Der Umsatz mit Biolebensmitteln in Deutschland stieg 2025 weiter, die Ökolandbau-Fläche wuchs geringfügig. Das sind knapp zusammengefasst die Trends, wie sie auf der Branchenbilanzpressekonferenz am 10. Februar im Rahmen der Biofach in Nürnberg verkündet wurden.
2025 steigerte sich der Bio-Umsatz in Deutschland um 6,7 % gegenüber 2024 auf 18,23 Mrd. € - „Weil mehr Bio verkauft wurde!“, so Diana Schaack von der Agrar-Informationsgesellschaft, AMI, die die Entwicklung anhand der statistischen Zahlen darstellte. Dabei handele es sich in erster Linie um eine Absatzsteigerung, die nur teilweise von gestiegenen Preisen begleitet werde. Treiber seien hier, wie auch schon im vergangenen Jahr, die Drogeriemärkte, die ein Umsatzplus von 14 % verzeichneten, gefolgt von den Vollsortimentern (+8,6 %) und den Discountern (+6,7 %). „Damit haben dm, Rossmann und Co. die Discounter überholt, der Marktanteil der Drogerien am gesamten Biomarkt liegt bei 11 %“, so die Marktexpertin. Im LEH liege der Anteil an Eigenmarken unter den verkauften Bioprodukten bei 67 %, teils seien diese mit dem Verbandslabel gekennzeichnet. „Das Label zieht“, so Schaack.
Auch der Naturkosthandel sei wieder gewachsen: Die Umsätze mit Biolebensmitteln in Bioläden und Biosupermärkten lagen 2025 bei 3,3 Mrd. € und damit 2,3 % über dem Vorjahresniveau.
Onlinehandel immer beliebter
Überraschend stark wachse derzeit der Verkauf von Bioprodukten über den Online-Handel. So verkaufe teegut 28 % der Biolebensmittel online, bei Rewe sind es 20 %.
Die Preissteigerung für Biolebensmittel lag 2025 bei knappen 2 %. „Die Preise stabilisieren sich langsam auf dem Niveau von 2022/23. Zu beobachten ist, dass bei den Frischeprodukten in Bioqualität - Obst, Gemüse, Fleisch - die Umsatzsteigerung von 8 % mit der Mengensteigerung von 7,3 % einhergeht, hier entwickeln sich Menge und Preise also positiv gemeinsam“, betonte Diana Schaack. Bei tierischen Erzeugnissen - Milch, Butter, Fleisch - stiegen die Importe. Gut ein Drittel des Bio-Schweinefleischs stammte 2024 aus Nachbarländern; 2025 kamen Belgien und Spanien als Lieferländer hinzu. „Vor allem in der Tierhaltung fehlen in Deutschland die Betriebe, um die hohe Nachfrage befriedigen zu können. Die Umstellungsrate kommt der Nachfrage nicht hinterher.“ Das zeige sich am sehr verhaltenen Flächenzuwachs: Nur 1,1 % mehr Fläche als 2024 wurden 2025 biologisch bewirtschaftet. Die steigende Nachfrage führe also auch bei anderen Lebensmitteln zu Knappheiten bei Bio aus Deutschland. „Sogar die Erzeugung der gängigsten Feldgemüsearten reicht nicht für die Inlandsversorgung: Rund 40 % der Bio-Möhren und 25 % der Bio-Zwiebeln wurden 2024 importiert!“
Dynamisch wachsender Sektor
„Diese Zahlen zeigen trotz alledem Schwung!“ Tina Andres, Vorstandsvorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, BÖLW, freute sich darüber, dass Biolebensmittel trotz der Inflation und Wirtschaftskrise Verkaufsschlager in den Lebensmittelläden vom Discounter bis zum LEH waren. „Und das erstmals nicht auf Kosten des Fachhandels, denn auch die Bioläden stehen aktuell wieder gut da“, so Andres. 388 000 Arbeitsplätze habe die Biobranche 2025 bereitgestellt. „Das ist ein weiteres Plus um 2 % gegenüber 2024!“, betonte sie.
Doch auch Tina Andres gab zu bedenken, dass die Umstellerzahlen in Deutschland weit hinter den Möglichkeiten des Marktes zurückblieben. „Wir überlassen den Biomarkt ohne Not den anderen, dabei könnte Deutschland das selber leisten“, gab sie sich überzeugt. Der Handel treibe die Umstellung zu mehr Tierwohl und mehr Biodiversität stärker als die Politik. „Es braucht jedoch ein deutliches Signal aus der Politik und verlässliche Rahmenbedingungen“, forderte die BÖLW-Vorstandsvorsitzende, die daran erinnerte, dass sich der Bundeslandwirtschaftsminister zu dem Ziel von 30 % Bio bis 2030 bekannt habe. Dem sei zum Beispiel über die Honorierung von Umweltleistungen über GAP-Mittel auf EU-Ebene, aber auch durch eine konsequente Unterstützung der Bio-Forschung sowie mehr Biolebensmittel in der Außer-Haus-Verpflegung näher zu kommen. „Verbraucher lieben Nachhaltigkeit, sie fragen auch ohne Politik nach Bioprodukten. Und dennoch benötigen wir die Politik für verbesserte Rahmenbedingungen.“
Meike Siebel,
Landwirtschaftskammer NRW