Die niederländische Erzeugergenossenschaft ZON, zentral gelegen auf dem Fresh Park Venlo und damit mitten in der niederländisch-deutschen Grenzregion, ist ein gewichtiger Player im internationalen Obst- und Gemüsesektor. Bei einem Betriebsbesuch, organisiert vom Team des deutsch-niederländischen Interreg-Projektes „Agropole Innovates“, waren die modernen Frischeketten, die digitale Plattform für den Tageshandel und die Dienstleistungen für Erzeuger und Kunden die Top-Themen im Programm.
Die ZON, deren Namen auf die ursprüngliche Gründung und den Standort in Zuid-Oost-Nederland zurückgeht und die sich seit 2015 mit dem Zusatz „Royal“, also königlich, schmücken darf, ist mit ihren 130 Mitgliedern eine der größeren Erzeugerkooperationen in Europa. Unterstützt von weiteren 50 Vertragsanlieferern kann ZON rund 120 verschiedene Obst- und Gemüsesorten anbieten.
„Bei ZON dreht sich alles um Wachstum!“ Damit führte Vincent Theelen, Senior Product Manager im Unternehmen, in seinen Überblick über das tägliche Handelsgeschehen der Genossenschaft ein, bevor es im Anschluss in die Versteigerungs- und Sortierhallen ging. Nach dem Westen der Niederlande sei die Region um Venlo das zweitgrößte Produktionsgebiet des Landes und gemeinsam mit dem Niederrhein - in den Kreisen Kleve, Wesel, Viersen und dem Rhein-Kreis Neuss produzieren einige deutsche Mitglieder der Genossenschaft für ZON - das größte zusammenhängende in Europa. „Venlo ist für die regionalen Kunden auf deutscher und niederländischer Seite definitiv näher als die Pfalz!“, betonte der Produkt Manager augenzwinkernd. ZON sei mit seinem Standort auf dem Freshpark Venlo an einem logistischen Hotspot verwurzelt, die Anbindung an Deutschland sei perfekt und die Nähe zu den Häfen in Rotterdam und Antwerpen wichtig, wenn es um den Handel mit Übersee gehe. „Im 200 km Radius rund um Venlo wohnen beachtliche 40 Mio. Endverbraucher“, nannte Theelen eine imposante Größe.
Die Top 10
Die Anbaufläche der Erzeugerbetriebe sei in den vergangenen drei Jahren um gut 80 % gewachsen. „Früher haben wir hauptsächlich Glashausprodukte vermarktet; mittlerweile ist der Anteil an Freilandgemüse deutlich gestiegen“, erläuterte Vincent Theelen. Aktuell würden rund 3 000 ha Freiland und etwa 450 ha Unterglasfläche bewirtschaftet. Die Top 10 der Gemüsearten, die ZON vermarktet, machten in der Summe 80 % des Gesamtumsatzes aus. Der liegt bei knapp 400 Mio. €.
„Anführer der Top-Liste sind Tomaten, mit denen wir mehr als 100 Mio. € Umsatz jährlich erwirtschaften. Zum Sortiment gehört zum Beispiel auch die bekannte Linie Tasty Tom. Es folgen Paprikaschoten in den Ampelfarben rot-gelb-grün, Salatgurken und Spargel aus Südholland. Auf 600 ha bauen unsere Mitglieder Porree an, dann folgen Erdbeeren, Eisbergsalat, ebenfalls ein sehr großflächiges Produkt, Radieschen aus den Niederlanden und Italien, gelbe Zucchinis aus dem Gewächshaus, grüne vom Freiland, sowie Einlegegurken für den Frischmarkt“, zählte der Produkt Manager die gehandelten Spitzenreiter auf.
Das Sortiment werde ergänzt durch Erzeugnisse von anderen Erzeugerorganisationen und niederländischen Genossenschaften. ZON arbeite außerdem mit spanischen Händlern zusammen, um eine ganzjährige, stetige Verfügbarkeit vieler Produkte zu garantieren.
Mission, Vision, Ziele
ZON habe die Mission, gleichermaßen für zufriedene Erzeuger, Kunden und Mitarbeiter zu sorgen. „In erster Linie möchten wir die Kosten für unsere Erzeugerbetriebe so niedrig wie möglich halten. Die Landwirte zahlen, neben einem Jahresmitgliedsbeitrag von 750 €, eine Provision auf die gehandelten Obst- und Gemüsepartien, deren Höhe sich ausschließlich über den Umsatz des Produktes in Abhängigkeit vom Produktionsumfang errechnet“, so Vincent Theelen. Die Kooperation sei Eigentümerin des Geländes und habe entsprechende Miet- und Pachteinnahmen, und auch die Einnahme aus dem Mehrwegsystem der EPS-Kisten gingen an die ZON-Mitglieder. „Damit sind wir die günstigste Organisation unserer Art in den Niederlanden!“, war der Manager zufrieden.
Entsprechendes Entgegenkommen zeige ZON durch zahlreiche Dienstleistungen. „Wir übernehmen die Zertifizierungskosten und den Transport von den Erzeugern. Wir leisten die Sortierung bestimmter Erzeugnisse, wie die Paprikasortierung, die für den Verkauf bei uns gepackt werden. Und mit unseren eigenen Sortier- und Verpackungslinien können wir zum Beispiel sehr flexibel auf Bestellungen reagieren“, nannte Theelen einige Vorteile einer Mitgliedschaft. Wenn das Unternehmen Mitglied einer anerkannten Erzeugerorganisation wie ZON ist, könne es außerdem von EU‑Fördermitteln profitieren. „ZON kann einem landwirtschaftlichen oder gärtnerischen Mitgliedsbetrieb beispielsweise eine mit EU‑Subventionen angeschaffte Unkrautbekämpfungsmaschine zur Verfügung stellen“, erläuterte der Manager weitere Pluspunkte. Darüber hinaus gebe es einige Arbeitsgemeinschaften für die Erzeuger und die Landwirte und Gärtner könnten auf eine belastbare Datengrundlage zurückgreifen. „Wir machen seit Jahren Datenanalysen unserer Mitgliedbetriebe, die diese selbstverständlich für ihre künftige Betriebsplanung nutzen dürfen“, meinte er.
Tagesverkauf über die Uhr
ZON übernimmt den Uhrenverkauf bei der Versteigerung. „Die Produkte sind maximal 24 Stunden nach ihrer Ernte auf dem Weg zum Kunden. Wir bieten internationale und dennoch kurze Frischeketten.“ Die 35 000 Kartons mit Tomaten, die jeden Tag an der Uhr versteigert würden, seien am selben Tag schon wieder auf der Straße auf dem Weg zum Kunden. „Im vergangenen Jahr sind 42 % aller Obst- und Gemüsesorten im Tagesverkauf über die Uhr versteigert worden. Der größte Teil wird aber online gehandelt“, berichtete Theelen, der sich selber als „Business Manager Klok“ bezeichnet. Die ZON‑Uhr hat etwa 300 Kunden, von denen 150 täglich ihren Einkauf an der Uhr tätigen. „Das sind in der Regel Großmärkte, Distributeure für Foodservices, Verarbeitungsbetriebe und Exporteure“, spezifizierte Theelen diesen Kundenstamm.
75 % der Kunden seien niederländische Händler, also Großhandel und Supermarktketten, 20 % deutsche Kundschaft, 5 % stammten aus Drittländern, wie Tschechien und Belgien. „Wir versteigern an fünf Tagen in der Woche, alles hintereinander weg. Die Grundlage dafür ist eine strukturelle Anlieferung. Der direkte Verkauf wird durch die regionalen Erzeuger bereitgestellt und geladen“, so Vincent Theelen. „Die Produkte stehen fast alle hier in den Hallen!“ Es würden strenge Kontrollen zur Qualitätssicherung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Qualitätsmanagement vorgenommen; so müssten alle Betriebe ganz penibel und rückverfolgbar ihren Pflanzenschutzmitteleinsatz dokumentieren.
Hilfreiches Management
Die Preise an der Uhr würden vom Markt bestimmt. „Unsere Erzeuger werden alle zwei Wochen ausbezahlt - es gibt keine Stopp‑Preise!“, betonte Theelen. „Deshalb sind die Preise eben manchmal niedrig, ein anders Mal aber auch wieder extrem hoch. Das zeigt: Die Erzeuger sind hier der Boss!“
Meike Siebel,
Landwirtschaftskammer NRW