Die Vorschätzung der Betriebsergebnisse für das Wirtschaftsjahr 2025/26 zeigt: Die aktuellen Aussichten sind herausfordernd – die weitere Marktentwicklung bleibt schwer vorhersehbar. Welche Annahmen liegen dieser Einschätzung zugrunde?
Die Landwirtschaftskammer NRW erstellt die Prognose zur Einkommenssituation auf Basis von 631 Jahresabschlüssen konventionell wirtschaftender Haupterwerbsbetriebe aus dem Testbetriebsnetz NRW. Dabei werden die bis Ende Dezember 2025 bekannten Preis- und Mengenentwicklungen fortgeschrieben. Grundlage der Berechnungen sind neben den Expertisen der jeweiligen Fachreferenten auch verfügbare Kennzahlen aus der Agrarstatistik. Dennoch bestehen erhebliche Unsicherheiten, da unvorhersehbare Ereignisse die Marktentwicklung jederzeit beeinflussen können, wie etwa Tierseuchen oder globale Krisen.
Geringer Gewinn
Die Berechnungen für das Wirtschaftsjahr 2025/26 zeigen ein durchschnittliches Unternehmensergebnis von 73 000 €. Damit können die privaten Ausgaben eines Familienbetriebs nicht gedeckt werden. Zum Vergleich: Im vorherigen Wirtschaftsjahr lagen die Privatentnahmen, die aus dem Gewinn zu finanzieren sind, bei rund 130 600 €. Aus dem Gewinn müssen die Lebenshaltungskosten und erhebliche weitere Belastungen getragen werden – darunter Steuern, betriebsbedingte Beiträge zur Kranken- und Altersvorsorge, die finanzielle Unterstützung des Hofübergebers sowie die Tilgung von Darlehen. Für Investitionen bleibt im Durchschnittsbetrieb kein Spielraum.
Tabelle 1: Vorschätzung der Unternehmensergebnisse 2025/26 in NRW
Ackerbau: Preise unter Druck
Die Ernte 2025 brachte mit wenigen Ausnahmen höhere Hektarerträge als im Vorjahr. Doch die Preise sanken deutlich – nur Raps und Körnermais konnten sich behaupten. Die Umsätze aus Pflanzen- und Tierproduktion gehen zurück, während die Betriebsausgaben leicht steigen. Das Unternehmensergebnis liegt bei rund 42 100 €, das einem Einkommensrückgang von 28 % entspricht.
- Getreidebetriebe können sich etwas besser behaupten: Höhere Pflanzenbauumsätze, vor allem durch 19 % mehr Einnahmen aus Raps, führen insgesamt zu einem positiven Gewinneinfluss von rund 12 %. Auch Getreide und Zuckerrüben tragen leicht positiv dazu bei. Das Ergebnis bleibt mit 41 200 € jedoch auf Vorjahresniveau.
- Hackfruchtbetriebe müssen dagegen einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen. Hauptursache sind sinkende Umsätze aus Kartoffeln, während Zuckerrüben, Raps und Getreide nur geringe Entlastung bringen. Der prognostizierte Gewinn beträgt lediglich 19 300 €.
Am besten schneiden die Ackerbaugemischtbetriebe ab: Mit 64 200 € erzielen sie das höchste eingeschätzte Ergebnis im Ackerbau. Neben Kartoffeln, Rüben und Getreide setzen sie verstärkt auf Feldgemüse. Die rückläufige Umsatzentwicklung bei Kartoffeln belastet das Ergebnis mit einem negativen Einfluss von 36 % erheblich.
Preise und Erträge der Feldfrüchte
Beim Getreide ohne Körnermais nahm der Ertrag um 17 % auf 85,3 dt/ha zu. Die Preisnotierung von 17,33 €/dt netto entspricht der Marktsituation. Raps erreichte einen Ertrag von 40,4 dt/ha, bei einem gleichbleibenden Preis von 48,86 €/dt. Hülsenfrüchte nehmen in den betrachteten Betrieben nur etwa 1 % der Ackerfläche ein. Sie verzeichnen ein Ertragsplus von 5 %, jedoch einen Preisrückgang von 28,5 %.
Der Ertragsermittlung für Kartoffeln liegen anteilig 40 % Speise- und 60 % Industrieware zugrunde. Der Ertrag stieg moderat auf 443 dt/ha. Für Speiseware wurden 16 €/dt, für Industrieware 22 €/dt für Vertragsware und 1,50 €/dt für vertragsfreie Ware unterstellt. Für die Industrieware errechnet sich, ausgehend von zwei Drittel mit vertraglicher Absicherung, ein Preis von 15,25 €/dt. Diese Notierung floss wiederum mit anteiligen 70 % und die Speiseware mit 30 % in die Berechnung des Mischpreises von 15,54 €/dt ein.
Zuckerrüben erzielten einen überdurchschnittlichen Ertrag von 895 dt/ha. Die hohe Anbaufläche drückt jedoch den Preis, der mit 3,53 €/dt netto um 5 % unter dem Vorjahr liegt.
Beim Mais beschleunigten Hochdruckwetter und Trockenheit im August 2025 die Reife, was zu 5 % Ertragseinbußen führte. Körnermais bleibt preislich stabil, Silomais verzeichnet einen Preisabschlag von 2 %. Feldgemüse legte beim Umsatz um rund 1,5 % zu - basierend auf +8 % Ertrag und einem Preisrückgang von 6 %.
Anbaukosten nahezu identisch
Für den Spezialaufwand in der Bodenproduktion werden kaum höhere Ausgaben erwartet. Bei Saat- und Pflanzgut ist eine leicht reduzierte Einsatzmenge unterstellt, während die Zukaufspreise um 10 % sinken. Beim Mineraldünger wird ein 2 % höherer Einsatz berücksichtigt, verbunden mit einer Preissteigerung von 8 %. Der Bedarf an Pflanzenschutzmitteln hängt stark von der Witterung im Frühjahr ab. Für die Prognose wird eine leicht erhöhte Einsatzmenge von 2 % angenommen – entsprechend auch eine moderate Preissteigerung.
Tabelle 2: Diese Faktoren bestimmen die Gewinnentwicklung der 631 Betriebe
Futterbau mit blauem Auge
Das gestiegene Milchaufkommen hat den Milchmarkt seit September 2025 zunehmend unter Druck gesetzt und zu sinkenden Erzeugerpreisen geführt. Nach den Vorausberechnungen ergibt sich für die Sparte Futterbau ein durchschnittliches Unternehmensergebnis von 106 400 €, was eine Abnahme von 27,9 % bedeutet. In spezialisierten Milchviehbetrieben fällt das Ergebnis mit rund 113 800 € sogar um 36,9 % geringer aus. Der Rindfleischmarkt wird hingegen positiv eingeschätzt. Nach den getroffenen Annahmen können Rinderhalter in der Gruppe der sonstigen Futterbaubetriebe – Rindermäster, Mutterkuhhalter und kleinere Milchviehbetriebe – ihr Ergebnis auf einem etwas höheren Niveau von rund 88 400 € stabilisieren.
Weniger Milchgeld
Die Blauzungenkrankheit führte zu verzögerten Abkalbungen, die sich vor allem im ersten Halbjahr des Wirtschaftsjahres 2025/26 konzentrierten. Im Erntejahr 2025 stand ausreichend hochwertiges Grundfutter zur Verfügung, was die Milchleistung der Kühe begünstigt. Durch die um 8 % gesunkenen Mischfutterpreise könnte zusätzlich etwas mehr Kraftfutter eingesetzt werden. Zusammen mit einzelbetrieblichen Bestandsaufstockungen ergibt sich ein erwartetes Mengenplus von 2 %. Bei höherer Milchmenge wird ein deutlich niedrigerer Milchpreis prognostiziert: durchschnittlich 45,6 ct/kg netto inklusive aller Zuschläge, was einem Rückgang von 14 % entspricht.
Umsatzerlöse weibliche Jungrinder, Färsen und Schlachtkühe
Der sinkende Milchpreis führt zu einem höheren Angebot von 4,5 % an Schlachtkühen. Für das gesamte Wirtschaftsjahr wird trotz erwarteter Preisrückgänge ab 2026 ein Preisplus von 9,5 % prognostiziert, da die Notierungen im ersten Halbjahr 2025/26 noch auskömmlich waren. Bei Zuchtfärsen könnte die Zahlungsbereitschaft im zweiten Halbjahr nachlassen. Trotz eines leicht höheren Angebots von 2 % werden im Jahresdurchschnitt stabile Stückpreise erwartet.
Umsätze bei Kälbern und Bullen
Die Preisbewertung für Kälber basiert auf einer Mischkalkulation aus männlichen und weiblichen Tieren. Kälber bleiben weiterhin knapp – die Preise stiegen bis Dezember 2025 deutlich an. Für das laufende Wirtschaftsjahr wird eine leicht geringere Verkaufsmenge von -1 % bei einem Preisaufschlag von 8 % erwartet. Bei männlichen Rindern beziehungsweise Bullen zeigen die bisherigen Marktentwicklungen ein positives Bild: Es wird ein Preisanstieg von 16 % gegenüber dem Vorjahr prognostiziert, allerdings bei einer rückläufigen Menge von 6 %. Der Zukauf von Rindvieh verteuert sich um rund 4 %.
Grafiken: Ertrag und Aufwand
Ferkelerzeuger unter Druck
Im Durchschnitt der Veredlungsbetriebe ergibt sich ein unzureichendes Unternehmensergebnis von 30 200 €. Besonders hart trifft es die Ferkelerzeuger: Ihr Ergebnis könnte um erhebliche 68,9 % auf rund 38 000 € sinken. Schweinemäster hingegen könnten ihr Ergebnis moderat verbessern und einen Gewinn von etwa 39 300 € erzielen, was aber bei weitem nicht ausreicht. Sie müssen erhebliche Umsatzeinbußen bei Schlachtschweinen hinnehmen, profitieren jedoch von geringeren Ausgaben für Vieh- und Futterzukauf. Für Schweinehalter im (teil-)geschlossenen System errechnet sich aus der Prognose ein Unternehmensergebnis von nur noch 20 400 €, da sie von den sinkenden Ferkelpreisen deutlich weniger profitieren als reine Mäster.
Warum so niedrige Preisnotierungen?
Das gestiegene Angebot an Schlachtschweinen auf dem europäischen Markt traf im Oktober 2025 auf eine verhaltene Nachfrage nach Schweinefleisch. Dadurch gerieten die deutschen Preisnotierungen für Mastschweine und Ferkel unter Druck. Zusätzlich belasteten chinesische Strafzölle den Export und wirkten sich negativ auf die Preise aus. Im November folgte ein weiterer Rückgang. Nach dem Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Spanien bleibt offen, ob zusätzliche Mengen aus Spanien den europäischen Markt weiter belasten. Für die Prognose 2025/26 wird ein Ferkelpreis von rund 49 € netto inklusive Zuschläge zugrunde gelegt, das zu einem Minus von 23 % führt. Für Mastschweine wird ein Schlachtpreis von 1,75 €/kg Schlachtgewicht netto angenommen, was einem Erlös von etwa 170 €/Tier entspricht.
Variable Kosten in der Veredlung
Die sinkenden Ferkelpreise ermöglichen schweinehaltenden Betrieben spürbare Einsparungen beim Tierzukauf. Je nach Umfang des Zukaufs wirkt sich dieser Effekt bei Ferkelerzeugern geringer, bei Mästern stärker aus. Die in 2025 gesunkenen Preise für Soja- und Rapsschrot sowie Getreide führen zu einem Preisabschlag von rund 8 % bei Schweine- und Geflügelfutter. Für Schweine wird ein leicht geringerer Futtereinsatz von -1 %, für Geflügel ein etwas höherer von 1 % angenommen.
Positive Aussichten für Geflügel
Für Mastgeflügel wird ein leichtes Mengenplus von 0,5 % und ein Preisaufschlag von 5 % prognostiziert. Auch die Umsätze aus dem Verkauf von Legehennen könnten etwas steigen. Verkaufseier fließen mit einer um 5 % höheren Notierung in die Gesamtrechnung ein – bei nur geringfügig steigenden Stückzahlen. Geflügelbetriebe spielen in den zugrunde gelegten Testbetrieben jedoch eine untergeordnete Rolle, da sich diese Betriebe überwiegend auf Schweine- und Rindviehhaltung konzentrieren.
Einkommen der Gemischtbetriebe schrumpft
Gemischtbetriebe erzielen laut Prognose rund 54 300 € Unternehmensgewinn. Hauptursache ist die Tierproduktion mit einem negativen Einfluss von 51 %. Zusätzlich belastet die Pflanzenproduktion das Ergebnis um etwa 10 %.
Jürgen Boerman und Marco Hoffmann,
Landwirtschaftskammer NRW