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Organische Düngung zu Winter- und Sommerungen

10.02.2026

Zum Wachstumsstart des Wintergetreides sollte eine organische Düngung mit Wirtschaftsdünger frühzeitig erfolgen. Hierbei kommt es auch auf die N-Form an.

Sommerdinkel
Sommerdinkel

In den organischen Düngemitteln ist der Stickstoff an zwei Fraktionen gebunden: Zum einem an die organische Substanz; zum anderem ist N als leicht verfügbares Ammonium NH4 vorhanden. Dabei spielt das C/N-Verhältnis für die N-Verfügbarkeit aus den organischen Düngemitteln eine wesentliche Rolle. Wirtschaftsdünger mit einem engen C/N-Verhältnis, so zum Beispiel Gülle, Biogassubstrat und Jauche, weisen eine wesentlich schnellere Stickstoffverfügbarkeit auf als Wirtschaftsdünger mit einem weiten C/N-Verhältnis, wie bei Stallmist der Fall. 

Schnell verfügbares NH4

Die Verfügbarkeit des Stickstoffes in der organischen Substanz ist sehr unterschiedlich, wobei der Stickstoffanteil in der Ammoniumform relativ schnell in Abhängigkeit von den Bodentemperaturen verfügbar ist. Dieser Anteil kann im Jahr der Anwendung voll genutzt werden. Der restliche organisch gebundene Stickstoff kommt erst in den nachfolgenden Jahren zur Wirkung. Der Anteil von Ammonium am Gesamtstickstoff beträgt bei Stallmist rund 15 %, bei Gülle oft mehr als 50 %, beim Biogassubstrat oft mehr als 60 % und bei Jauche nahezu 95 %. 

Zeitig organisch düngen

Tabelle Mistausbringung
Die etwas ältere, aber nach wie vor gültige Tabelle zeigt optimale Zeitpunkte und Anwendungsmengen von festen und flüssigen Wirtschaftsdüngern für den ökologischen Ackerbau.

Zum Wachstumsstart des Wintergetreides sollte eine organische Düngung mit Wirtschaftsdünger frühzeitig erfolgen. Im Wintergetreide eigen sich gut Geflügelmist, Rottemist und besonders gut Biogülle. Diese Wirtschaftsdünger werden besonders zügig im Boden umgesetzt und fördern den Wachstumsstart des Wintergetreides. Für die Erzeugung von Futterweizen sollte die ertragsbetonte Düngung mit Gülle oder Jauche bis zum Ende der Bestockung abgeschlossen sein. Bei der Erzeugung von Qualitätsweizen sind dagegen spätere Ausbringtermine bis Mitte/ Ende des Schossens erforderlich. Hierzu sollten ausschließlich flüssige organische Düngemittel, wie Gärsubstrat, Gülle oder Jauche, eingesetzt werden. In Kartoffeln wird als Grunddüngung eine Mistgabe empfohlen. 

Um die Gefahr des Rhizoctoniabefalls zu mindern, sollte nur gut verrotteter Stallmist eingesetzt werden. Stallmistgaben von Rinder- und Schweinemist sollten maximal 30 t pro ha nicht überschreiten und Gaben von Geflügelmist nicht mehr als 10 t pro ha betragen. Zu hohe Mistgaben führen zu einer langen N-Nachlieferung, welche die Abreife des Bestandes behindern und zu Qualitäts- und Geschmacksminderungen führen kann. 

Gülle sollte vor dem Pflanzen im Frühjahr mit 15 bis 30 m³/ha ausgebracht werden. Auch Gärsubstrate aus Biogasanlagen können im Kartoffelanbau gut eingesetzt werden, allerdings sind die Nährstoffgehalte stark abhängig von den eingesetzten Gärsubstraten und damit die Düngerwirkung schwieriger abzuschätzen. Flüssige Gärsubstrate mit unter 15 % TS können mit einer N-Wirkung von 60 % angerechnet werden. Feste Substrate mit über 15 % TS erreichen eine N-Wirksamkeit von 40 %. 


Franz-Theo Lintzen, 
Landwirtschafskammer NRW