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Biofach: Inspirationsmesse für nachhaltige Ernährungssysteme

20.02.2026
Biofach BMLEH
Unter "Young Innovators" fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz Startups und junge Unternehmen, die auf der Biofach ihre Innovationen zeigten. 

Vom 10. bis 13. Februar hat die diesjährige Biofach in Nürnberg unter dem selbstbewussten Motto „Growing tomorrow. Young Voices, Bold Visions!“ stattgefunden. In über 170 Sitzungen, in Talkrunden mit Beteiligung von Markt und Politik, mit Präsentationen von Erlebniswelten und von Best-Practice-Beispielen, von Trends, Innovationen und Startups wurde diskutiert, wie Ernährungssysteme resilient und zukunftsfähig werden. 

Damit stand dieses Treffen der internationalen Biobranche ganz im Zeichen der „nächsten Generation von Bio-Akteurinnen und -Akteuren, die bereit sind, das Thema in die eigene Zukunft zu tragen und die Relevanz der organischen Landwirtschaft vom Rohstoff bis ins Regal und damit kompromisslos entlang der Wertschöpfungskette zu unterstreichen“, wie es in der Eröffnungs-Pressekonferenz hieß. Rund 2 200 Aussteller aus fast 90 Ländern sowie knapp 32 000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher nahmen an der Biofach 2026 teil, jeder zweite war aus dem Ausland angereist. Damit erreichte die Messe ihre relevanten Zielgruppen und ermöglichte intensive Gespräche zwischen Herstellern, Handel, Politik und Stakeholdern.

Nürnberg meets Bio

Biofach Eröffnung
Die Eröffnungszeremonie war wieder bunt und großformatig.

Burg, Bratwurst, Bio - mit diesen drei Worten brachte Marcus König, Oberbürgermeister der Frankenmetropole, die seit 1990 bestehende enge Partnerschaft seiner Stadt mit der internationalen Bio-Fach-Messe auf den Punkt. 1990 war Nürnberg erstmals Gastgeber für die Leitmesse der Biobranche. Er freue sich sehr auf die 37. Auflage von „Nürnberg meets Bio“, sagte König. Von der Europäischen Kommission überbrachte Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Grußworte ganz im Sinne einer von den Idealen des organischen Landbaus geleiteten europäischen Agrarpolitik, die für die Zielerreichung von 25 % organischer Fläche in der EU bis 2030 - der Anteil liegt derzeit bei 11 % - einen strukturellen Umschwung benötige. Immerhin fördere die EU jeden biologisch bewirtschafteten Hektar mit durchschnittlich 184 € und damit insgesamt 14,5 Mrd. € in dieser Legislaturperiode. Die EU-Agrarpolitik sei „green by definition“ und der Ökolandbau eine Win-Win-Win-Strategie für Umwelt, landwirtschaftliche Märkte und die Konsumenten. 

Von cleverer Innovation bis zu ehrlicher Schlichtheit

Biofach Neuheiten

480 Produktneuheiten waren für die Biofach 2026 angemeldet. Die Trendjury hat dabei vier größere Trends ausgemacht: „Colourful by Nature“, bezogen auf Farbe, Produkt, Verpackung und Marke, „Precision meets Tradition“, was in erster Linie das Verfahren der Fermentation auf einem nächsthöheren technologischen Level bedeutet, „Stay hydrated“, wobei es um Getränke von Shots bis zur Trinkmahlzeit geht, und „Oh my Gut“, Stichwort Darmgesundheit und Probiotika. 

Als Trends hat die siebenköpfige internationale Jury solche Neuheiten ausgewählt, die nicht nur einen kurzfristigen Hype auslösen, sondern absehbar längerfristig positiv relevant für die Entwicklungen entlang der gesamten Wertschöpfungsketten wirken. Hier vier Beispiele von Startups und Familienunternehmen aus Bulgarien, Italien, Tschechien und Frankreich.

Oh my Gut - hierfür steht das tschechische Startup „Wild & Coco“, das Inhaltsstoffe aus jungen Kokosnüssen, importiert aus Thailand und von den Philippinen, fermentiert und den sogenannten „Cocofir“ als Alternative zu Joghurt und Kefir anbietet.  

Perfectly simple - Belun Organics aus Bulgarien weiß, wie die wenigen erlaubten Zusätze zur Herstellung biologischer Lebensmittel bestmöglich genutzt werden können: Belun stellt Nussaufstriche, wie die Blue Macadamia-Paste, her, die mit dem Farbstoff der Sperulina-Alge tiefblau eingefärbt und einem Spritzer Limone versetzt ist. Vor elf Jahren hat der Familienbetrieb mit der Verarbeitung der eigenen Hasel- und Walnüsse begonnen, seit vier Jahren werden auch Mandeln und Macadamia zu Paste gemacht. In Bulgarien ist Belun bekannt, vor allem für „perfectly simple“ und „colourful by nature“.

In Pulia/Italien produziert „Choruba“ Alternativen zu herkömmlicher Schokolade aus dem Fruchtfleisch des Johannisbrotbaums. Das ist lokal und nachhaltig, weil 80 % Wasser gespart und keine Kakaobohnen verwendet werden.

Wellbeing in a Bottle - das gelingt mit Kefir, der auf Wasserbasis mit fermentiertem Gemüse hergestellt ist. Die Idee hatte die französische Firma Labo Dumoulin 2020. Liebe, Zeit und gute Zutaten, keine Lactose, kein Gluten - das soll Darmbakterien und Verdauung in Schwung bringen. 

BÖL: 25 Jahre Forschung, Vernetzung, Wertschöpfung

Biofach BÖL Geburtstag

Die heimische, ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft stärken und weiterentwickeln - das ist das oberste Ziel des Bundesprogramms Ökologischer Landbau (BÖL), dessen Geschäftsstelle im Jahr 2001 in der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) ihre Arbeit aufnahm. Seitdem wurden im Auftrag des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über 1 500 Forschungsprojekte umgesetzt, rund 5 000 Veranstaltungen zum Wissenstransfer gefördert und jedes Jahr rund 450 000 Verbraucherinnen und Verbraucher auf Biobetrieben begrüßt. Zudem konnte das BÖL mit rund 200 Projekten und knapp 2 000 Workshops regionale Wertschöpfungsketten aufbauen und Bio in der Außer-Haus-Verpflegung fördern. Am 11. Februar feierte das BÖL mit einigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern offiziell den Geburtstag auf der Biofach. Zum Geburtstagskuchenanschneiden und -essen kam neben der Präsidentin der BLE, Dr. Margareta Büning-Fesel, auch Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer. Gebacken hat die Torte die Allgäuer Bio-Hotelière und -Köchin Nina Mayer. 

Mehr Informationen zum Bundesprogramm Ökologischer Landbau (BÖL) gibt es unter www.bundesprogramm.de.

Biofach India

Im Sommer 26: Biofach India 

Indien war in diesem Jahr das Partnerland des Jahres, das im August 2026 sogar eine eigene Biofach India veranstalten wird. Prädestiniert ist das riesige tropische Land als echter „key player“, werden dort doch 4,5 Mio. ha Anbaufläche ökologisch bewirtschaftet. 2,36 Mio. Bioproduzenten erzeugen unter anderem Rohstoffe wie Hülsenfrüchte und Getreide in großer Menge. 90 Aussteller aus Indien zeigten in Nürnberg einen Teil davon. 

Wie sich Nordrhein-Westfalen auf der Biofach 2026 präsentiert hat. lesen und sehen Sie ebenfalls auf unserer Webseite


Meike Siebel, Landwirtschaftskammer NRW