Bei einem Feldtag der Projekte EIP KleeValue und NutriNet am 18. Juni auf Biobetrieben in Hückelhoven und Brüggen wurden Kleegras-Anbauversuche und -verwertungen besichtigt und die Projekte näher vorgestellt.
Die Kleegrasverwertung ist auf viehlosen Biobetrieben oft eine Herausforderung, da Futter-Mist-Kooperationen in Ackerbauregionen seltener sind und so keine Wertschöpfung oder Quersubventionierung des entstehenden Düngers möglich ist. Daher widmete sich ein Feldtag der Landwirtschaftskammer NRW diesem Thema am 18. Juni genauer. Er fand auf den Betrieben Gut Marienhof von Christoph Pott, Hückelhoven, und auf dem Biohof Lankes von Stephan Lankes in Brüggen statt und zeigte Alternativen der Kleegrasnutzung auf: die Vergärung von Kleegras in der Biogasanlage, die direkte Düngung der Sprossmasse und die Herstellung von Kleegras-Düngepellets für den Öko-Gemüsebau.
Sie alle zeichnen sich durch fast doppelt so hohe N-Effizienzen im Vergleich zur Futter-Mist-Kooperation aus: vom gebundenen Sprossmasse-N zum der Pflanze zur Verfügung stehenden Düngemittel-N. Denn es kann keine Lösung sein, dauerhaft auf den für die Humuswirtschaft wichtigen Kleegrasanbau zu verzichten oder den Aufwuchs zu mulchen, was mit gasförmigen N-Verlusten und einer um 30 bis 50 % reduzierten N-Fixierung einhergeht.
Das Projekt „KleeValue“
Mit der Pelletierung beschäftigt sich das EIP-Projekt „KleeValue“: Drei Praxisbetriebe, davon einer mit angegliederter Trocknung und Pelletierung, untersuchen gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer NRW und der Universität Bonn die Möglichkeit einer regionalen Herstellung von Düngepellets. Hierfür werden Trocknungs- und Pelletierungsversuche mit unterschiedlichen Kleegrasmischungen durchgeführt. Die hergestellten Pellets werden dann in Brutversuchen auf ihre Düngewirkung getestet. Ein Vorversuch mit handelsüblichen Kleegraspellets weist dabei auf Unterschiede zwischen den Herkünften hin.
Die Versuche werden ergänzt durch Kleegras-Anbauversuche auf den drei Betrieben, bei denen die beste Mischung für hohe N-Gehalte und -erträge gefunden werden soll. Über den Versuch am Standort Hückelhoven führte Dr. Sebastian Glowacki, Landwirtschaftskammer NRW. Er ordnete die vorläufigen Ergebnisse des ersten und zweiten Schnitts ein und erläuterte am stehenden Bestand die Mischungszusammensetzungen.
So war die Beimischung von Inkarnatklee oder Spitzwegerich in Rotklee-Gras-Gemenge vielversprechend, unterschied sich im Ertrag jedoch nicht von den anderen Mischungen. Die Inkarnatklee-Beimischung erzielte im ersten Schnitt leicht höhere Erträge, was sich jedoch im zweiten Schnitt ausglich. Die betriebsübliche Variante für die Biogasnutzung setzt auf eine Beimischung von Grünroggen zum Rotklee, sodass der erste Schnitt masse- und kohlenstoffreich und in den Folgeschnitten der Rotklee bestandsbildend ist.
Ökogasanlage in Hückelhoven
Gastgeber Christoph Pott ging bei der Betriebsvorstellung verstärkt auf seine Ökogasanlage ein, die den Nährstoffkreislauf für ihn und seine Partnerbetriebe schließt. Ursprünglich als konventionelle Maisanlage gebaut, werden seit der Umstellung auf Ökolandbau im Jahr 2020 zusätzlich 25 % Kleegras, 10 % Grünroggen sowie Mist und Gülle - 40 % - vergoren. Dies veränderte einerseits den Gärrest selbst, bei dem er auf ein N:P-Verhältnis von etwa 2:1 achtet, um in seiner feldgemüsereichen Fruchtfolge keine P-Überschüsse zu sammeln. Andererseits war die verstärkte Kleegrasvergärung mit kleineren Anlagenmodifikationen und vor allem einem Lernprozess in der Anlagenführung verbunden. „Man muss sehen, dass die Biogasanlage eher zum Nährstoffumschlag dient und am Ende eine schwarze Null stehen muss“, verdeutlichte Pott.
Weil die Abwärme der Biogasmotoren im Sommer nicht genutzt werden kann und immer noch Kleegras in der Region verfügbar sei, findet der Betriebsleiter die Kleegras-Pelletierung interessant. Pascal Gerbaulet, Landwirtschaftskammer NRW, knüpfte ans Thema Biogas an, indem er auf rechtliche Aspekte beim Betrieb einer Ökogasanlage und auf Einschränkungen bei der Kooperation mit konventionellen Agrogasanlagen einging. Auch die Vorgaben bei der Ausbringung pflanzlicher Dünger, zu denen Kleegras-Pellets und frische Kleegras-Sprossmasse gehören, wurden erläutert.
Maschinenvorführung im Gemüse
Den Abschluss des Themenblocks bildete die Maschinendemonstration eines für den Gemüsebau umgebauten Güllefasses des Partnerbetriebs Bolten. Vor der Pflanzung von Starkzehrern, wie Weißkohl, werden große Mengen Gärrest ausgebracht. Eine Einarbeitung mit einem angehängten Gerät ist schwierig und führt durch Verzögerungen im Arbeitsablauf – unterschiedliche Schlagkraft – zu gasförmigen Verlusten.
Daher wurde der 9-m-Schleppschuhverteiler um Hackschare erweitert, die eine direkte Einarbeitung in einer Überfahrt ermöglichen. Darüber hinaus wurden hinter den Rädern des Güllefasses hydraulisch absenkbare Spurlockerer verbaut. Zusätzlicher Bodenschutz wird durch die Reifendruckregelanlage im Fass und das spurtreue Anbausystem – Controlled Traffic Farming – des Betriebs erzielt.
Cut & Carry in Brüggen
In der zweiten Tageshälfte ging es verstärkt um das Thema Düngen mit frischer Sprossmasse, vorzugsweise Kleegras. Hierfür war die Besuchergruppe beim Biohof Lankes in Brüggen zu Gast. Wie Stephan Lankes bei der Betriebsvorstellung und -führung erläuterte, ist der viehlose Gemüsebaubetrieb im dritten Bio-Jahr und vermarktet vor allem Kartoffeln, Hokkaido, Rhabarber und Mini-Romana sowie Porree und Süßkartoffeln. Auf dem Biohof wird beim Porree ein besonderes Nützlingskonzept angewendet: Orius-Raubwanzen ernähren sich vom Pollen der in den Fahrspuren gepflanzten, süßlich riechenden Lobularia-Pflanzen. Der Bejagungsdruck der Raubwanzen beugt so einer Ausbreitung von Thripsen im Porree vor.
In den ersten Jahren der Bio-Umstellung beschäftigte ihn die sinnvolle Verwertung seines Kleegrases, da in der Region wenige Kooperationspartner zur Verfügung stehen. Da der Betrieb Teil des „NutriNet“-Praxisforschungsnetzwerks ist, erarbeitete er gemeinsam mit dem „NutriNet“-Regioberater der Landwirtschaftskammer einen Versuch, in dem Kleegras-Sprossmasse in Kombination mit Haarmehlpellets vor Weißkohl gedüngt wurde. So konnte Stephan Lankes Erfahrungen mit dem System sammeln. Inzwischen hat der Betrieb zwei konventionelle Futter-Mist-Kooperationen gefunden, die ihm sein Kleegras abnehmen und zur richtigen Jahreszeit wertvollen Dünger zurückgeben.
Nach der Vorstellung des Projekts „NutriNet“ wurde nochmals vertiefend auf den Versuch eingegangen, in dem die kombinierte Düngung von Kleegras und Haarmehlpellets die besten Weißkohl-Erträge und -sortierungen zeigte. Bei der Wahl des Kleegras-Schnittzeitpunkts zeigte sich, dass ein zum Futterbau-Optimum um zwei Wochen verzögerter Schnitt unwesentlich mehr N enthielt. Die Erntemengen und damit der logistische Aufwand nahmen aber um 30 bis 60 % zu – allein deswegen sei ein früher Schnitt zu bevorzugen.
Daniel Gärttling und Julia Kelders, Landwirtschaftskammer NRW