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Nach der Ernte: Trends in der Bodenbearbeitung

13.08.2026
Scheibenegge

Die Horsch Joker 3 CT kann mit der entwickelten CoverCrush Disc ausgestattet werden. Durch das X-förmige Bearbeitungsmuster der Werkzeuge soll möglichst viel Boden abgeschert, Organik zerkleinert und Feinerde produziert werden. Der angebaute Striegel verbessert die Strohnachverteilung, welche bei Kurzscheibeneggen gegenüber Zinkengrubbern systembedingt schlechter ist.


 

Werkzeugkombi mit Messerwalze
Durch Werkzeugkombinationen, wie hier zu sehen mit vorlaufender Messerwalze, sollen Maschinen immer vielfältig einsetzbarer werden: Zwischenfrüchte einarbeiten, Stoppelbearbeitung, Maisstoppelzerkleinerung sind einige der möglichen Aufgabegebiete. Die speziell für die flache Bodenbearbeitung entwickelten Scheiben sollen den Boden abscheren und möglichst viel Feinerde erzeugen. 

Nach der Ernte ist vor der Ente und die Vorbereitungen beginnen auf den allermeisten Betrieben mit der Stoppelbearbeitung. Höchste Zeit, die aktuellen Trends zu beleuchten. 

Üblicherweise fängt nach der Ernte das neue Anbaujahr mit dem Stoppelsturz an. In den vergangenen Jahren hat man sich zunehmend mit dessen Bedeutung auseinandergesetzt. Mittlerweile weiß man, welch hoher Stellenwert der ersten Bodenbearbeitung zuzusprechen ist. Je nach Standort kann die Bearbeitung in Sachen Intensivität oder Tiefe durchaus stark voneinander abweichen. Passt die Strohverteilung nach dem Drusch nicht, sollte man sich überlegen, wie diese durch die Bearbeitung nachgebessert werden kann. Hierfür sind mit Zinken besetzte Geräte grundsätzlich sehr gut geeignet. Auf Flächen, bei denen Problemungräser eine große Herausforderung darstellen, gilt es zu überlegen, ob überhaupt eine Bearbeitung stattfinden sollte. 

Ungras mit Wurzel
Das Ungras hat an den Wurzeln noch reichlich Boden anhaften, wodurch die Gefahr des Weiterwachsens sehr hoch ist. Hier muss nachgearbeitet werden, obwohl bereits vermeintlich flach gearbeitet wurde.

Je nach Unkraut- oder Ungrasdruck kann es sinnvoller sein, zunächst auf eine Bearbeitung zu verzichten, um anschließend nach einer Wachstumsphase mit der Bekämpfung zu starten. Falls eine Bearbeitung zur Bekämpfung als notwendig betrachtet wird, gilt es zu überlegen, mit welchem Bodenbearbeitungsgerät aus dem eigenen Betrieb oder Umfeld ein möglichst flaches Arbeiten möglich ist. Flach sollte vor allem deswegen gearbeitet werden, da Samen von Problemungräsern in tieferen Bodenschichten in Keimruhe verfallen und erst im Laufe der Vegetation keimen können. Dies kann zum Problem werden, daher gilt es in der Phase von Ernte bis Aussaat der nachfolgenden Kultur dafür zu sorgen, dass möglichst viel Ausfallgetreide und andere Samen aus dem Bodenvorrat zum Keimen angeregt werden. So kann und sollte die Stoppelbearbeitung durchaus als erste feldhygienische Maßnahme betrachtet werden. 

Flach grubbern

Ungras mit Wurzel
Ein flacher, nahezu flächiger Schnitt: Bei genauerem Hinsehen fällt am freigelegten Bodenprofil auf, dass noch einzelne Pflanzen stehengeblieben sind. Hier wird in kurzer Zeit nochmal ein Arbeitsgang nötig, dann etwas tiefer. Grundsätzlich sollte man sein Arbeitsergebnis auch anhand des Bodenprofils beurteilen. Es verrät genau, ob und wo noch Anpassungen vorgenommen werden können. 

Bewährt haben sich in dieser Hinsicht in den letzten Jahren spezielle Flachgrubber, welche durch engere Strichabstände, mehrbalkige Rahmenaufbauten und Gänsefußschare herausgestochen sind. Die Auswahl der Schare ist besonders hervorzuheben, da nur durch ein breites Schar ein flächiges Schneiden möglich wird. Zudem ist die Überlappung, sprich die Differenz zwischen Scharbreite und Strichabstand, wichtig: Je größer die Überlappung, desto besser, da insbesondere an den seitlichen Enden der Schare oftmals Unkräuter oder -gräser unterhalb der Schare durchgedrückt werden. Wird dieser Bereich ein weiteres Mal überfahren, ist die Wahrscheinlichkeit geringer, dass Unkraut auch dem nachfolgenden Schar ausweicht. 

Flachgrubber sind mittlerweile bei vielen namhaften oder auch weniger namhaften Herstellern im Portfolio aufgenommen. Einen guten Überblick hierzu konnte man sich auf der vergangenen Agritechnica im November 2025 machen. Im Sommer, wenn es darum geht, die noch vorhandene Feuchtigkeit im Boden zu halten oder für Bodenschluss zu sorgen, ist ein Nachläufer zu empfehlen. Dieser sorgt nach der Lockerung durch das Zinkenfeld für eine Rückverfestigung, welche dem besseren Auflauf von Samen dient. Es gibt zudem Geräte, bei denen ein Striegel anstelle der Walze verbaut ist. Dessen Einsatz bietet sich allerdings tendenziell eher im Frühjahr an, wenn Flächen zur Aussaat vorbereitet werden sollen, oder ein zügiges Abtrocknen erreicht werden soll. Zur Strohnachverteilung hingegen sind solche Geräte sehr gut geeignet. 

Ebenfalls effektiv sind gewellte Scheiben die bei Kurzscheibeneggen bei einigen Herstellern seit einigen Jahren im Trend sind. Diese Scheiben ermöglichen ein sehr flaches Arbeiten auf wenigen Zentimetern Tiefe, bedürfen für einen flächigen Schnitt unter Umständen allerdings mehrfache Überfahrten. 

Bodenzustand im Blick haben

Grubber
Doppelfederzinken, wie hier zu sehen am Horsch Finer 5 SL, sorgen auch bei sehr harten, trockenen Böden für ausreichend Stabilität und halten den Zinken gut im Boden. Gänsefußschare sind Voraussetzung für einen flachen und flächigen Schnitt. 

Grundsätzlich gilt, egal ob mit (Flach-)Grubber, Kurzscheibenegge oder anderen Spezialmaschinen, dass der Bodenzustand mitunter darüber entscheidet, ob ein flaches und flächiges Arbeiten überhaupt möglich ist. Schwere und ausgetrocknete Böden stellen dabei die höchsten Anforderungen dar. Die allermeisten Geräte kommen hier an ihre Grenzen, da der Einzug der Maschinen in den ausgetrockneten festen Boden sehr herausfordernd ist. Aus diesem Grund findet der erste Bearbeitungsgang oftmals zu tief statt. Höhere Einsatzsicherheit bieten unter solchen Verhältnissen starre Zinken, wie man sie von Universalgrubbern her kennt. Diese weisen einerseits die nötige Strichstabilität auf und können andererseits mit entsprechenden Scharen bestückt werden. 

Strichstabilität bedeutet dabei, wie starr die Zinken montiert sind und ob ein Ausweichen nach hinten oder zu den Seiten möglich ist. Bei Federzinken, die oftmals bei Flachgrubbern montiert sind, ist die Strichstabilität bewusst geringer. Vibrationen und Schwingungen, die durch härtere Bodenzonen verursacht werden, führen dazu, dass mehr Feinerde produziert wird, der Zinken angestautes Material unter Umständen auch selber während der Fahrt abwerfen kann und ein Ausweichen bei Steinen und Co. möglich ist, ohne dass das Gerät Schaden nimmt.

Daher setzen aus den genannten Gründen zunehmend mehr Betriebe ihren Universalgrubber, der ursprünglich für mittleres bis tiefes Ackern angeschafft wurde, auch in der flachen Stoppelbearbeitung ein. Die Landtechnikhersteller haben den Bedarf für angepasste Scharformen und -breiten erkannt und sich mit Neu- oder Weiterentwicklungen bei Scharen auf den Bedarf der Praxis angepasst. So ist es möglich, mit Standardgrubbern flacher als 5 cm arbeiten zu können. 

Räder zur Höhenführung

Grubberzinken
Spezielle Schare für Universalgrubber machen die Maschine tauglich für ein flaches Arbeiten, hier zu sehen am DeltaCut Schar von Lemken für den Karat. 

Bei Flachgrubbern oder anderen speziell für die flache Bodenbearbeitung entwickelten Maschinen liegt ein Fokus auf der Bodenanpassung. Äcker sind niemals vollständig eben. Fahrgassen, Maulwurfshügel, Steine oder natürliche Senken stellen besonders hohe Anforderungen an Maschinen, die einen flächigen Schnitt erzielen sollen. Demzufolge haben sich die Hersteller dazu entschlossen, ihre Maschinen mit mehr Rädern im oder am Gerät zur Höhenführung auszustatten. Das Ganze geht so weit, dass Dreipunkt-Maschinen nur noch im Langloch gefahren werden, damit neben der Anpassung über die Maschinenbreite auch Anpassungen über die Maschinenlänge bei Fahrten durch Senken oder über Hügel möglich sind. Logischerweise steigen die Anforderungen an die Höhenführung mit Zunahme der Arbeitsbreite, aber auch hier sind Möglichkeiten der Bodenanpassung durch geklappte und hydraulisch vorgespannte Seitenflügel möglich. 

Flach bleibt im Trend

Der Hype um die flache Bodenbearbeitung ist in den vergangenen Jahren ein wenig abgeschwächt. Während der Diskussion um Farm-to-Fork und die damit verbundenen Pflanzenschutzreduktionsziele oder das zeitgleiche mögliche Aus für Glyphosat hat sich sehr viel Bewegung in der Bodenbearbeitung(stechnik) ergeben. Die Diskussionen haben mitunter dazu beigetragen, dass Konstrukteure sich wieder mehr mit dem Thema Bodenbearbeitung beschäftigt haben. Seither haben sich die Möglichkeit zur Einstellung von Arbeitstiefe, Auswahl an Scharmöglichkeiten oder Geräten - ebenso wie die Weiterentwicklungen von bestehenden Universalgrubbern - an die steigenden Anforderungen einer möglichst flachen Bodenbearbeitung für die Praxis verbessert. 

Grubberzinken
Das TerraCut Schar von Horsch kann an allen gängigen Horsch Terrano Scharstielen montiert werden. Systembedingt läuft das Schar etwas tiefer als die Seitenflügel und hinterlässt ein rillenförmiges Profil im Boden. 

Fakt ist, dass flaches Bearbeiten weiterhin im Trend ist. Es spart neben Bodenwasser auch Treibstoff und regt zum Keimen von Ausfallgetreide und unerwünschten Samen an. Dadurch, dass Pflanzenschutzmittel zunehmend sichtbar an ihre Grenzen kommen und sich Resistenzen schneller ausbreiten als es der Praxis lieb ist, wird das Thema zukünftig aktuell bleiben. Jeder Betrieb sollte sich vor dem Start in die Stoppelsaison überlegen, ob Problemstandorte im Betrieb vorhanden sind und je nach Fläche entscheiden, welche Strategie in diesem Jahr am sinnvollsten ist. Denn klar ist: Jedes Jahr ist anders - Gleiches gilt für die ackerbaulichen Herausforderungen. Klar ist dagegen auch, dass es auf einzelbetrieblicher Ebene nicht möglich ist, eine Vielzahl an Maschinen für das optimale Arbeitsergebnis für unterschiedliche Flächen vorzuhalten. Umso wichtiger ist es, sich gedanklich mit dem Thema auseinander zu setzen und zu überlegen, wo Kompromisse möglich sind, oder ob das Ausleihen von Maschinen oder ein Neukauf für die Zukunft möglicherweise aus betrieblicher Sicht sinnvoll sind. 


Alexander Czech,
Landwirtschaftskammer NRW