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Der Biogeflügeltag NRW 2026

07.05.2026
Biogeflügeltag Austeller
Tagungs- und Ausstellungsraum in einem...

Am 29. April fand zum fünften Mal der Biogeflügeltag NRW auf Haus Düsse statt. 35 Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren gekommen, um mehr über die Betriebszweige in der Biogeflügelhaltung und die Vermarktung zu erfahren. 

Zu Beginn erläuterte Axel Hilckmann, der als Biogeflügelberater der Landwirtschaftskammer NRW diesen Infotag organisiert hatte, den aktuellen Markt für Bio-Eier und Biogeflügel und stellte wichtige Kennzahlen für Deutschland und NRW die Erzeugung, die Haltungsformen, die Anzahl der Legehennen, sowie die Verkaufspreise für Eier betreffend vor. „NRW ist das bevölkerungsreichste Bundesland mit 18 Mio. Einwohnern und mehr als 8,65 Mio. Haushalten. Der Selbstversorgungsgrad für konventionelle Eier liegt bei etwa 30 %. Von allen erzeugten Eiern in NRW sind rund 8,2 % Bio-Eier“, gab er einen Überblick. 

Durch den gestiegenen Verbrauch von Eiern auf 252 Eier pro Kopf und damit Konsumeier plus verarbeitete Eier und wegen des aktuell sehr hohen Preisniveaus sowohl in der Direktvermarktung als auch bei Verkauf der erzeugten Bio-Eier an eine Packstelle stelle sich die ökologische Legehennenhaltung für Landwirte in NRW als ein interessanter und wirtschaftlicher Betriebszweig dar. Daher stellte Lea Hein von der Packstelle Hof Alpermühle in Gummersbach die Zusammenarbeit ihres Betriebes mit den Eiererzeugern vor. „Die Auftragslage ist gut und Hof Alpermühle sucht aktiv Erzeuger, die in die ökologische Legehennenhaltung einsteigen möchten“, warb Lea Hein für eine Zusammenarbeit.

Deutsche essen viel Geflügel

Auch die Erzeugung von Biohähnchen kann in NRW ein attraktiver Betriebszweig werden für umstellungsinteressierte Landwirte. Der allgemeine Verbrauch von Geflügelfleisch ist mit 15 kg pro Kopf in Deutschland so hoch wie noch nie. Der Anteil von Biogeflügelfleisch beträgt um die 3 %. Auf dem Geflügeltag stellten sich drei Marktpartner vor, die an einer Zusammenarbeit mit Landwirten aus NRW sehr interessiert sind: Der Marktführer in Deutschland für ökologisch erzeugtes Geflügelfleisch, die Firma Biofino aus Emstek, Niedersachsen, die Firma Thönes Naturverbund aus Wachtendonk und die Firma Freilandputen mit Sitz in Mecklenburg-Vorpommern.

Bio-Enten aus Bramsche

Timo Funke, Betriebsleiter des CSA Hof Pente in Bramsche, stellte den Betriebszweig der Bio-Entenhaltung mit Schwerpunkt Lege-Enten vor. „Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften von Enten war die Entenhaltung in Deutschland keine Seltenheit. Heute ist sie das leider“, meinte Timo Funke. Der Hof Pente, der Solidarische Landwirtschaft betreibt, hält jeweils zwischen 200 und 300 Khaki-Campell-Legenten und Welsh-Harlequin Enten. Die Enten beweiden nach den Schafen die Flächen im Agroforst, fressen Parasiten und befreien die Gänge in den Gemüsebeeten von Schnecken.

Einige Vorteile von Enten:

  • hohe Legeleistung von etwa 300 Eiern im Jahr
  • Enten scharren nicht
  • sehr genügsam, was die Fütterung betrifft, eigener Anbau ausreichend
  • kein Federpicken, kein Kannibalismus
  • lassen sich gut hüten und damit einfach umtreiben
  • kein Medikamenteneinsatz, keine Impfplicht. 

Einen Beitrag über die Bio-Entenhaltung auf dem Hof Pente lesen Sie auf dieser Webseite

Stallbau und mobile Schlachtung

Biogeflügeltag Schlachtmobil
die mobile Geflügelschlachtung von Thorsten Beimborn zur Ansicht.

Nach dem Mittagessen besichtigten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Geflügelhaltung auf Haus Düsse sowie die mobile Geflügelschlachtung von Thorsten Beimborn. In dem neu errichteten Besuchergang diskutierten die Teilnehmer mit Josef Stegmann aus dem Geflügelteam auf Haus Düsse die Einrichtung und Ausstattung eines modernen Geflügelstalles. Hier konnte man die moderne Volierenhaltung anschauen und erfuhr einiges über das Leistungsspektrum der heutigen Zuchtlinien. „Braune Herkünfte haben zum Beispiel mehr Fremdkörpereinschlüsse in den Eiern  als weiße Herkünfte“, erläuterte Stegmann unter anderem. 

Auch bei der Besichtigung des Geflügelschlachtmobils von Thorsten Beimborn stellten die Geflügelinteressierten viele Fragen. Für viele Betriebe ist das Schlachtmobil eine gute Möglichkeit, den zahlreichen Auflagen einer eigenen Schlachtung zu entgehen, wenn sie diese Dienstleistung in Anspruch nehmen. 

Clevere Vermarktungswege

Im Nachmittagsprogramm referierte Leonie Sulk, Landservice NRW, über clevere Vermarktungswege für Eier und Geflügelfleisch. „Der Landservice bietet in einem breiten Portfolio seine Dienstleistungen an - von Konzeptberatung und Kalkulationen über Werbemedien bis zur Prozessbegleitung“, fasste sie zusammen. Entscheidend für die Direktvermarktung sei einerseits die Lage, andererseits aber auch die ständige Kommunikation mit den Kunden. 

Vermarktungskommunikation

„Bei der Lage ist entscheidend, die Demographie und Kaufkraft der Kunden zu kennen, aber auch um die Wettbewerber zu wissen. Wichtig sind außerdem die Verkehrsanbindung und Verbundeffekte“, meinte Leonie Sulk. Zur Kommunikation mit dem Kunden sei es wichtig, sich klar zu machen, welche Zielgruppe man genau ansprechen möchte und wie sich der Wiedererkennungswert verbessern lasse. Ausführlich stellte die Referentin die verschiedenen Vermarktungswege, wie Hofladen, Warenautomat, Selbstbedienung, Wochenmarkt oder Smart Store, vor. 

Ställe planen und bauen

Den Abschluss machte Frank Hübner, Landwirtschaftskammer NRW, mit einem interessanten Vortrag über Planung, Genehmigung und Förderung bei Stallbauten und Stallumbauten. Die Aufgabe der Landwirtschaftskammer sei die Bewertung von Bauvorhaben, um Hilfe zu leisten für die Genehmigungsbehörde. „Als erstes muss geklärt werden, ob es sich um Landwirtschaft handelt, um einen landwirtschaftlichen Betrieb - und dient das Vorhaben diesem landwirtschaftlichen Betrieb“, stieg Hübner in das Thema Genehmigungen ein. Unterschieden werde planungsrechtlich zwischen Landwirtschaft und Gewerbe. „Und dies hängt ausschließlich von der verfügbaren Futterfläche ab“, erläuterte der Berater. So würden Unterschiede gemacht bei der Bewertung nach § 201 BauGB, Landwirtschaft mit Eigentumsflächen, langfristigen Pachtflächen in Bezug auf abstrakter Futtergrundlage und nach § 35 a BauGB, privilegiertes Bauen ohne eigene Futterfläche. 

AFP Programmübersicht

Ganz wichtig war es Frank Hübner, zu betonen, dass der einzelne Betrieb bei Fragen zur Planung und Genehmigung immer ganz individuell zu betrachten sei, pauschale Empfehlungen gebe es nicht. „Bei allen Vorgaben, die es heute bei der Baugenehmigung gibt, ist die Zusammenarbeit mit einem Planungsbüro oder Architekten zu empfehlen“, ergänzte er außerdem. 

Das Agrarinvestitionsförderprogramm, kurz AFP, werde weitergeführt. „Das AFP ermöglicht Zuschüsse bis zu 35 % des Investitionsbedarfs. Neu ist, dass es zur Bewilligung des Förderverfahrens seit Oktober 2025 ein Punktesystem gibt“, so Frank Hübner. In der Regel werde das Antragsverfahren durch einen Betreuer begleitet, wie die Landwirtschaftliche Unternehmensberatung Nordrhein-Westfalen GmbH. 


Axel Hilckmann,
Landwirtschaftskammer NRW