Der Versuchsrundgang bot in kompakter Form Einblick in zahlreiche laufende Versuche und die Möglichkeit des Austauschs.
Um Rostmilben an Tomaten, Anbauversuche von Auberginen, Gurken im Folientunnel und Cu&Carry ging es unter anderem auf dem Ökogemüsebautag Anfang Juli im Gartenbauzentrum Köln-Auweiler.
Seit mehreren Jahren laufen in Auweiler Versuche, wie die Tomatenrostmilbe bekämpft werden kann. Die Ergebnisse aus dem letzten Jahr sind vielversprechend: „Bei sehr hohem Befallsdruck der Tomatenrostmilbe (Aculops lycopersici), der unter anderem zu abgestoßenen Blütenanlagen und verkorkten Früchten führte, konnte der frühe Einsatz von Raubmilben die Populationen wirksam reduzieren und zu signifikant höheren Erträgen beitragen. Die Ausbringung bereits in der Jungpflanzenphase ermöglichte eine frühere und stabilere Etablierung der Raubmilben und erwies sich zudem als arbeitswirtschaftlich günstig“, so Dr. Perkons im Versuchsbericht. Der Haken daran: Diese Raubmilben sind noch nicht auf dem Markt.
Deshalb wurde für 2026 nochmal ein etwas breiterer Versuch angelegt. Die Varianten: Anthogene Pilze Metarhizium bruneum und Beauvaria bassiana (jeweils bei ersten Symptomen), Raubmilbe Homeopronematus anconai (Ausbringung in der Anzucht) sowie Schwefel (Kumulus) als Kontrolle (neben einer gänzlich unbehandelten Variante). Zudem wird in diesem Jahr an System untersucht, das bereits am JKI in Braunschweig getestet wurde. Es handelt sich dabei um eine Barriere aus Öl, die auf Stängel und Schnur gestrichen wird, um das Aufwandern der Rostmilben zu verhindern. Dies ist sehr arbeitsaufwendig, da die Barrieren immer 20 cm unterhalb der Triebspitze der Tomate aufgebracht und regelmäßig erneuert werden müssen.
Auberginen im Anbauversuch
Untersucht werden bei den Auberginen Ertragsunterschiede zwischen den Sorten `Jaylo´ und `Kesia´ (beide von Rijk Zwaan), aber auch innerhalb der Sorten durch unterschiedliche Kulturführung. Die Pflanzen werden - wie in Auweiler üblich - dreitriebig gezogen und gelayert oder an jedem Seitentrieb eine Frucht und ein Blatt belassen. Laut Dr. Perkons erfordert das zweite Verfahren mehr Zeit, da mehr Entscheidungen getroffen werden müssen. „Tendenziell sehen wir, dass dieses dreitriebige ohne die Seitentriebfrüchte bisher etwas ertragreicher ist. Aber das ist sicherlich nur ein erster Einblick“, so Perkons. Was die Sorten noch unterscheidet, ist, dass bei `Kesia´ die Kelchblätter nicht wie bei Auberginen üblich behaart ist, sondern ganz glatt. Das könnte wiederum Auswirkungen auf die Verteilung von Nützlingen haben.
Bodenentseuchung ohne Sauerstoff
In einem momentan ungenutzten Gewächshaus soll demnächst eine anaerobe Bodenentseuchung (ASD) durchgeführt werden, um biologisch gegen Nematoden und Bodenkrankheiten vorzugehen. Der Ablauf der ASD:
- Grünmasse einarbeiten: N-reiches Pflanzenmaterial (Luzerne, Grasschnitt, Klee) fein gehäckselt in die oberen 15 bis 20 cm Boden einfräsen; man rechnet mit 6 kg Frischmasse/m²
- Bewässerung: Boden bis in die Einarbeitungstiefe wässern bis zur vollständigen Sättigung (40 bis 60 mm je nach Bodenart)
- Abdecken: Boden luftdicht mit Folie (in Auweiler wird Silofolie verwendet) abdecken, für drei bis fünf Wochen
- Belüften und Pflanzen: nach der Behandlung Boden eine Woche lang lüften, bevor die nächste Kultur gepflanzt wird
Die Mikroorganismen verbrauchen bei der Zersetzung der Biomasse den vorhandenen Sauerstoff innerhalb weniger Tage. Die gebildeten Abbauprodukte, wie organische Säuren oder Fettsäuren, wirken toxisch auf Nematoden, pilzliche Krankheitserreger, wie Fusarium, Verticillium, Phytium, sowie Unkrautsamen. Gleichzeitig fördert die Behandlung nützliche Bodenorganismen, die nach der Belüftung die frei gewordenen ökologischen Nischen besetzen und so Krankheitserreger unterdrücken können. Soweit die Theorie. Wie wirksam die Methode ist, sollen zahlreiche Untersuchungen und Analysen im Laufe des Sommers zeigen.
Gurken im Folientunnel
Ganz neu an der Versuchsstation in Auweiler ist ein Folientunnel für Gemüseversuche. Als erste Kultur wurde dort ein Gurkensortenversuch angelegt, mit `Bluesummer´, `Cumlaude´, `Dee Votion´ und `Dee Lite´. Zu Ertragsunterschieden gibt es noch keine Ergebnisse, aber was Dr. Perkons schon berichten konnte war, dass die Sorten unterschiedliche anfällig für Brennköpfe sind. „`Bluesummer´ ist da sehr rausgestochen, dass sie deutlich weniger Brennköpfe hatte als die anderen Sorten“, so die Expertin.
Porree mit Nützlingen
Auf der Freiland-Versuchsfläche steht unter anderem Porree, an dem ein Nützlingseinsatz gegen Thripse getestet wird. Die einzige wichtige Tripsart, die bei Porree vorkommt, ist der Zwiebeltrips Thrips tabaci. Bereits etabliert hat sich in der Thrips-Bekämpfung die Orius-Raubwanze, die weiterhin in Praxisbetrieben getestet wird. In Auweiler hingegen werden in diesem Jahr verschiedene nützliche Thripse wie der Aelo-Thrips, der Kurzflügelkäfer Atheta und zwei Raubmilbenarten, die sonst in der Trauermückenbekämpfung zum Einsatz kommen, ausgebracht. Bei der Auswertung setzen Dr. Perkons und ihre Kolleginnen und Kollegen auf die optische Beurteilung der Schäden, die die Thripse verursachen, zum anderen wird es Verfahren entwickelt, die Thrips-Anzahl durch Abwaschen und Sieben relativ schnell zu bestimmen. Thripse saugen an den Blättern, die Zellen füllen sich dann mit Luft und erscheinen silbrig-weiß. Typischerweise sind die Saugstellen perlschnurartig auf dem Blatt aufgereiht.
Düngung von Mangold
„Beim Düngungsversuch in Mangold geht es darum, früh im Jahr an die Pflanze den Dünger möglichst effizient ranzukriegen“, so Dr. Ute Perkons. In den vergangenen Jahren wurde hierzu schon einiges zu Unterfußdüngung gemacht. Dieses Jahr gibt es die Varianten zu 100 % breitflächig gedüngt, zu 75 % breitflächig gedüngt, zu 75 % unter Fuß und zu 75 % als Band gedüngt. In Vorversuchen gab es nämlich Unterschiede, ob der Dünger direkt unter dem Wurzelballen (unter Fuß) oder als Band, in das dann gepflanzt wurde, abgelegt wurde. „Nach der ersten Ernten sehen wir einen deutlichen Effekt, nämlich dass wir mit 100 % breitflächig, 75 % breitflächig und 75 % unter Fuß ungefähr gleiche Erträge erzielt haben. Etwas abgeschlagen war die Banddüngung“, so Perkons erstes Fazit.
Cut & Carry
Beim Cut&Carry-Verfahren werden Luzerne oder Kleegras angebaut, die dann geschnitten und auf einem anderen Feld als Dünger genutzt werden. Das ist besonders für viehlose Biobetriebe eine gute Möglichkeit, die Pflanzen, die aus Fruchtfolgegründen angebaut werden, sinnvoll zu nutzen. Das Ökoteam der Landwirtschaftskammer NRW hat zum Thema Cut & Carry einen Praxisleitfaden erstellt.
Das System wurde in diesem Jahr an Fenchel und Blumenkohl getestet. Die Luzerne hatten ein C:N-Verhältnis von 13 und wurden mit 60 % ihres Stickstoffgehalts als Dünger angerechnet, da die Kultur nicht so lange steht, dass sie das komplette N aufnehmen könnte. Auch Blumenkohl wurde mit dem Cut-&-Carry-Verfahren mit Luzerne gedüngt. Da hat es allerdings nicht so gut funktioniert wie beim Fenchel, der Blumenkohl sah eher „verhungert“ aus.
Im Blumenkohl-Sortenversuch stehen in diesem Jahr: `Zaragoza´, `Arizona´, `Charlot´, `Casper´, `Daniel´ sowie drei samenfeste Nummernsorten aus ökologischer Züchtung, die in diesem Jahr zum ersten Mal getestet werden. Die anderen Sorten sind teilweise bereits im vierten Versuchsjahr (`Arizona´ im zweiten). Da im Öko-Anbau keine CMS-Sorten verwendet werden dürfen, gibt es laut Perkons nur wenige Neuzüchtungen.
Vorteilhafte Mulchabdeckung
Die Vorteile von Mulch sind schon lange bekannt: Reduzierung der Verdunstung aus dem Boden, Schutz des Bodens vor Erosion, Unkrautunterdrückung (außer Wurzelunkräuter), Verbesserung des Bodenlebens usw. Aber es gibt natürlich auch Nachteile. So muss man zusätzliche Flächen vorhalten, von denen das Mulchmaterial herangezogen wird - und Mäuse fühlen sich teilweise unter der Mulchdecke auch recht wohl. Zudem ist es arbeitsaufwendig, den Mulch gleichmäßig dick und möglichst dicht um die Kulturpflanzen auszubringen. Dafür gibt es allerdings mittelweile technische Möglichkeiten, wie den MulchTec-Planter, eine Pflanzmaschine, mit der in eine geschlossene Mulchschicht gepflanzt werden kann.
Für den Versuch in Auweiler mit Mulch bei Knollensellerie werden drei Varianten mit 10 t, 15 t und 20 t Trockenmasse/ha im Vergleich zum offenen Boden untersucht. Als Material kommt Grünroggen mit einem extrem weiten C:N-Verhältnis von über 100 zum Einsatz, damit das Material nicht umgesetzt wird und über die komplette Kulturdauer den Boden bedeckt.
Was beim Einsatz von Mulch auch noch zu bedenken ist: Die Mulchdecke isoliert den Boden. Was im Sommer nicht schädlich oder sogar gewünscht ist, kann im Frühjahr oder Herbst negative Auswirkungen haben. Denn wenn im Frühjahr die Rückstrahlung der ausgewärmten Erde fehlt, können leicht Fröste dann die Pflanzen schon schädigen.
Marion Valenta, Obst & Gemüse profi