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Wichtige Nützlinge an Kartoffeln

28.05.2026

Nützlinge sind wichtige Helfer bei der Blattlausbekämpfung in Konsumkartoffeln. In Jahren mit niedrigem Blattlausbefall werden gute Wirkungsgrade erzielt, sodass Insektizidbehandlungen häufig nicht notwendig sind. Das zeigt auch das Projekt Blattlausmonitoring Kartoffeln in NRW der Landwirtschaftskammer NRW.  

Schwebfliege
Adulte Schwebfliege

Nützlingspopulationen bauen sich phasenverschoben zeitversetzt zum Auftreten der Blattläuse und abhängig von deren Befallsstärke auf. Das heißt, in Jahren mit wenig Blattläusen treten weniger Nützlinge auf, in Starkbefallsjahren mehr. Denn zwischen Nützlingen und Blattläusen entwickelt sich ein biologisches Gleichgewicht, das die Populationsdichten dieser Gegenspieler in Grenzen hält. Zahlreiche Faktoren beeinflussen diese Räuber-Beute-Beziehung, neben dem Nahrungsangebot zum Beispiel unter anderem die Umweltbedingungen, die Raumkonkurrenz, Krankheitserreger, Stress sowie andere Räuber und Parasitoiden. Werden beide Populationen zum gleichen Prozentsatz dezimiert, zum Beispiel durch ein Pyrethroid, das sowohl die Blattläuse wie auch die Nützlinge tötet, so erholt sich die Blattlauspopulation schneller als die Nützlingspopulation. Siehe dazu Grafik 1:

Phasenverschobene, zeitlich versetzte Entwicklung der Nützlinge
Das Lotka-Volterra-Modell

Durch die phasenverschobene zeitversetzte Entwicklung der Nützlinge sind in Starkbefallsjahren, wie 2020 und 2022, aber keine ausreichend hohen Wirkungsgrade zu erwarten. Im Jahr 2022 wurden in der ersten und zweiten Junidekade zwar sehr viele Nützlinge auf den Monitoring- und Praxisflächen und in den Versuchen der Landwirtschaftskammer gefunden, den vorherrschenden Starkbefall vermochten die Nützlinge aber nicht ausreichend und nachhaltig zu dezimieren, wie die Blattlausbefallsentwicklung in den Monitoring-Spritzfenstern zeigte. Eine Unterstützung durch nützlingsschonende, systemische Insektizide war erforderlich.

Parasitierte Blattläuse im Starkbefallsjahr 2022

Im Projekt Blattlausmonitoring Kartoffeln in NRW war es aus Arbeitskapazitätsgründen nicht möglich, neben der Auszählung und Bestimmung der Blattlausarten auch noch die Anzahl an Nützlingen zu ermitteln. Auch wurde bei der Blattprobenahme darauf geachtet, möglichst keine Nützlinge mit in die Probentüten zu sammeln, damit diese zwischenzeitlich nicht die auf den Blättern vorhandenen Blattläuse vertilgen und hierdurch die Ergebnisse verfälschen. Es wurde aber die Anzahl der durch Schlupfwespen parasitierten Blattläuse, die sogenannten Blattlausmumien, auf den Blattproben ermittelt. 

Siebenpunktmarienkäfer
Siebenpunkt Marienkäfer

Der durchschnittliche Blattlausbefallshöhepunkt lag im Jahr 2022 in NRW in der KW 23 (6.6.2022), eine Woche später in KW 24 (13.6.2022) wurden dann besonders viele Blattlausmumien gefunden. Dabei zeigte sich eine Beziehung zwischen der Gesamtanzahl an Blattläusen und der Anzahl an durch Schlupfwespen parasitierten Blattläusen. Je mehr Blattläuse also vorhanden waren, desto höher war die Anzahl an parasitierten Blattläusen, siehe Abbildung 2 (Korrelationskoeffizient: r = 0,63). Auf den zwölf Monitoringstandorten wurden in den Spritzfenstern ohne Blattlaus abtötende Insektizide durchschnittlich 10 % parasitierte Blattläuse gefunden, wobei sich Standortunterschiede zeigten. Der relative Anteil an Blattlausmumien variierte nach Standort zwischen 3 % bis 18 %, wobei nicht untersucht wurde, worauf sich diese Unterschiede begründeten.

Erfahrungen aus dem Sortenversuch

Im projektbegleitenden Sortenversuch am Standort Niederkassel wurden im Jahr 2022 unbehandelte und mit Insektizid behandelten Varianten miteinander verglichen. Die erste Behandlung der Insektizidvarianten erfolgte am 24.5.2022 (KW 21) mit Teppeki 0,16 kg/ha plus Sumicidin Alpha 0,3 l/ha und die anschließende Bonitur am 6.6.2022 (KW 23). Wie schon zuvor im Monitoring, zeigte sich auch im Sortenversuch eine enge Beziehung zwischen der Gesamtanzahl an Blattläusen und der Anzahl der durch Schlupfwespen parasitierten Blattläuse, durchschnittlich 6 % Blattlausmumien wurden gefunden, siehe dazu die Abbildung 3 (Korrelationskoeffizient: r = 0,92). Die Anzahl parasitierter Blattläuse variierte zwar leicht zwischen den Sorten, aber nicht zwischen den Varianten ohne (blaue Punkte: Durchschnitt 6 %) und mit Insektizid (rote Punkte: Durchschnitt 6 %). 

Asiatischer Marienkäfer
Asiatischer Marienkäfer

Die Insektizidbehandlung hat die Schlupfwespen demnach nicht geschädigt. Der im Mittel Teppeki enthaltene systemische Wirkstoff Flonicamid wirkt selektiv gegen Blattläuse und schont die meisten Nützlinge. Er wird von der Pflanze aufgenommen und in der Pflanze verteilt, so dass nur die an den Pflanzen saugenden und beißenden Insekten geschädigt werden. Das Pyrethroid Sumicidin Alpha jedoch tötet als Kontaktmittel über den schnellen Knock-down Effekt nicht nur die Blattläuse, sondern auch die Nützlinge. Aufgrund seiner kurzen Wirkungsdauer von drei bis vier Tagen und weil sich die Nützlingspopulationen zeitversetzt zu den Blattläusen aufbauen, hat es in diesem Fall die Schlupfwespen ausnahmsweise nicht nachhaltig geschädigt. Dennoch ist der Einsatz von Pyrethroiden bei Vorhandensein von Nützlingen nicht zu empfehlen, abgesehen davon, dass Pyrethroide aufgrund von Resistenzen in NRW sowieso nicht mehr gegen die siedelnden Kartoffelblattläuse wirken.

Mehr zum Projekt lesen Sie auf der Webseite der Landwirtschaftskammer NRW

Hohes Potenzial durch Nützlingseinsatz

Ein Wirkungsgrad von 6 % oder 10 % erscheint zunächst als nicht besonders hoch, bedenkt man aber, dass es neben den Schlupfwespen noch eine Vielzahl weiterer Nützlinge gibt, die Blattläuse sehr effektiv bekämpfen können, ist zu erahnen, welch großes Potenzial Nützlinge aufweisen. Zu bedenken ist aber, dass auch wenn zahlreiche Nützlinge vorhanden sind, sie zwar einen niedrigen Blattlausbefall erfolgreich dezimieren können, die Übertragung des Y-Virus dennoch möglich ist. 

Nützlinge erkennen

Wichtig ist die Identifizierung dieser nützlichen Helfer. Die Erfahrungen der letzten Jahre zeigen aber, dass von der landwirtschaftlichen Praxis nicht alle Nützlinge mit ihren verschiedenen Entwicklungsstadien erkannt und manchmal sogar als Schädling betrachtet werden. Dies betrifft besonders die Larvenstadien. Auch werden die Eigelege von Marienkäfern häufig mit denen von Kartoffelkäfern verwechselt.

Bei den Nützlingen wird zwischen den Prädatoren, räuberischen Insekten, die Blattläuse vertilgen, wie zum Beispiel Marienkäfer und ihre Larven, die Larven von Schweb- und Florfliegen und Gallmücken, und den Parasitoiden unterschieden. Letztere benötigen die Blattläuse für ihre Entwicklung, wie Schlupfwespen

Einige Nützlinge im Fokus

Marienkäfer: 

In Deutschland gibt es rund 80 verschiedene Arten, davon sind 37 Blattlausräuber. Die erwachsenen (adulten) Marienkäfer und ihre Larven vertilgen Blattläuse. Ein Marienkäfer verzehrt bis zu 150 Blattläuse pro Tag, die Larve kann in ihrem Leben bis zu 3 000 Blattläuse vertilgen; die Zahlen variieren nach Literaturquelle und sind deswegen nur Anhaltspunkte. Dies gilt auch für die folgenden Nützlinge.

Schwebfliegen: 

Die adulten Schwebfliegen saugen Nektar, die Larve vertilgt bis zu 100 Blattläuse pro Tag.

Florfliegen: 

Die adulten Florfliegen ernähren sich von Nektar, ihre Larven, die sogenannten Blattlauslöwen, können, abhängig von der Witterung und den Entwicklungsbedingungen, bis zu 100 Blattläuse pro Tag vertilgen.

Gallmücken: 

Die adulten Gallmücken saugen Nektar, ihre winzigen, roten Larven vertilgen Blattläuse, während ihres Larvenlebens bis zu 100 Blattläuse.

Schlupfwespen: 

Schlupfwespen legen ihre Eier mit Hilfe eines Legestachels in die Blattläuse. Nach rund zwei Tagen schlüpft die Larve, die sich von der Blattlaus ernährt. Sie durchläuft mehrere Larvenstadien, verpuppt sich und verlässt als erwachsenes Tier durch ein kreisrundes Loch die Blattlaus. Zurück bleiben leere, aufgeblähte Blattlaushüllen, die sogenannten Blattlausmumien.


Dr. Marianne Benker, Dr. Jonas Hett, Dr. Ellen Richter 
Pflanzenschutzdienst, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen