Christoph Bochröder ist ein engagierter Demeter-Landwirt, der zusammen mit seinen Brüdern und einem motivierten Mitarbeiterteam den Neuen Hof in Düren bewirtschaftet.
Der Hof liegt in der Köln-Aachener Bucht, einer Region, die sich durch ihre fruchtbaren Böden auszeichnet. Zu den Betriebsschwerpunkten zählen Feldgemüsebau, Ackerbau, Legehennen- und Ammenkuhhaltung. Bochröders Erfolgsrezept im Nährstoffmanagement ist die Verknüpfung von Tradition und Technik.
Reden hilft!
„Nur wenn es allen gut geht, geht es auch mir gut“, sagt Christoph Bochröder, Betriebsleiter des Biohofs Bochröder in Düren. Einen Großteil seiner Arbeitszeit verbringt der gelernte Landwirt am Telefon und vor dem PC. „Reden hilft“ ist sein Leitbild, mit dem er ein großes Netzwerk pflegt. „Hätte ich auch nicht gedacht, dass ich vom Landwirt zum Manager mutiere“, scherzt der 38-Jährige. Seit 2019 führt er den Hof. Für die Landwirtschaft brennt er, solange er denken kann. Die Prym’sche Stiftung, Träger des Hofes, lässt ihm weitgehend freie Hand, sodass er den Betrieb nach seinen Vorstellungen weiterentwickeln kann.
Seine Eltern übernahmen 1991 als Pächter den Demeter-Hof. Christoph trat gerne in ihre Fußstapfen, hinterlässt aber eigene Spuren. „Die Landwirtschaft hat sich gewandelt. Ich denke vom Markt her, weiß um die Bedürfnisse meiner Mitarbeitenden, bewahre die Bodenfruchtbarkeit und behalte das Wohl meiner Tiere im Blick. Für einen zu viel“, sagt der Landwirt, der sehr oft ein breites Lächeln im Gesicht trägt. Wie gut, dass seine vier Brüder und sein Vater ihm dabei helfen, teilweise in Vollzeit, teilweise im Nebenerwerb und als enorme Hilfe in Zeiten mit Arbeitsspitzen.
Schwerpunkt Feldgemüse
Ein Schwerpunkt der Bochröders ist Feldgemüse, wie Zwiebeln, Möhren, Kartoffeln, Kürbis, Rote Bete, Zuckerrüben und Erbsen, das rund die Hälfte der 200 ha Ackerfläche einnimmt. „Die Vermarktungsstrukturen haben wir in den vergangenen Jahren aufgebaut“, freut sich Bochröder. Er liefert unter anderem über Packbetriebe an Großabnehmer wie Naturkostläden und den Lebensmitteleinzelhandel. „Ein Discounter fragt gerade verstärkt Ware mit Regionalfensterzertifizierung nach. Perfekt für uns“, erklärt Bochröder. Aufgrund der feuchten Witterungsbedingungen des vergangenen Jahres ist derzeit besonders die Rote Zwiebel begehrt. „Die Preisvorstellungen der Kunden schwanken enorm“, sagt Bochröder und weiß: „Durch mein großes Netzwerk kriege ich solche Sachen mit und profitiere. Das ist allerdings auch alles Arbeitszeit – häufig am Telefon – die ich lieber auf dem Feld verbringen würde.“
Seit 2024 ist Bochröder neben Demeter auch Naturland-zertifiziert, um noch weitere Vermarktungswege zu erschließen und mehr Möglichkeiten im Anbau zu haben. Beispiel Kartoffeln: In nassen Jahren, wie 2024, ist das Komplettverbot von Kupferverbindungen im Demeter-Ackerbau als Fungizid eine starke Einschränkung. „Theoretisch müsste Demeter-Ware dann doppelt so teuer sein wie die Ware der anderen Verbände, die Ausnahmegenehmigungen für Kupfer in ihren Regularien haben“, so Bochröder.
Ein anderes Beispiel: Christophs Vater Heinz-Peter hat nur samenfeste Sorten verwendet. „Das ist natürlich der Biogedanke und in der Theorie absolut sinnvoll. Ich muss aber als Landwirt nicht nur Pflanzenbauer, sondern auch Betriebswirt sein. Wenn ich sehe, dass mehltauresistente Hybridsorten selbst in so nassen Jahren wie 2024 beispielsweise bei den Zwiebeln besser funktionieren, während ich bei samenfesten Sorten fast einen Totalausfall habe, muss ich manchmal meine Ideale etwas zur Seite schieben. Schließlich ernährt unser Hof inzwischen viele Menschen.“ So ist Bochröder ständig am Abwägen und Ausprobieren, spricht gerne über Erfolge, verschweigt aber auch nicht, wo Herausforderungen liegen.
Deshalb gefallen ihm die Field -Schools im NutriNet-Netzwerk (siehe Kasten), in denen er sich mit zehn Kollegen und Kolleginnen regelmäßig über Fachfragen des Nährstoffmanagements austauscht. „Wir haben mit dem Regioberater aus dem NutriNet, Daniel Gärttling, in mehrfach wiederholten Praxisversuchen geprüft, ob eine Optimierung der Magnesium- und Mikronährstoffversorgung die Erträge und Qualitäten unserer Biomöhren steigert“, erklärt Bochröder und ergänzt: „Was mir besonders gefällt: Diese Fragestellung kommt aus der Praxis. Landwirte aus Niedersachsen berichteten von Ertragssteigerungen zwischen 6 und 32 %. Da lohnt es sich doch mal zu schauen!“ Bei ihm gab es keine Effekte, was der Landwirt positiv sieht: „Ist doch auch eine schöne Erkenntnis, dass unser Boden durch langjährige organische Düngung gut aufgestellt ist.“ Auch eine zusätzliche Schwefeldüngung im Kleegras brachte keine Ertragssteigerungen.
Technik zahlt sich aus
Dass die Erträge in den vergangenen Jahren dennoch eher die Tendenz nach oben haben und die Bestände durchweg so sauber waren, dass konventionelle Kollegen aus der Nachbarschaft ihn nach seinem Geheimrezept fragen, führt Bochröder zu einem großen Teil auf die ausgeklügelte, selbst entwickelte Sätechnik zurück. „Der Saatzeitpunkt und das Saatgut müssen ideal sein, die Bodenbearbeitung möglichst flach, Striegel und Hacke jeweils angepasst. Mit Zwischenfrüchten, erfahrungsgemäß am besten etwa Mitte Januar umgebrochen, wirken wir der Erosion entgegen, fördern den Humusaufbau und setzen möglichst wenig Stickstoff frei“, so Bochröder. Um sich über die neuesten Sorten zu informieren, besucht er Fachmessen. „Alles Zeit, die sich zum Schluss auszahlt, weil ich die Entwicklungen auf dem Markt mitkriege und wichtige Player der Branche kennenlerne“, sagt Bochröder.
Inzwischen hat er einen sehr großen Maschinenpark, beispielsweise drei verschiedene Hacken für die Zuckerrüben. In den meisten Kulturen passte er den Reihenabstand auf 50 cm an, so dass weniger Aufwand beim Umrüsten der Maschinen entsteht. „Gute Technik macht sich für einen Ökobetrieb bezahlt“, ist der Landwirt überzeugt.
Auch pfluglos zu arbeiten hat er drei Jahre lang probiert. „Das war ein ziemlich teures Experiment“, berichtet der Landwirt. Bewährt haben sich hingegen flaches, etwa 16 cm tiefes Pflügen und ein Stoppelsturz von nicht mehr als 3 cm. Das Saatgut für die Zwischenfrüchte entscheiden und bestellen die Bochröders erst kurz vor der Ernte. „2024 konnten wir uns austoben, weil genügend Bodenfeuchte da war. In trockenen Jahren wählen wir stattdessen beispielsweise den genügsamen Grünroggen“, so Bochröder.
Füttern ganz ohne Kraftfutter
Als Demeter-Bauer hält Bochröder große Stücke auf seine Ammenkühe und den wertvollen Dünger, den sie produzieren. Als Betriebswirt hat er jedoch beschlossen, den Melkbetrieb einzustellen. „Wir haben mit der kuhgebundenen Aufzucht der Kälber und der Fütterung ganz ohne Kraftfutter einen großen Aufwand für viel Tierwohl betrieben, den wir von der Molkerei, an die wir liefern, nicht ausreichend bezahlt bekommen haben. Also überlegten wir uns ein anderes Konzept“, erklärt Bochröder, ohne zu verschweigen, dass diese Entscheidung im Team heftig diskutiert wurde, letztendlich aber von allen akzeptiert ist. „Wir hätten eine neue Melktechnik gebraucht, die bei den derzeitigen Milchpreisen kaum abbildbar ist.“ Seine Partnerin Shannon Siffrin kümmert sich um Management und Vermarktung der Rinder und erklärt das neue Konzept: "Wir haben die Anzahl der Milchkühe von 85 auf 65 reduziert und sie zu Ammenkühen gemacht. Eine Amme zieht neben ihrem eigenen Kalb zwei bis drei Kälber auf, die wir vom benachbarten Milchviehbetrieb Haus Bollheim bekommen. Die Kälber saugen rund sechs bis sieben Monate an den Ammenkühen und wechseln dann zum Kooperationsbetrieb Heidefelder Biohof, männliche sowie weibliche Tiere. Die männlichen Kälber werden kastriert, extensiv gemästet und im Alter von etwa drei Jahren geschlachtet.“
Die weiblichen Tiere gehen als Färse an den Ursprungsbetrieb Haus Bollheim zurück. Einen Teil des Rindfleisches vermarkten Bochröders im eigenen Hofladen. Die restlichen Tiere sollen über Vermarktungsgenossenschaften verkauft werden.
Legehennen im Mobilstall
2019 kam der Hof eher zufällig zur Legehennenhaltung. Eigentlich wollte Bochröder Kartoffeln und Hackfrüchte an Rewe Richrath verkaufen, der mit 16 Rewe-Märkten im Raum Köln vertreten ist. „Meine Kartoffeln und Möhren brauchte er gerade nicht und als ich fragte, was denn sonst, hieß es „regionale Eier mit hohen Tierwohlstandards“. Das brachte uns auf die Idee, in die Mobilstallhaltung einzusteigen. Da wir viele Marktfrüchte anbauen, geraten wir leicht mal in einen Phosphormangel. Da ergänzt der Hühnerdung den Rindermist ideal. Und der Absatz der Eier war von Anfang an gesichert: An einen Händler, der Regionalität und Tierwohl fördern will, anstelle Dumpingpreise zu fordern. Das hat mir gefallen“, sagt Bochröder.
Der Bruder von Betriebsleiter Christoph Bochröder, Jakob, kümmert sich federführend um die Hühner in vier Hühnermobilen mit zweimal 2 000 und zweimal 550 Tieren. „Das Management der Hühnermobile ist anspruchsvoll: Einzäunen, Versetzen und dann die Verluste durch Greifvögel und Fuchs. Aber es macht eben auch Spaß, weil ich sehe, wie gut die Tiere ihr Wesen ausleben können“, sagt Jakob Bochröder und erzählt gleich noch eine Geschichte, wo das zu weit ging. „Wir haben in die Umzäunung eine Hecke mit einbezogen, um den Tieren Abwechslung und Versteckmöglichkeiten zu bieten. Das nahmen die Legehennen so gut an, dass sie Nester in der Hecke bauten, auch nachts nicht mehr in den Stall kamen und so langsam auswilderten.“ Auf Hecken müssen die Legehennen seither verzichten. „Wenn das Tierwohl so endet, dass die Ökonomie nicht mehr stimmt, wird es schwierig“, schmunzelt der Landwirt und ergänzt: „Gegen den Greifvogel helfen uns interessanterweise einige Schafe im Gehege. Sie machen nichts, wirken aber als relativ große Tiere offensichtlich abschreckend auf Habicht und Co. Zudem beweiden sie die weiter vom Stall entfernten Teile des Auslaufs und sorgen so für ein gleichmäßiger nachwachsendes Gras.“
Hella Hansen, FiBL