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Digital zum Hofprodukt

01.10.2026

Einen klassischen Hofladen mit Personal gibt es längst nicht mehr überall. Automaten, Selbstbedienungs-Stationen und digitale Smart-Stores verändern die Direktvermarktung und schaffen neue Wege. Wie vielfältig Lösungen für digitale Smart-Stores aussehen, zeigte die Exkursion „Drei Betriebe, drei Konzepte“ vom Landservice der Landwirtschaftskammer NRW Anfang September. Dabei ging die Tour vom 24-Stunden-Hofladen über die Selbstbedienungs-Station am Obstbaubetrieb bis zum innerstädtischen Smart-Store.

Direktvermarkter Automatenhaus
Matthias Baaken hat festgestellt, dass am Automaten andere Produkte nachgefragt werden als beim klassischen Hofladensortiment. 

Seit 2021 steht am Königshof in Nettetal ein 24-Stunden-Hofladen mit mehreren Verkaufsautomaten. Betriebsleiter Matthias Baaken zieht nach rund fünf Jahren eine positive Bilanz. Der SB-Laden hat sich schnell etabliert. Dabei musste er zunächst herausfinden, welche Produkte bei den Kunden gefragt sind. Klassisches Hofladensortiment und Automatenverkauf unterscheiden sich deutlich, stellte er fest. Gemüse etwa blieb häufig liegen. Dagegen greifen die Kunden gerne zu Pfefferbeißern, Würstchen oder Frikadellen. Auch Eier und Erdbeeren in der Saison verkaufen sich konstant gut. Besonders erfolgreich ist inzwischen das in der hofeigenen Molkerei hergestellte Eis. Baaken erzielt an sonnigen Wochenendtagen mehrere tausend Euro mit seinem Verkaufsladen. Er hat ein Team aus sechs Minijobbern, die beim Auffüllen des Automaten und bei Arbeiten rund um den Hofladen helfen. 

Rund um die Uhr

Direktvermarkter Automatenhaus
Der SB-Verkauf wird von den Kunden gerne und häufig genutzt.

Das Herzstück des SB-Ladens am Königshof bildet ein modular aufgebautes Automatensystem von ACN. Über einen zentralen Touchscreen wählen die Kunden ihre Produkte aus und bezahlen direkt am Automaten. Anschließend öffnet sich das entsprechende Fach. Die einzelnen Fächer lassen sich flexibel bestücken und damit je nach Saison und Nachfrage anpassen. 

Über das Smartphone hat Baaken Zugriff auf das System und kann beispielsweise einzelne Klappen aus der Ferne öffnen oder bei Problemen einen Verkaufsvorgang unterstützen. Die Verkaufsdaten lassen sich ebenfalls digital auswerten. Dadurch entfällt bei vielen Problemen der Weg zum Automaten. 

Für den Königshof erwies sich zudem die Umstellung auf reine Kartenzahlung als sinnvoll. Nach zwei Einbrüchen schaffte Baaken die Bargeldzahlung ab. Neben dem geringeren Sicherheitsrisiko spart das auch Arbeitszeit: Kassengeld zählen, Münzen sortieren und Bargeld zur Bank bringen entfallen. Die Kartengebühr von rund 1,5 % nimmt der Betriebsleiter dafür bewusst in Kauf.

Viele eigene Erzeugnisse

Direktvermarkter Automatenhaus

In Schumachers Apfelparadies schafft der Automatenverkauf Flexibilität.


Die Idee im Apfelparadies Schumacher mit Verkaufsautomaten zu arbeiten, war zunächst simpel: Kunden wollten die hofeigenen Produkte kaufen, gleichzeitig sollte der Hof nicht zu einem klassischen Verkaufsstandort mit ständig besetzter Ladentheke werden. Jetzt können die Kunden im Apfelparadies ihre Produkte über zahlreiche Fächer auswählen. Für das Apfelparadies bietet das System vor allem eines: Flexibilität. Die Fächer lassen sich je nach Saison und Nachfrage unterschiedlich bestücken. 

Das Sortiment will Schumacher künftig noch stärker auf die eigenen Erzeugnisse konzentrieren. Im Hofladen habe sich gezeigt, dass ein großer Teil des Umsatzes mit vergleichsweise wenigen Warengruppen entsteht. Dazu gehören Äpfel, Apfelsaft, Marmeladen und Backwaren aus der eigenen Hofbäckerei. Ein Eis-Automat mit regionalem Eis steht daneben. 

Zwei Automaten stehen inzwischen am Apfelparadies Schumacher in Tönisvorst. Inzwischen zeigt sich, dass auch ein Automat Betreuung braucht. Eine Mitarbeiterin füllt die Station viermal täglich – morgens vor Arbeitsbeginn sowie gegen 11, 15 und 18 Uhr. 

Je nach Wetter und Kundenandrang schwankt der Umsatz deutlich. An schwächeren Tagen kommen laut Betriebsleiter Bernd Schumacher etwa 150 € zusammen, an guten Tagen mit vielen Radfahrern und Spaziergängern 500 bis 600 €.

Von 7 bis 22 Uhr Fleisch

Bei Matzners Metzgerei ergänzt mitten in der Düsseldorfer Innenstadt ein digital gesteuerter SB-Laden das bestehende Geschäft. Seit rund eineinhalb Jahren läuft das Konzept. Die Kunden registrieren sich, öffnen mit ihrer Karte die Tür und wählen ihre Ware selbst aus. 

Direktvermarkter Laden in der City
Neben den klassischen Fleischprodukten finden die Kunden in Matzners Metzgerei auch Produkte aus der Region.

Im Sortiment liegt vor allem das Kerngeschäft der Metzgerei: Würstchen, Aufschnitt, Steaks und weitere Fleischprodukte. Dazu kommen ausgewählte Produkte aus dem Umfeld. Dabei zeigt sich ein Unterschied zum klassischen Ladengeschäft: Im SB-Laden greifen Kunden häufiger zu kleineren Mengen und spontan ausgewählten Produkten, stellt Thomas Matzner fest. Der Umsatz hat sich nach Angaben der Betreiber positiv entwickelt. 

Gerade zu Beginn hatten gerade ältere Kunden Berührungsängste mit dem digitalen Einkauf. Eine persönliche Einweisung half dabei, diese abzubauen. Dazu war zu den Haupteinkaufszeiten immer jemand aus Matzners Team vor Ort. 

Heute nutzen verschiedene Altersgruppen den SB-Laden, welcher rund 11 km entfernt von der Metzgerei liegt. Einmal täglich füllen Matzners ihn auf. Das ist auch nötig, denn an einem normalen Samstag kommen etwa 100 bis 120 Kunden. 


Viola Schulte Spechtel, Landwirtschaftskammer NRW