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Jetzt lohnt sich der Blick ins Getreidelager

24.03.2026
Getreideschädling
Adultes Tier des Getreideplattkäfers.

Gerade wenn Getreidepartien überjährig gelagert werden, muss im Lager regelmäßig auf Käferbefall kontrolliert werden. Im Folgenden werden die wichtigsten Arten und Regulierungsmöglichkeiten vorgestellt.

  • Kornkäfer

Der Kornkäfer ist 3 bis 5 mm groß und an seinem charakteristischen Rüssel zu erkennen. Er gehört zu den wenigen Lagerschädlingen, die intakte Körner befallen können. So schaffen sie eine Eintrittspforte für andere Schädlinge und pilzliche Erreger (Mycotoxinbelastung!).

Das charakteristische Schadbild zeigt sich mit komplett ausgehöhlten Körnern, da das Weibchen ein Ei ins Korn legt und die Larve sich im Korn entwickelt. Verdächtige Partien können mit einem Schwemmtest untersucht werden, da die hohlen Körner in Wasser oben schwimmen. Die adulten Tiere können nicht fliegen und sind lichtscheu, weshalb die Tiere oft tiefer im Lager zu finden sind. Die Tiere werden meistens zwei Jahre alt, bei guten Bedingungen auch älter.

  • Getreideplattkäfer

Der Getreideplattkäfer ist mit 2 bis 3 mm einer der kleinsten Getreideschädlinge, der auf dem ersten Blick eine gewisse Ähnlichkeit zu Ameisen hat. Er kann nicht ins Korn eindringen und ist daher meist ein Sekundärschädling oder befällt Bruchkorn und Mehle.

Getreideplattkäferbefall tritt meist in Nestern direkt unter der Oberfläche des Lagers auf. Diese Nester lassen sich meist nur dadurch entdecken, dass man nach Wärmenestern sucht, da der Befall Wärme erzeugt, aber auch Wärme die Entwicklung und Ausbreitung beschleunigt. Sie fliegen selten und sind gute Läufer, die aus Becherfallen herausklettern können, was das Monitoring zusätzlich erschwert. Auch diese Käfer können mehrere Jahre alt werden.

  • Reismehlkäfer

Der Reismehlkäfer ist nur 3 bis 4 mm groß und ist über die Endkeulen an den Fühlern bestimmbar. Er tritt vor allem da auf, wo Getreideschrot und -mehl gelagert werden, also auf Betrieben, die selber quetschen oder Schrot füttern und in Bäckereien. Er kann aber auch Bruchkorn befallen. Die Weibchen können bis zu 1 000 Eier legen und mehrere Jahre alt werden. Da der Reismehlkäfer vor allem aus tropischen Ländern eingeschleppt wird, ist er relativ kälteempfindlich und stirbt bei Temperaturen unter 7°C. 

Prävention ist das A & O!

Für alle Getreidekäfer gilt: Je wärmer, desto schneller die Entwicklung und Ausbreitung. Außerdem entstehen beim Fraß Kondensat und Wärme, was eine Sekundärinfektion mit Pilzen und erhöhte Mycotoxingehalte begünstigt. Durch ein regelmäßiges Kontrollieren von Temperatur und Luftfeuchtigkeit lässt sich Käferbefall aufspüren, bevor viele adulte Tiere zu finden sind.

Klebe-, Pheromon- und Becherfallen können das Monitoring zusätzlich erleichtern. Auch das konsequente Streichen von Wänden mit weißer Farbe vereinfacht die Kontrolle, da der Kontrast zu den dunklen Käfern so am höchsten ist. Zusätzlich muss das Lager so gut wie möglich abgedichtet sein, um das Einwandern oder Einfliegen von Schädlingen zu vermeiden. Es lohnt sich, zusätzlich die Kegel im Lager einzuebnen um eine gleichmäßige Trocknung zu sichern.

Was tun bei Befall?

Zur Bekämpfung bei Befall steht in der ökologischen Landwirtschaft in erster Linie Kieselgur, SiO2, wie SilcoSec von Biofa, zur Verfügung. Am besten wird das Stäubemittel bereits bei der Einlagerung mit dem Getreide vermischt, etwa 1 kg/t. Das sollte mit der Mühle abgesprochen werden. Auch im Leerlager kann es auf Wände appliziert oder in Ritzen gestreut werden. Wenn im Lager Käferbefall auftritt, kann Kieselgur auf der Getreideoberfläche eingeharkt werden. Das Mittel bindet Wasser und Fette und zerstört so die Kutikula von Insekten. Diese trocknen aus und sterben.

Nützlinge, wie Raubwanzen oder Schlupfwespen, parasitieren nur Eier und Larven, weswegen der Einsatz nur vorbeugend oder bei leichtem Befall Sinn ergibt. Zu beachten ist, dass sie nicht mit Kieselgur kombiniert werden können. Auch das Umlagern kann leichten Befall durch die mechanische Belastung reduzieren. Gleichzeitig erhöht sich aber auch der Anteil an Bruchkorn.

Bei starkem Befall gibt es die Möglichkeit, das leere Lager mit Pyrethrum zu behandeln. In der FiBL Betriebsmittelliste sind die Mittel Insektenil (Firma Hentschke Sawatzki) und microsol® bio-autofog (Firma Microsol-Biozida Handels-GmbH) für EU-Öko und Verbandsbetriebe gelistet. 


Sophie Knobelsdorf, Landwirtschaftskammer NRW