuhr der Inkarnatklee in Reinsaat für späte Kohl-Nachfrüchte gebaut, der so mindestens 150 kg Stickstoff an Aufwuchs erzeugen kann. Bei erhöhten Rest-Nmin-Werten im Herbst empfiehlt sich die Beimischung von Ölrettich oder Roggen, um diese Nährstoffe vor Auswaschung zu schützen. 

Brachen oder Begrünungen

Arbeitsbild der ultraflachen Bodenbearbeitung
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer begutachten das Arbeitsbild der ultraflachen Bodenbearbeitung

Im Bereich Kruziferen stellte Markus Puffert, Gemüsebauberater der Landwirtschaftskammer NRW, die Nematodenproblematik dar. An Schwarzwurzeln konnten sich die Besucher ein Bild von Gallennematoden machen. „Ob gallenbildende, wandernde oder zystenbildende Nematode: Neben Unterbrechung von Wirtspflanzenkreisen und Schwarzbrachen können nur Begrünungen helfen, diese aktiv zu bekämpfen“, so der Berater. Einen echten Alleskönner stellte Michael Robert von der Saaten Union mit dem multiresistenten Ölrettich „Defender“ dar, der die wichtigsten vier Arten von Nematoden im Kartoffel-, Gemüse- und Rübenanbau bekämpft. 

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten verschiedene Wurzelbilder begutachten. Besonders beeindruckend und gleichzeitig erschreckend war dabei der Kohlhernie-Befall des Senfes, während Ölrettich und Rübse nicht befallen waren. Die Fläche ist erst neu im Betrieb angelegt, es stand erst einmal Kohl darauf. Robert erläuterte, dass dies in der Region kein Einzelfall wäre, da durch jahrelange Stoppelrüben oder nun Senfanbau viele Flächen mit Kohlhernie befallen seien „Jeder und jede von Ihnen sollte sich einmal die Wurzeln Ihres Senfbestandes anschauen. Denn gerade, wenn vielleicht einmal Raps oder Kohl auf den Flächen angebaut werden sollten, sollte auf den Senfanbau in Zukunft ganz verzichtet werden!“, so die Empfehlung des Fachmanns. 

Sandhafer und Lein punkten

Da die Kreuzblütler aufgrund der Kohlhernie und auch wegen Sclerotiniabefalls für Kohlfruchtfolgen nicht zu empfehlen seien, stellte Pascal Gerbaulet weitere Lösungsansätze vor: „Der Sandhafer als der Allrounder im Gemüsebau überzeugt nicht nur durch schnelle Jugendentwicklung mit N-Aufnahmen über 100 kg bei Frühsaaten, sondern kann auch wandernde Wurzelnematoden und Trichodorrien eindämmen, die unter anderem zur Eisenfleckigkeit bei Kartoffeln durch das TRV-Virus führen“, meinte Gerbaulet. 

Chia als eine neue Idee für die Sommerbegrünung
Chia ist eine neue Idee für die Sommerbegrünung. 

Auf besonders sanierungsbedürftigen Flächen stelle sich die Aussaat von Tagetes wegen ihrer nematiziden Wirkung als besonders wirkungsvoll und nachhaltiger als eine Schwarzbrache dar, ergänzte Markus Puffert. „Da die Aussaatkosten sehr hoch sind, ist die Einmischung in Sandhafer eine gute Lösung, um einerseits mit Standard-Sätechnik säen zu können, andererseits können die Saatgutkosten niedriger gehalten werden - bei guter Unkrautunterdrückung“, so der Gemüsebauberater. Der Bestand auf dem Finkes Hof zeigte ein gelungenes Gemenge. 

Über seine Wurzelausscheidungen punktet auch der Lein: Der Bestand hatte eine rasche Jugendentwicklung bei der Aussaat Ende Juli und in der Keimphase bis zum Bestandesschluss konnte kein Beikraut aufwachsen. „Das ist gerade im ökologischen Anbau kein zu unterschätzender Effekt. Es besteht somit die Möglichkeit, frei werdenden Flächen direkt zu begrünen ohne große Unkrautvermehrung im Sommer zu betreiben“, empfahl Pascal Gerbaulet. Chia, mit 7 kg/ha und Aussaatkosten nahe 100 €/ha, wäre eine weitere Möglichkeit einer Sommerzwischenfrucht, die überzeugen konnte, denn: „Der Bestand war sauber, gleichmäßig und ohne den Ansatz einer Blüte, was maximalen Aufwuchs ohne Gefahr des Aussamens bedeutet!“, betonte er. Der Hanf wiederum präsentierte sich hier ebenso: Wenig Masse und hoher Ansatz an Samen. „Hanf ist aber aufgrund des bürokratischen Aufwandes und der hohen Kosten keine empfehlenswerte Zwischenfrucht.“


Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW