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Gute Qualitäten bei Ökogerste

07.08.2025

Aufgrund der gestiegenen Nachfrage aus der Praxis, bedingt durch vermehrte Ökoschweinehaltung, führt die Landwirtschaftskammer NRW seit 2011 einen Sortenversuch (Öko-LSV) zur Wintergerste auf ökologischen Flächen durch. Darin ist eine Ökowertprüfung zur Sortenzulassung von beim BSA angemeldeten Stämmen aus ökologischer Züchtung integriert. 

Wintergerste lässt sich auch im Ökolandbau gut anbauen, wenn eine gute Saatbettbereitung erfolgt, geeignete Vorfrüchte – wie Körnerleguminosen – gewählt werden, zum richtigen Zeitpunkt gestriegelt wird und geeignete blattgesunde, langstrohige und standfeste Sorten mit schneller Jugendendwicklung angebaut werden. Durch die frühere Ernte bietet die Wintergerste ausreichend Zeit zur Unkrautbekämpfung von Wurzelunkräutern und für den Anbau von Zwischenfrüchten. Zudem können Arbeitsspitzen entzerrt werden. 

Die Ertragsleistungen in NRW

Die Erträge der Wintergerste lagen in 2025 am Standort Kerpen mit im Mittel 80,6 dt/ha auf einem sehr hohen Niveau: Es waren 26,5 dt/ha mehr als 2024. Die Werte der Standorte aus Niedersachsen und Hessen liegen noch nicht vor. Über die Jahre zeigten sich die Sorten KWS Exquis mit 105 %, Julia mit 103 %, RGT Mela mit 102 %, Integral mit 106 % und die zweizeilige Sorte Normandy mit 103 % relativen Ertrags überdurchschnittlich, wobei Normandy in diesem Jahr herausstach. KWS Flemming und SU Midnight lagen mit je 100 % im Mittelfeld. Von den neueren Sorten zeigte sich die Sorte Goldmarie mit 112 % ertraglich sehr gut. 

Tabelle 1: Kornertrag der Wintergerstensorten in NRW 2023 bis 2025

Die Proteingehalte lagen 2025 mit im Mittel 8,1 % etwas niedriger als im Vorjahr, aber besser als im Vergleich zum Jahr 2023. Höhere mittlere Proteingehalte wiesen die Sorten KWS Flemming mit 8,8 %, Melia mit 8,9 %, Julia mit 9,0 %, Integral mit 9,4 % und Adalina mit 10,1 % auf. Das Hektolitergewicht (HLG) als Maß für die Kornqualität sollte bei Wintergerste bei mehr als 62 kg/100 l liegen. Hohe Feuchtegehalt und große Schalenanteile reduzieren das HLG, Trockenheit und hohe Stärkegehalte hingegen erhöhen es. Im Jahr 2025 fiel das HLG insgesamt mit im Mittel 66,0 kg/100 l gut aus, nur die Sorten SU Majella und Goldmarie lagen etwas niedrig. Die Tausendkornmassen (TKM) waren mit im Mittel 49,4 g deutlich höher als in den vorherigen Jahren. Die Sorte Normandy hatte als zweizeilige Wintergerste die höchsten TKM mit 49,8 g im Mittel über die Jahre und konnte gerade in diesem Jahr mit 58,0 g überragen. Einjährig geprüfte Sorten lagen ebenso hoch.

Nachstehend folgt die Darstellung der Sorten anhand der letzten drei Jahre im Öko-LSV des ABG 3.

Tabelle 2: Qualitäten der Wintergerstensorten in NRW 2023 bis 2025

Drei- bis mehrjährig geprüfte Sorten

LSV Öko-Wintergerste
Im Frühjahr 2025 startete der Landessortenversuch zur Öko-Wintergerste auf einem sandigen Lehm mit einer Ackerzahl von 80 BP in Kerpen mit hervorragend dichten Beständen ins Jahr. 

KWS Flemming (KWS-Lochow, 2019) ist seit 2020 in der Prüfung und steht im Mittel der letzten drei Jahre mit guten 100 % Relativertrag im Sortiment. Sie scheint auch ertragsstabil zu sein. Die Proteingehalte lagen über dem Durchschnitt bei 8,8 %. Im Frühjahr war die Bodenbedeckung nicht ganz so hoch, die Massebildung lag im guten Mittelfeld. Diese Sorte ist sehr blattgesund. Bei mittlerer bis längerer Pflanzenlänge ist sie dennoch nur mittel lageranfällig, etwas Ährenknicken und auch stärkeres Halmknicken wurde schon beobachtet. 2025 war sie vergleichsweise gut. Sie ist für die Normalsaat und etwas Spätsaat geeignet, kann angebaut und in die engere Wahl genommen werden. 

Esprit (DSV, 2020) steht seit fünf Jahren in der Prüfung. Sie erreichte in NRW 96 % Relativertrag, da sie 2024 und 2025 vergleichsweise schlechter abschnitt. In anderen Bundesländern stand sie in den Vorjahren gut. Die Proteingehalte lagen bei geringeren 8,2 %. Die Bodenbedeckung war gut, die Massebildung etwas geringer als andere Sorten. Etwas Zwergrost war zu verzeichnen. Im Bestand präsentierte sie sich im April mittellang, aufrecht und etwas ungleich. Ende Mai war sie dann sehr lang, dicht und gleichmäßig. Esprit ist sehr standfest und hatte fast kein Ähren- und Halmknicken. Aus der eigenen Datenlage heraus kann diese Sorte nicht für den Anbau empfohlen werden, vor allem aufgrund geringerer Erträge. 

SU Midnight (B. Eckenhoff, 2021) steht seit vier Jahren im Prüfsortiment. Die Sorte lag im Mittel bei mittleren 100 % Relativertrag. Die Proteingehalte waren mit 8,7 % im Durchschnitt. Das HLG von 62,3 kg/100 l und die TKM mit 42,8 g waren etwas unterdurchschnittlich. Der Bodenbedeckungsgrad war gut, die Massebeldung sehr hoch. Im Bestand war sie gering mitteldicht und etwas Zwergrost war zu verzeichnen. In fast allen Jahren – so auch 2025 – wurde stärkeres Halmknicken beobachtet. Diese Sorte kann angebaut werden. 2025 wurde zudem etwas Gerstenflugbrand ermittelt. Daher wir die Sorte nicht mehr in der Auswahlempfehlung aufgeführt. 

KWS Exquis (KWS-Lochow, 2022) ist eine weitere vierjährig geprüfte Sorte. Sie steht im Mittel dreier Jahre mit guten 105 % Relativertrag und scheint sehr ertragsstabil zu sein. Für eine kurze Sorte war die Massebildung etwas niedriger, der Bodenbedeckungsgrad sehr gut. Die Proteingehalte lagen mit 8,5 % etwas unter dem Durchschnitt. Das HLG war mit 64,7 kg/100 l gut, die TKM mit 41,5 g etwas unterdurchschnittlich. Im Bestand war sie mittel bis dicht. Etwas Zwergrost und Ramularia wurden beobachtet. 2023 und 2024 war etwas mehr Halmknicken zu verzeichnen – 2025 hingegen nicht. Diese Sorte kann angebaut werden.

Melia (IG, 2019) steht ebenso seit vier Jahren im Sortiment. Sie kommt im Mittel dreier Jahre auf 99 % Relativertrag in NRW und schwankte etwas stärker an den anderen Standorten und in den anderen Jahren. Die Proteingehalte lagen mit 8,9 % etwas über dem Durchschnitt. Mit 63,3 kg/100 l war das HLG im Mittel etwas höher, während die TKM mit 42,8 g etwas geringer ausfiel. Der Bodenbedeckungsgrad war gut und die Massebildung im Frühjahr 2025 sehr hoch. Im späteren Bestand und in den Vorjahren war sie weniger dicht. Melia ist blattgesund und länger, wobei kein Lager beobachtet werden konnte. Nur etwas Halmknicken war zu bonitieren. Diese Sorte kann angebaut werden.

Julia (DSV, 2022) ist im dritten Jahr im Sortiment. Sie erzielte gute 103 % relativen Kornertrag. Die Proteingehalte lagen etwas besser mit 9,0 %. Das HLG war mit 62,4 kg/100 l etwas niedriger, die TKM mit 44,0 g etwas höher als der Durchschnitt. Der Bodenbedeckungsgrad lag vergleichsweise schlechter, die Massebildung besser. Ramularia, Zwergrost und Netzflecken wurden mit geringer bis teilweise mittlerer Befallsstärke aufgezeichnet. Deutlich stärkeres Halmknicken war in allen drei Jahren zu verzeichnen. Diese mittellange Sorte kann angebaut werden. 

RGT Mela (W. von Borries-Eckendorf, 2022) ist ebenfalls im dritten Jahr in der Prüfung. Sie kam auf gute 102 % Relativertrag. Die Proteinwerte lagen bei mittleren 8,6 % in NRW. Das HLG von 64,3 kg/100 l und die TKM von 46,1 g waren höher als das Mittel der Sorten. Im Frühjahr zeigte RGT Mela eine gute Bodenbedeckung sowie eine mittlere Massebildung. Etwas Zwergrost wurde gefunden. Diese längere Sorte hat eine gute Standfestigkeit ohne Ährenknicken. Insgesamt ist diese Sorte anbauwürdig

Ein- bis zweijährig geprüft, ohne Anbauempfehlung

Öko-Gerste Sorte Integral
Integral ist eine kürzere, ertragsstarke Sorte mit guter Bodenbedeckung. Sie kann allerdings im Bestand etwas zu dünn sein.

Integral (Secobra Recherches S.A.S., 2023) ist neuer im Sortiment. Sie kam im Mittel zweier Jahre auf sehr gute 106 % Relativertrag. Der Proteingehalt lag bei guten 9,4 %. Das HLG mit 59,1 kg/100 l und die TKM mit 43,5 g waren etwas geringer beziehungsweise im Mittelfeld im Vergleich zu den anderen Sorten. Im Bestand sah die Sorte nur mittelgut aus und war zum Zeitpunkt des Schossens etwas dünner. Die Massebildung im Frühjahr war niedriger als bei anderen Sorten, die Bodenbedeckung hingegen sehr gut in NRW in beiden Jahren. Am Blatt wurden etwas Zwergrost und Netzflecken gefunden. Diese kürzere Sorte ist standfest und zeigte bisher kein Ähren- oder Halmknicken. Sie kann ausprobiert werden.

Adalina (Natursaaten, 2018 A) ist eine ältere Sorte, die neu mitgeprüft wird. Im Mittel von zwei Versuchsjahren erreichte sie nur 98 % Relativertrag. Der Proteingehalt lag mit 10,1 % am höchsten in Sortiment. Das HLG von 60,1 kg/ 100 l war etwas zu gering und die TKM von 43,6 g lag im Mittelfeld. Die Massebildung in der Jugendentwicklung war sehr hoch in NRW, während die Bodenbedeckung zum früheren Zeitpunkt eher geringer ausfiel. Im Bestand sah diese Sorte zum Zeitpunkt des Schossens sehr gut aus. Diese mittellange Sorte ist standfest, wies aber in beiden Jahren stärkeres Halmknicken auf. Es trat bereits auf mehreren Standorten Zwergrost auf und etwas Netzflecken waren vorhanden. Aufgrund der höheren Proteingehalte ist Adalina eine interessante Sorte zum Ausprobieren.

SU Majella (Nordsaat Saatzucht, 2024) ist neu im Prüfsortiment. Sie startete mit mittleren 99 % Relativertrag. Der erste Proteinwert lag nur bei 8,2 %. Auch das HLG war mit 57,4 kg/100 l geringer, während die TKM bei sehr guten 52,6 g lag. Der Bodenbedeckungsgrad war im ersten Jahr gut, die Massebildung etwas geringer. Am Blatt wurden etwas mehr Zwergrost und Netzflecken gesichtet. Diese lange Sorte war standfest und zeigte kaum Ähren- oder Halmknicken. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Öko-Gerste Sorte Valena
Valena wurde 2024 neu zugelassen. Die Kornerträge waren im ersten Jahr niedrig, doch soll sie eine Zwergrostresistenz mitbringen.

Thimea (Probsdorfer Saatzucht/Natursaaten, 2023) wurde ebenso erstmalig geprüft. Die Sorte erreichte zunächst 97 % relativen Kornertrag. Der erste Proteinwert lag nur bei 8,0 %. Das HLG mit 63,7 kg/100 l) und die TKM mit 51,5 g waren überdurchschnittlich. Der Bodenbedeckungsgrad war gering bis mittel, die Massenbildung mittelgut. Etwas Zwergrost und Netzflecken waren am Blatt zu verzeichnen. Zudem wurde dieses Jahr etwas Gerstenflugbrand ermittelt, was im Auge behalten werden muss. Die mittellange Sorte war im ersten Jahr standfest ohne Ähren- oder Halmknicken. Weiter Ergebnisse bleiben abzuwarten.

Valena (Dottenfelderhof, 2024) ist eine neu zugelassene Sorte aus der Ökolandbau-Züchtung und ersetzt die Sorte Lioba im Prüfsortiment. Sie soll eine Zwergrostresistenz besitzen. Im ersten Jahr erreichte Valena nur 83 % relativen Kornertrag in NRW. Der erste Proteinwert lag bei geringen 8,3 %. Das HLG war mit 68,2 kg/100 l deutlich höher, ebenso wie die die TKM mit 48,1 g. Im Frühjahr war der Bodenbedeckungsgrad gut und die Massebildung mittelgut. Diese Sorte erschien recht blattgesund mit nur etwas Netzflecken. Als lange Sorte war sie dennoch standfest mit etwas Halmknicken. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten.

 

Zweizeilige Sorten

Immer wieder kommt die Frage nach zweizeiliger Wintergerste für den Ökolandbau auf. In der Regel sind diese ertraglich immer noch geringer, da die Kornzahl/Ähre als ein Ertragsparameter geringer ist, werden aber besser. Dafür gleichen diese Sorte mit höherem TKG und HLG aus, sind oft kürzer sowie standfester und weisen teilweise höhere Proteingehalte auf. In der Wertprüfung sind Stämme von möglicherweise neuen zweizeiligen Sorten angemeldet, daher steht Normandy im Vergleich mit dabei.

Öko-Gerste Sorte Normandy
Die ältere, zweizeilige Sorte Normandy brachte 2025 hohe Erträge. Neuere Sorten kommen nach.

Normandy (Nordic Seed Germany, 2020) kam auf gute 103 % Relativertrag. Die Sorte schwankte aber stärker in den Jahren, konnte aber in den letzten beiden Jahren durch Korrekturen bei der Saatstärke in NRW punkten. Im Bestand stand sie nicht so schön, anfangs mäßig: sehr kurz, ungleich, dicht; später schlechter: sehr kurz, ungleich, dünner im Vergleich zu den anderen Sorten. 2025 war sie allerdings mit einem hohen Bodendeckungsgrad und mittlerer Massebildung positiv dabei. Im Proteingehalt lag sie bei mittleren 8,6 %, das HLG war mit 63,5 kg/100 l etwas über dem Durchschnitt, die TKM war mit 49,8 g sehr hoch. Etwas Zwergrost und Netzflecken waren zu verzeichnen. Normandy ist kurz, standfest, ohne Ähren- oder Halmknicken. Sie kann angebaut werden. 

Goldmarie (IG Pflanzenzucht, 2022) stand im ersten Jahr in der Prüfung. Die Sorte startete mit hervorragenden 112 % Relativertrag. Der erste Proteinwert lag dagegen nur bei 8,0 %. Das HLG war mit 56,3 kg/100 l zu gering, während die TKM mit 50,3 g über dem Durchschnitt lag. Goldmarie wies einen mittleren Bodenbedeckungsgrad sowie eine mittlere Massebildung auf. Sie scheint blattgesund zu sein. Kurz bis mittellang war sie standfest mit etwas Halmknicken. Weitere Ergebnisse bleiben abzuwarten. 


Fazit für die Praxis

Aufgrund des mittleren und stabilen Ertrags ist die ältere Sorte KWS Flemming immer noch zu empfehlen. KWS Exquis ist neuer, kürzer und ertragsstärker. Mittlere Erträge, gute Proteingehalte und hohe Massebildung bringt Melia mit. Neuere Sorten wie Julia und RGT Mela haben ebenfalls gute Erträge und bessere Proteingehalte. Von den ein- bis zweijährig geprüften Sorten könnte die ertragsstärkere Sorte Integral oder die proteinstarke Sorte Adalina ausprobiert werden. Die zweizeilige Sorte Normandy könnten ebenso in Betracht kommen. Auch hier kommen neue Sorten nach. 

Tabelle 3: Sortenempfehlung Ökowintergerste 2025/26


Dr. Claudia Hof-Kautz, Landwirtschaftskammer NRW